Ingenieure gestalten Zukunft - Bayerische Ingenieure für ihre innovativen Ideen geehrt
München - 18.01.2013
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dr.-Ing. Heinrich Schroeter,
haben am 18. Januar 2013 den mit 10.000 Euro dotierten Ingenieurpreis
2013 verliehen. Das Thema des Ingenieurpreises 2013 lautete „Ingenieure
gestalten Zukunft“.
Prof. Dr. Klaus Töpfer, der ehemalige Bundesumweltminister, überreichte die Schecks an die Gewinner.
Das Münchner Büro von Prof. Dipl.-Ing. Christoph Ackermann und das Ingenieurbüro Bamberger aus dem Landkreis Eichstätt erreichten mit ihren Projekten je einen ersten Platz; Platz drei geht an das Ingenieurbüro Gisela Raab für ihr nachhaltiges Wohnkonzept in Oberfranken. Zudem gibt es zwei Lobende Erwähnungen.
Die
Preisverleihung erfolgte traditionell im Rahmen des Bayerischen
Ingenieuretags der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Die Bayerische
Ingenieurekammer-Bau vergibt alle zwei Jahre den Ingenieurpreis an
besonderes herausragende Projekte aus den verschiedenen Fachgebieten von
Ingenieuren im Bauwesen.
Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter erklärt:
„Mit dem Ingenieurpreis 2013 würdigt die Kammer innovative technische
Ingenieurleistungen. Diese vereinen Funktionalität, Wirtschaftlichkeit
und Innovation bei der Planung, Errichtung und Nutzung. Durch den Preis
machen wir das kreative Potential der bayerischen Ingenieure im Bauwesen
für die Öffentlichkeit sichtbar.“ Bei der Beurteilung der eingereichten
Objekte standen für die Jury die Originalität und Kreativität,
Innovationskraft sowie die Nutzung neuer Technologien im Mittelpunkt.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann
sagte: "Mit unseren Bau- und Infrastrukturprojekten stellen wir heute
die Weichen für morgen. Energieeffizientes und ressourcenschonendes
Planen und Bauen, die Nachhaltigkeit beim Bau und Betrieb von Straßen
und Gebäuden und die demografischen Veränderungen zählen zu unseren
wichtigsten Handlungsfeldern."
Fotos: Birgit Gleixner
Preisgeld: 4.000 EuroDas
im November 2011 fertiggestellte Solardach des
Abfallwirtschaftsbetriebes München (AWM) überdacht die bereits
bestehende zweigeschossige Stahlbetonkonstruktion mit jeweils ca. 70
Stellplätzen für die städtischen Müllfahrzeuge. Der Wiederaufbau war mit
der Auflage verknüpft, ein anspruchsvoll gestaltetes Tragwerk mit
wirtschaftlichen Folgekosten für den Betrieb und den Unterhalt zu
entwerfen und dem Wunsch nach einer zusätzlichen, solaren Nutzung der
ca. 9.400 m² großen Dachfläche.
Das Tragwerk wurde in enger Abstimmung mit den Fachingenieuren entwickelt. Auf Dreigurtbindern liegen räumlich unterspannte Bögen auf, die die Solarkissen tragen. Die Stützen sind gelenkig auf der bestehenden Stahlbetonkonstruktion gelagert. Der Kraftfluss ist im Tragwerk ablesbar, Druck und Zugkräfte werden durch die Querschnittswahl sichtbar gemacht.
In
die Solarkissen sind Photovoltaikelemente integriert. Auf einer 100
Mikrometer starken Folie (100 Mikrometer entsprechen in etwa dem
Durchmesser eines menschlichen Haares) werden die flexiblen, amorphen
Dünnschichtzellen schwimmend aufgehängt und somit vor Witterungseinfluss
geschützt. Die Zellen können kissenweise ausgetauscht werden. Sie
gewährleisten auch den Sonnenschutz, da sie die Parkfläche verschatten.
Bei der Planung wurde streng darauf geachtet, dass durch additive
Systeme die einzelnen Elemente und Bauteile ausgetauscht werden können
und im Falle des Rückbaus materialgerecht recycelt und somit dem
Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden können.
