Nach den Ereignissen in Japan sollten bei Kritischen Infrastrukturen nach Ansicht der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau multiple Gefährdungen, die kurz aufeinander folgen können, in den Fokus gerückt werden.
München - 17.03.2011
In Japan hatte zunächst ein Erdbeben zu einer Nuklearkatastrophe geführt. Dann erfolgten Explosionen, die die bauliche Struktur beschädigten. Zwar schließt Univ.-Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken ein vergleichbares Szenario für Deutschland aus, dennoch müssen Restrisiken nach einer Extremeinwirkung möglicherweise neu bewertet werden, so der 2. Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau: „Die Resttragfähigkeit einer Struktur nach einem Flugzeugimpakt oder nach einem terroristischen Anschlag ist heute nur schwer bewertbar.“
Mit Blick auf Fukushima gab Gebbeken Entwarnung: „Wir haben in Deutschland keine Naturgefahren, die denen in Japan ähnlich sind.“ Die deutschen Kernkraftwerke bezeichnete er aus Sicht eines Bauingenieurs als sicher: Bei den Berechnungen für den Bau werden Einwirkungen durch Erdbeben, Stürme, Hochwasser und Flugzeugabstürze berücksichtigt. Die Dichtigkeit sei durch ein Mehrfachschalensystem und zum Teil meterdicke Wände gegeben. Allerdings ergänzte Gebbeken: „Bauingenieure beschäftigen sich ausschließlich mit Fragen zum Bau.“ Nachdem es in Japan Probleme mit der Kühlung der Brennstäbe gegeben hatte, empfahl Gebbeken die baulichen Anforderungen für Gebäude mit kühlrelevanten Anlagen zu prüfen.
Insgesamt seien die Anforderungen an die Anlagen extrem hoch. „Während gewöhnliche Gebäude für eine Lebensdauer von rund 50 Jahren ausgelegt sind, sind Kernkraftanlagen so gebaut, dass sie eine mehrfache Lebensdauer haben.“ Das für den Bau und die Prüfung von Sonderanlagen und Sondereinwirkungen notwendige Fachwissen erhalten Bauingenieure nur zum Teil an den Universitäten. Gewöhnlich müsse es sich in speziellen Kursen und Fortbildungen angeeignet werden.
So bietet die Bayerische Ingenieurakademie zum Beispiel etwa alle zwei Jahre ein Seminar zum Erdbebeningenieurwesen an. Gebbeken selbst richtet alle zwei Jahre die Weiterbildung BauProtect aus, die sich mit Explosionen und Impakt auf Bauwerke beschäftigt. Es gibt bundesweit nur wenige Ingenieurbüros, die mit dem Bau und der Prüfung von Kernkraftanlagen vertraut sind, davon haben etwa drei in Bayern ihren Sitz. Es gilt auch zukünftig, den Kompetenzerhalt zu gewährleisten, damit die hohen deutschen Sicherheitsstandards weiterhin gewährleistet bleiben.
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