Welche Marktchancen bieten sich bayerischen Ingenieur- und Architekturbüros im lateinamerikanischen Raum, speziell in Brasilien?
München - 22.03.2010
Diese Frage versuchte eine Fachtagung zu beantworten, zu der die Bayerische Ingenieurekammer-Bau und die Bayerische Architektenkammer am 18. März eingeladen hatten. Nach einem Einführungsvortrag des in Brasilien geborenen Architekten M. Eng. Dipl.-Ing.(FH) Alexander Matthiessen berichteten Ingenieure und Architekten, die im lateinamerikanischen Raum tätig waren oder sind in einer Diskussionsrunde von ihren Erfahrungen.
In Brasilien sei der Traum eines jeden Stadtplaners wahr geworden, sagte Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter bei seiner Begrüßung. Auf unbebauter Erde haben Oscar Niemeyer und Lucio Costa in den 60er Jahren die Hauptstadt Brasilia erbaut. Als Basis ihres Entwurfs wählten sie die Form eines Kreuzes, das als Symbol der Landmarkierung auf einer Landkarte gesehen werden sollte. „Auch wir wollen mit dieser Veranstaltung ihre ganz persönliche Landkarte ein wenig erweitern”, sagte Schroeter. Für die Kammer ist Brasilien kein Neuland: Bereits seit dem Jahr 2004 unterhält sie ein Kooperationsabkommen mit dem Architekten- und Ingenieurverband des südlichen Bundesstaates Santa Catarina.
Kammermitglied Dipl.-Ing. Rolf Haupt aus Unterhaching war Teilnehmer der ersten Diskussionsrunde und berichtete über seine Erfahrungen in Brasilien. Wer dort Geschäfte machen wolle, müsse Kontakte haben: „Ohne Kontakte keine Chance”, sagte er. Architekt Dipl.-Ing. Florian Schwarthoff (gmb International GmbH) pflichtete ihm bei: „In Brasilien wird bei Geschäften das südamerikanische Prinzip der Männerfreundschaft gepflegt. Man benötigt einen langen Atem.”
Bereitschaft zum Kompromiss
Architekt Dipl.-Ing.Univ. Jan Foerster berichtete über seine Investorensuche in Brasilien und über das dortige Wettbewerbsverfahren: „Es gibt kein Wettbewerbsverfahren, wie wir es kennen.” Architekt Dr.-Ing. Rauch (metroconsult planners & architects) ging ebenfalls auf die brasilianische Mentalität bei Meinungsverschiedenheiten von Geschäftspartnern ein: „Ein Nein ist nicht akzeptabel. Erwartet wird immer ein Kompromiss.“
Die zweite Runde befasste sich mit den Rahmenbedingungen, Finanzierung, Förderung und interkulturelle Kooperation. Rechtsanwalt Dr. Markus Felsner warnte die Zuhörer vor dem „kompliziertesten Steuerrecht der Welt”, das es in Brasilien gebe. Michael Gotschil vom Bayerischen Wirtschaftsministerium riet Interessenten, die sich im Ausland ein weiteres Standbein schaffen wollen zunächt zu einem Engagement in Europa statt in Übersee. Er warb außerdem für die Teilnahme an den vom Minsterium organisierten Delegationsreisen.
Nach Ansicht von Daniel Delatrée benötigen Unternehmer mit bis zu 50 Mitarbeitern bei ausländischem Engagement auf jeden Fall einen Partner im jeweiligen Land. Über Finanzierugnsmöglichketen sprach Alfred Wagner von der LfA Förderbank Bayern.
Fazit der Veranstaltung
Brasilien kann für bayerische Unternehmer durchaus eine Chance sein. Allerdings sind die Herausforderungen hoch. Brasilien sei kein Entwicklungsland, das auf bayerische Ingenieure und Architekten warte, so mehrere Referenten. „Die Erfahrung zeigt, dass wirtschaftliches Engagement - ob in Brasilien oder in anderen Ländern - für die beteiligten Partner die meisten Früchte trägt, wenn Kooperationen eingegangen werden”, so Schroeter, der sich beim Arbeitskreis Kooperationen und Außenwirtschaft für die Organisation bedankte.
[ zurück ]
Bayerische
Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de