Der Beitrag wurde in den Kriterien der Auslobung hoch bewertet. Die ansprechend gestaltete Überdachung zeigt Originalität und Kreativität. Die Ingenieurleistung und Innovation sowie Ressourcenmanagement und Umweltverträglichkeit wurden durch den Einsatz der sehr leichten Kissen aus selbstreinigender, recycelbarer ETFE-Folie als Sekundärtragwerk, den witterungsgeschützten Einbau der Photovoltaikelemente im Inneren der Kissen und das konsequent filigrane Primärtragwerk erreicht. Funktionalität und Praxistauglichkeit sind ebenso optimal wie die Nutzung erneuerbarer Energien durch den Einsatz der Photovoltaikelemente.
Prof. Dipl.-Ing. Christoph Ackermann, Beratendes Ingenieurbüro für Bauwesen, München
Fotos: oben: Beratendes Ingenieurbüro für Bauwesen Prof. Ackermann, unten: Birgit Gleixner
Preisgeld: 4.000 EuroDie
Idee und Umsetzung der komplexen Lichtsteuerung bietet mit der
bedienerfreundlichen Benutzeroberfläche den Kuratoren die Möglichkeit,
das Lichtmilieu auf die Erfordernisse der jeweiligen Exponate
individuell abzustimmen – und zwar ohne Umbau der Beleuchtungsanlage und
Wechsel der Leuchtmittel. Es lassen sich sechs Szenen aus den
voreingestellten 91 Kombinationen von Helligkeit und Farbtemperatur vor
Ort mit einem Tablet-Computer ohne spezifische Fachkenntnisse
konfigurieren. Die Lichtsteuerung überwacht außerdem die
Wärmeentwicklung der LEDs und meldet eine Überschreitung festgelegter
Grenzwerte automatisch an das Tableau in der Technikzentrale. Zudem
steuert sie im Hintergrund dem Abtriften der Farbwiedergabe bei
unterschiedlichen LED-Betriebstemperaturen entgegen.
Das so erzeugte Licht entspricht dann der Anmutung und Farbigkeit des Gemäldes, d.h. der Betrachter nimmt das Bild mit den Farben, dem Glanz, der Oberfläche und der Struktur annähernd so wahr, wie es sich der Maler vorgestellt hat. Außerdem kann mit der Farbtemperatur die Farbigkeit des Objektes noch stärker unterstützt werden. Damit konnte ein neuer Qualitätsstandard der musealen Beleuchtung erreicht werden.
Für
den LED-Einsatz spricht zudem die hervorragende Energieeffizienz - ca.
ein Drittel des Leistungsbedarfs herkömmlicher Leuchtstofflampen. Die
erwartete Einsatzzeit von 50.000 Betriebsstunden liegt etwa 14 Mal über
der von Leuchtstofflampen. Hinzu kommt die exzellente Farbwiedergabe, so
dass auch gesättigte reine Farben naturgetreu wiedergegeben werden.
In den historischen Flügelbauten sind die Leuchten in den umlaufenden Vouten platziert. Im ersten Obergeschoss des Neubaus erhellen Lichtdeckenfelder die Ausstellungsräume. Im darüber liegenden Dachgeschoss fällt Tageslicht durch Oberlichter in die Galerieräume. Shed-Leuchten projizieren ihr Licht in die gewölbte Deckenfläche. Dabei sind die Kühlsysteme zur passiven Kühlung der LEDs entsprechend optimiert, auch im Zusammenspiel zwischen Leuchte, Deckenkonstruktion und Klimatisierung des Raumes.
Dipl.-Ing. Walter Bamberger, Ingenieure Bamberger GmbH und Co KG, Pfünz
Fotos: Simulation oben: Ingenieure Bamberger, unten: Birgit Gleixner
Preisgeld: 2.000 EuroDie
Planung und Errichtung eines Mehrfamilienwohnhauses, das geeignet ist
für Menschen, die an multipler Chemikalienunverträglichkeit (MCS)
leiden, ist ein herausragendes Beispiel für baubiologisches und
ökologisches Bauen.
Jeder verwendete Baustoff wurde vor dem Einbau auf relevante Schadstoffemissionen geprüft und alle am Bau beteiligten Handwerker mussten sich einer eigens organisierten und entsprechenden Schulung unterziehen.
