Kammerpräsident der Ingenieurekammer-Bau NRW über den Einsturz des Kölner Stadtarchivs
Köln - 25.02.2014
Auch fünf Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist die Unglücksursache nach Expertenansicht weiter ungeklärt. "Ein so massiver Schaden wie in Köln setzt einen massiven Kollaps im Baugrund bei den Bauarbeiten für die Kölner U-Bahn voraus", sagte der Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW, Dr.-Ing. Heinrich Bökamp. Die bislang festgestellten Versäumnisse beim U-Bahn-Bau - wie fehlende Stahlbügel in den Schlitzwänden oder zu viele Brunnen zur Grundwasserhaltung im Bereich des Waidmarkts - könnten ein solches Ereignis allein nicht verursachen, erklärte der Kammer-Präsident.
Trotz der vergangenen Zeit ist Bökamp zuversichtlich, dass die Ursache des Unglücks noch zu ermitteln ist. Mittels sorgfältiger Untersuchungs- und Simulationsverfahren könnte die Ursache auch mit dem Abstand von mehreren Jahren noch gefunden werden. Für den Gutachter vor Ort seien dabei "Tatsachenbeweise - und nicht Anscheinsbeweise - von Relevanz. Hier zählen nur Tatsachen, die beweisbar sind", betonte Bökamp, der unter anderem Sachverständiger für die Prüfung der Standsicherheit ist. Derzeit wird im Bereich der Unglücksstelle ein Besichtigungsschacht gebaut, um bei der Suche nach der Ursache vor Ort weitere Erkenntnisse sammeln zu können.
Nach Ansicht von Bökamp bedeutete der Einsturz des Stadtarchivs neben dem tragischen Personen- und Sachschaden auch einen massiven Imageschaden für das deutsche Bauwesen. Aufgrund der Tatsache, dass bei den Bauarbeiten in Köln die Überwachung vor Ort durch einen Prüfingenieur für Baustatik eingespart wurde, seien seit Jahrzehnten bewährte Sicherheitsstandards vernachlässigt worden. "Hier müssen wir dafür sorgen, dass solche Sicherheitslücken künftig nicht mehr vorkommen", betonte der Kammer-Präsident. Gerade Großbauten erforderten unter dem üblichen Zeit- oder Kostendruck eine unabhängige Überwachung nach dem Vier-Augen-Prinzip.
Am 3. März 2009 war das Kölner Stadtarchiv eingestürzt. Zwei Bewohner angrenzender Häuser kamen ums Leben, wertvolle Archivalien wurden verschüttet und mussten aufwendig geborgen und - soweit möglich - restauriert werden. Erst vor Kurzem hatte die Staatsanwaltschaft Köln mitgeteilt, dass sie gegen 89 Personen ermittelt.
(Quelle: Ingenieurkammer-Bau NRW)
[ zurück ]
Bayerische
Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de