Bayerische Bauingenieure trotzen der Krise

Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2010 der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau

 

München   -  20.07.2010

Konjunkturumfrage 2010Die Geschäfts- und Auftragslage der bayerischen Ingenieurbüros hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Auch den kommenden Monaten sehen die meisten Bauingenieure positiv entgegen. Das geht aus der Konjunkturumfrage 2010 der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau hervor, an der rund 400 Ingenieure und Ingenieurbüros aus dem Freistaat teilgenommen haben. „Die Gesamtsituation wird positiv eingeschätzt, die Wirtschaftskrise hat die Ingenieurunternehmen bisher kaum getroffen“, so Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter am Mittwoch in München.

Trotz der überwiegend positiven Einschätzung zeichnen sich auch negative Entwicklungen ab. Der Mangel an Ingenieuren auf dem Arbeitsmarkt hat sich deutlich verschärft. Fast die Hälfte der Büros hat Schwierigkeiten, qualifizierte Stellen zu besetzen.

Allgemeine Geschäftslage gut bis sehr gut – Auftragsvolumen gestiegen

Die allgemeine Geschäftslage ihres Planungsbüros bewerten 13,5 Prozent der Teilnehmer als „sehr gut“. Im Vorjahr waren dies noch 11,5 Prozent gewesen. 49,5 Prozent der Teilnehmer bewerteten die allgemeine Geschäftslage als „gut“ (Vorjahr 42 Prozent) und 25 Prozent als „befriedigend“ (Vorjahr 30,7 Prozent).

Auch die Auftragslage hat sich verbessert: Sie wird überwiegend als „gut“ (43,2) bewertet. Im Vergleich zum Vorjahr (34,9) ist dies eine Steigerung von fast zehn Prozentpunkten. 21,9 Prozent der Teilnehmer beschrieben die Auftragslage ihrs Planungsbüros als sehr gut (Vorjahr 17,7) und 20,9 Prozent als befriedigend (Vorjahr 28,8). Ihre Auftragslage sei „schlecht“ gaben 10,1 Prozent der Teilnehmer (Vorjahr 15,1) an, „sehr schlecht“ kreuzten 4,0 Prozent an (Vorjahr 3,5). Generell hat das Auftragsvolumen in den vergangenen 12 Monaten zugenommen: 33 Prozent kreuzten „gestiegen“ an (Vorjahr 24 Prozent), 4,7 Prozent sogar „stark gestiegen“.

Überwiegend gute Ertragslage – Umsätze gestiegen – Investitionen in die Zukunft   

Ein positiver Trend war ebenfalls bei den Fragen nach der Ertragslage und dem Umsatz zu verzeichnen: Die Ertragslage ihres Planungsbüros beurteilten 33,2 Prozent als „gut“ (Vorjahr 24,8) und 37,1 Prozent als befriedigend (Vorjahr 43,9). Allerdings wurden auch „schlecht“ (17,0 - Vorjahr 22,1) und „sehr schlecht“ (5,3 - Vorjahr 5,0) angekreuzt. Gegenüber der Vorjahresumfrage hat sich die Ertragslage der Planungsbüros insgesamt verbessert. So beantworteten 24,8 Prozent der Teilnehmer die Frage mit „verbessert“ (Vorjahr 17,3), 2,5 Prozent gaben „stark verbessert“ an, 48,9 Prozent „nicht verändert“ (Vorjahr 43,8). Bei der Auswertung der Frage nach dem Ertrag vor Steuern ergibt sich folgendes Bild. Bei 19,3 Prozent lag der Ertrag vor Steuern unter 500.000 Euro (Vorjahr 17,1), bei 33,6 Prozent unter 100.000 Euro (Vorjahr 28,0) und bei 43,7 Prozent der Befragten unter 50.000 Euro (Vorjahr 51,2).

Insgesamt sind die Umsätze der Ingenieurbüros im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Bei 2,3 Prozent der Mitglieder sind die Umsätze „stark gestiegen“ (Vorjahr 2,5), bei 30,0 Prozent (Vorjahr 22,7) „gestiegen“ und bei 43,0 Prozent (Vorjahr 38,3) gleich geblieben.