Wohngesunde
Materialien, ein überzeugendes Energiekonzept mit einer
Sole-Wasser-Wärmepumpe und dezentraler Wärmerückgewinnung,
Elektrosmogabschirmungen im Dachaufbau und die Qualität der besonders
schadstoffarmen Innenraumluft machen das Projekt - insbesondere im
Hinblick auf die zunehmende Zahl an Allergikern - zu einem
zukunftsfähigen Vorbild im Wohnungsbau.
In Verbindung mit einer hoch effizienten Sole-Wasser-Wärmepumpe mit fünf vertikalen Bohrungen und Flächenheizung sowie dreifach verglasten Fenstern erreicht das Gebäude die KfW 55 Effizienzhaus-Kriterien und damit niedrigste Energiekosten bei hoher Förderquote. Eine dezentrale kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung bis zu 90 % trägt nochmals das ihre zum Energiesparen und gleichmäßigen Durchlüften der Wohnungen bei.
Beispielhaft hat die Ingenieurin es verstanden, alle am Bau Beteiligten zusammenzubringen und so ein nachhaltiges gesundes Konzept entwickelt und umgesetzt.
Dipl.-Ing.(FH) Gisela Raab , RAAB Baugesellschaft mbH & Co. KG, Ebensfeld
Fotos: oben: Jung GmbH, unten: Birgit Gleixner
Das
Gebäude ist als Demonstrations- und Experimentiergebäude konzipiert, an
dem verschiedene neuartige Entwicklungen im Gebäudebereich unter
wissenschaftlichen Gesichtspunkten erprobt und dargestellt werden
können. Das Gebäude beinhaltet Büroräume, Labor- und Technikumsräume
sowie die entsprechende Infrastruktur für Forschungsaktivitäten des ZAE
Bayern in Würzburg. Weiterhin werden ein Veranstaltungsraum und ein
Infocenter integriert, welcher aktuelle Forschungs- und
Entwicklungsergebnisse erläutert. Die Idee, das Gebäude selbst als
Objekt des Wissenstransfers zu nutzen und in den Mittelpunkt der Arbeit
zu stellen, hat sich schon in anderen Instituten als herausragende
Lösung erwiesen. Dass dieses Konzept auch hier zum Tragen kommt, ist den
Juroren ein großes Anliegen, so dass die Belobigung mit dem Hinweis auf
die Interdisziplinarität, und somit auf die zu ergreifenden Chancen
einer nachhaltigen und innovativen Nutzungsform erfolgt.
Dipl.-Ing. Peter Voland, SSF Ingenieure AG, München
Bild/Visualisierung: Lang Hugger Rampp GmbH Architekten
Die
Anforderungen von Baumaßnahmen in FFH-Gebieten sind äußerst schwierig.
Bei diesem Bauwerk ist es gelungen, die infrastrukturellen Ansprüche mit
den Notwendigkeiten des Natur- und Artenschutzes weitestgehend
auszugleichen. So konnte das Schutzgebiet des Enzenstettener
Brunnenmooses von den Einflüssen der Baustelle und des Betriebs der
Autobahn A7 freigehalten werden. Es wurde ein schlanker Überbau gewählt;
die Stützen wurden zur Reduzierung der Stützweiten V-förmig ausgeführt
und die Stützweiten nach der Höhe der Gradiente variiert, um die
Überbauhöhen der Höhe über Gelände anzupassen.
Durch
die Anordnung der Lager am Fußpunkt der Stützen in Zusammenhang mit dem
biegesteifen Anschluss der Stützen an den Überbau konnten größere
Stützweiten zum Schutz des Feuchtgebiets erreicht werden. Damit sind die
Lager für die Bauwerksprüfung ohne besonderen Aufwand zugänglich. Durch
diese Konstruktion ergeben sich größere Lagerwege als üblich, die durch
Einsatz spezieller Materialien beherrschbar wurden.
Eine Belobigung erhält der Ingenieur mit dieser Brücke auch deshalb, da die Funktionalität und Praxistauglichkeit des Bauwerks den Bewertungskriterien in besonderer Weise Rechnung tragen.
Dipl.-Ing. Norbert Nieder, IB Konstruktionsgruppe Bauen AG, Kempten
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