Bund Deutscher Baumeister warnt vor "Selbstverstümmelung"

01.04.2005

München - Kritisch hat sich der Landesvorsitzende im Bund Deutscher Baumeister Architekten und Ingenieure e.V. (BDB), Dipl.-Ing. Architekt Heinz Künzer, zur Absicht geäußert, deutsche Diplomabschlüsse des Studiums der Architektur und des Bauingenieurwesens durch Bachelor und Master-Abschlüsse zu ersetzen. Künzer stellt in Frage, ob ein sechs- bis siebensemestriges Studium in diesen Fächern eine ausreichende Qualifikation darstelle und forderte die Fachhochschulen auf, endlich zu erklären, "warum sie so scharf auf einen sechs- bis siebensemestrigen Bachelor-Abschluss sind, der gerade kurz unterhalb der Schwelle endet, an der die Berufsqualifikation mit Option auf Kammerfähigkeit erreicht werden kann".

In der aktuellen Ausgabe der BDB-Nachrichten schreibt Künzer weiter: "Es kann sich ökonomisch nicht lohnen, für ein bis zwei gesparte Semester einen minderen Abschluss zu bieten. Das ist die Selbstverstümmelung der bisherigen FH-Leistungsfähigkeit." Die Mitglieder des Vorstandes im BDB Bayern haben auf ihrer Februar-Sitzung nochmals bekräftigt, an einem "vollständigen berufsqualifizierenden mindestens 8-semestrigen Studium" festzuhalten. Wörtlich heißt es in dem Beschluss: "Wir wollen nicht, dass junge Menschen einen Abschluss erhalten, der sie gerade noch an der Qualifikationsschwelle schnuppern lässt. Wir wollen keine Qualitätsminderung, um im Europastandard vergleichbar zu sein. wir schneiden uns nicht die Zehen ab, um in kleinere Schuhe zu passen."

Das Thema Bachelor und Master soll auch anlässlich des Bayerischen Baumeistertages am 22. April 2005 im Haus der Architektur in München und anlässlich des Deutschen Baumeistertages vom 5. bis 7. Mai 2005 in Baden-Baden ausführlich diskutiert werden. Der BDB stellt in Frage, ob die internationale Kompatibilität der Abschlüsse überhaupt gewährleistet ist. Bislang gebe es keine einheitliche Definition für die Begriffe Bachelor und Master. Der Deutsche Diplomingenieur und Diplomingenieur (FH) dagegen sei anerkannt und entspreche auch der Europäische Architektenrichtlinie, die ein mindestens 8-semstriges Studium vorsieht. Außerdem sei die von den Befürwortern vorgebrachte Reduzierung der Abbrecherquote durch Einführung eines kürzeren Studiums nicht belegt. So lägen die derzeitigen Quoten für das Architektur- bzw. Ingenieurstudium bei elf bzw. 35 Prozent an Universitäten und zwei bzw. 24 Prozent an Fachhochschulen und könnten mit der vorhandenen Regelstudienzeit nicht erklärt werden.

Der BDB weist darauf hin, dass auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie gegen eine Verringerung des Ausbildungsniveaus und eine Verkürzung der Regelstudienzeit im Bereich des Bauingenieurwesens eintrete. Das vermeintliche Argument des Bedarfs der Wirtschaft sei damit entkräftet.


Quelle: Newsletter Verband Freier Berufe in Bayern e.V.

www.bdb-bayern.de

www.freieberufe-bayern.de

 

 

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