Die durchschnittlich bessere wirtschaftliche Situation ermöglicht es den Planungsbüros konsequent in die Zukunft zu investieren: 26,4 Prozent der Teilnehmer haben ihre Investitionsausgaben gesteigert (Vorjahr 25,2), bei 55,8 Prozent sind die Ausgaben „gleich geblieben“ (Vorjahr 48,2).

Ingenieurbüros blicken überwiegend positiv in die Zukunft

Die bayerischen Planungsbüros blicken überwiegend positiv in die Zukunft. 26,6 Prozent (Vorjahr 17,3) gehen von einer Steigerung der Umsätze bis zum Oktober 2010 aus. Gleich bleibende Umsätze erwarten 57,6 Prozent (Vorjahr 54,4) der Teilnehmer, sinkende Umsätze 12,9 Prozent (Vorjahr 22,8).
Mit einem erhöhten Auftragsvolumen rechnen 24,5 Prozent (Vorjahr 15,8), mit einem gleichbleibenden 56,2 Prozent (Vorjahr 53,2). 18,9 Prozent der Teilnehmer gehen von einem sinkenden Auftragsvolumen aus, in der Vorjahresumfrage waren dies noch 30,5 Prozent.

Bei der Frage nach der Ertragslage rechnen 22,7 Prozent (Vorjahr 14,8) der Befragten mit einer Verbesserung bis zum Oktober 2010. 63,2 Prozent der Teilnehmer (Vorjahr 55,9) erwarten, dass sich die Ertragslage „nicht verändern“ wird.

Mitarbeiterzahlen stabil mit Tendenz steigend – Schwierigkeiten bei Stellenbesetzung

Die Mehrheit der an der Umfrage teilnehmenden bayerischen Ingenieurbüros haben bis zu 5 Mitarbeiter (68,1 Prozent, Vorjahr 66,5 Prozent). Im Vergleich mit der Situation im Vorjahr hat sich bei 21,5 Prozent der Planungsbüros die Zahl der Mitarbeiter erhöht (Vorjahr 14,2), bei 67,8 Prozent hat sie sich nicht verändert (Vorjahr 72,8). Viele Planungsbüros wollen weiter einstellen. So planen 14,5 Prozent die Anzahl der Mitarbeiter bis Oktober zu erhöhen (Vorjahr 6,9). Beim Großteil wird sich die Mitarbeiterzahl aber nicht verändern (80,3 Prozent), lediglich 5,2 Prozent rechnen mit einer Verringerung. und 14,5 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahlen bis Oktober 2010 weiter steigern.

Gerade bei den Ingenieuren im Bauwesen herrscht seit nunmehr vier Jahren großer Mangel qualifiziertem Personal auf dem Arbeitsmarkt, wie die aktuelle Umfrage bestätigt: Beinahe ein Viertel (23,3 Prozent) der befragten Ingenieurbüros haben offene Stellen. Und bereits heute stößt fast die Hälfte (45,7 Prozent) der Büros auf Schwierigkeiten, qualifizierte Stellen zu besetzen. Derzeit stagniert die Zahl der Absolventen im Bereich Bauingenieurwesen bei jährlich 3.200. Der Einstellungsbedarf liegt aber seit etwa zehn Jahren mit konstant 4500 bis 5000 Mitarbeitern/Jahr.

Am gefragtesten sind bei den Ingenieurbüros im Moment Mitarbeiter für den Fachbereich Konstruktiver Ingenieurbau (53,0 - Vorjahr 41,1). Gesucht werden vor allem Diplom-Ingenieure mit Fachhochschulabschluss (65,4 - Vorjahr 62,1), gefolgt von Diplom-Ingenieuren mit Universitätsabschluss (44,4 - Vorjahr 35,8). Ingenieure mit Bachelor- (12,6 - Vorjahr 13,7) oder Master-Abschluss (18,7 - Vorjahr 15,8) werden deutlich weniger nachgefragt.

