Eurocodes – Das technische Regelwerk Europas für das Bauwesen

Fachartikel zur Einführung der Eurocodes von Dr. Robert Hertle

 

München   -  01.03.2010

EurocodesZurückgehend auf einen Beschluß des Europäischen Rats aus dem Jahr 1975, welcher die Harmonisierung der Rahmenbedingungen zur Beurteilung und Bewertung von Produkten und Konstruktionen des Bauwesens und den Abbau von Handelshemmnissen innerhalb der Europäischen Union zum Ziel hatte, wurde mit der Erarbeitung der Eurocodes, als europaweit gültige Grundlage für die Tragwerksplanung, begonnen.
Die erste Generation der Eurocodes wurde in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts fertiggestellt und seit dem kontinuierlich weiterentwickelt.

Heute liegen zehn Codes mit insgesamt 58 Teilen und in Summe mehr als 5000 Seiten Umfang vor:

Hinzu kommen noch die Nationalen Anhänge und gegebenenfalls die ergänzenden, länderspezifischen Festlegungen der Bauaufsichtsbehörden.

Wie es beispielsweise dem Vorwort des wohl in Zukunft am meisten benutzten Eurocodes 2 zu entnehmen ist sind die nationalen, den Regelungen der Eurocodes entgegenstehenden Normen bis Ende März dieses Jahres durch die jeweiligen nationalen Normungsinstitute zurückzuziehen.
Diese Europäische Norm EN 1992-1-1 ... muß den Status einer nationalen Norm erhalten, entweder durch Veröffentlichung eines identischen Textes oder durch Anerkennung bis Juni 2005 und etwaige entgegenstehende nationale Normen müssen bis März 2010 zurückgezogen werden.

Die Einführung der Eurocodes wird in vielen Veröffentlichungen und Einlassungen zu diesem Datum mit der abschließenden und durchgängigen Umsetzung des semiprobabilistischen, auf Teilsicherheitsfaktoren fußenden Bemessungskonzept in den Grenzzuständen der Gebrauchstauglichkeit, der Tragfähigkeit und der Ermüdung verbunden. Dies ist, betrachtet man die für die meisten Bauwerke durchaus wesentliche Schnittstelle zwischen Baukonstruktion und Baugrund, nicht in allen Aspekten gelungen.

Eurocodes werden Ziel nur teilweise gerecht
Hält man sich die im Jahr 1975 von der Europäischen Kommission an die Bauingenieure Europas gestellte Aufgabe vor Augen und vergleicht das heute Erreichte damit, so ist festzustellen, daß die vorliegenden Eurocodes diesem Ziel nur teilweise gerecht werden. Die nationalen Eigenheiten, der Wunsch der Wissenschaft neueste Ergebnisse in die Normung einfließen zu lassen, die schiere Größe des Unterfangens sämtliche technischen Regeln für das Bauwesen auf europaweit vereinheitlichte Basis zu stellen, die teilweise mangelnde Koordination und Kooperation zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen und die an vielen Stellen im Regelwerk zu diagnostizierenden strukturellen Probleme beim Komplizierten zu enden und nicht das Einfache und Wesentliche zum Ziel zu haben sind, neben anderen Gründen, hierfür ursächlich.
 
Trotz der teilweise berechtigten Kritik am Eurocode-Prozess bilden die Eurocodes einen ausgezeichneten Fokus für die Weiterentwicklung in der Bautechnik. Es ist daher unerläßlich, daß sich die planenden und ausführenden Ingenieure intensiv mit diesen Dokumenten auseinandersetzen, auch wenn das nicht immer einfach ist.
Dr. Robert Hertle

Download:
Fachartikel "Eurocodes" - Dr. Robert Hertle (PDF)

Seminartipp:
Zukünftige Technische Regen - Eurocodes
Seminar am 28.04.2010 von 09.30 - 16.30 Uhr in München

 

 

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