Öffentliche, private und Auslandsaufträge – Zahlungsmoral verbessert

Der Anteil der öffentlichen Auftraggeber verteilt sich unterschiedlich. Bei 27,3 Prozent der Umfrageteilnehmer beträgt der Anteil 1 bis 20 Prozent (Vorjahr 29,0). Für 12,8 Prozent (Vorjahr 13,7) spielen öffentliche Aufträge eine große Rolle: Sie gaben an, dass 81 bis 100 Prozent aller Aufträge aus der öffentlichen Hand stammen. Die Anzahl dieser Aufträge ist bei der Mehrheit der Planungsbüros überwiegend gleich geblieben (65,1 - Vorjahr 62,8). Die Zahlungsmoral öffentlicher Auftraggeber beurteilten 45,5 Prozent (Vorjahr 33,5) mit „gut“ oder „sehr gut“, bei den privaten Auftraggeber sind dies 47,5 Prozent (Vorjahr 40,1).
Unerschlossenes Potenzial bieten nach wie vor Aufträge aus dem Ausland. Lediglich ein Viertel der Teilnehmer haben Auslandsaufträge, die große Mehrheit von drei Viertel aller Teilnehmer (73,3, Vorjahr 74,9) gab an, keine Auslandsaufträge zu haben. Bei der Rechtsform der Planungsbüros stehen „Freier Beruf“ (58,1, Vorjahr 56,7) und die GmbH (35,3, Vorjahr 31,3) an der Spitze.

Fazit: Positive Geschäfts- und Auftragslage, aber Mangel an Ingenieuren

Die finanzielle und wirtschaftliche Situation der bayerischen Ingenieurbüros hat sich insgesamt betrachtet in den vergangenen Monaten verbessert. Das belegen die Zahlen zur Geschäfts- und Auftragslage. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate sind überwiegend positiv. „Trotzdem gibt es für die Bayerische Ingenieurekammer-Bau keinen Grund sich auszuruhen, denn es gibt auch Planungsbüros, denen es nicht so gut geht“, sagte Schroeter. So gaben insgesamt 12,1 Prozent (Vorjahr 15,7) der Befragten an, ihre Geschäftslage sei schlecht oder sehr schlecht. Auch die Auftragslage ihres Planungsbüros bewerteten 14,1 Prozent (Vorjahr 18,6) mit schlecht oder sehr schlecht.

Sorgen bereitet den Planungsbüros die immer schwieriger werdende Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Schroeter warnte: „Der beträchtliche Mangel an Ingenieuren gefährdet nicht nur die Entwicklung neuer Produkte und Technologien, auch Marktchancen können nicht genutzt werden. Dies beeinträchtigt Attraktivität und Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Bayern." Eine Verknappung von insbesondere natur- und ingenieurwissenschaftlichem Personal nicht nur auf dem Arbeitsmarkt sondern auch in der Forschung und Entwicklung lasse Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit vieler Unternehmen befürchten und erweise sich damit als Wachstumsbremse - mit negativen Folgen für das hoch entwickeltes Gemeinwesen und den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Bayern.

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau belegt, wie wichtig die Arbeit der Ingenieure im Bauwesen für Gesellschaft und Wirtschaft sind: In Bayern verzeichnen die etwa 15.000 Ingenieurbüros in Bayern mit rund 35-40.000 Arbeitsplätzen die höchste Beschäftigung in den technologieorientierten wissensintensiven Unternehmensdienstleistungen (Quelle: Dienstleistungsstandort Bayern, Heidelberg, Eichstätt und München, August 2008, eigene Berechnungen). Sie generieren dabei einen Umsatz in Höhe von 5,22 Mrd. Euro, das entspricht mehr als 14 Prozent des bundesweiten Umsatzes (Quelle: Statistisches Bundesamt, Umsatzsteuerstatistik 2007). Die mittelständischen Ingenieurbüros in Deutschland betreuen dabei Bauinvestitionen von rund 217 Mrd. Euro und beschäftigen mehr als 300.000 Menschen. Etwa 60.000 jungen Menschen geben sie durch Ausbildungsplätze, Praktikanten- und Diplomandenstellen eine Perspektive. (Quelle: VDI) 

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Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2010 (PDF)

 

 

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