Rückblick auf den Thementag der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau am 14.03.2013
Sengethal - 14.03.2013
Auf den Höhenzügen östlich von Neumarkt in der Oberpfalz reiht sich eine Windkraftanlage an die andere. In keiner Region Bayerns sind mehr Anlagen als hier installiert. Einer der Gründe hierfür ist die Firma Bögl, von deren Standort aus man einen Teil der Anlagen sehen kann.
Wie es dazu kam, erläuterte Jürgen Kotzbauer den Mitgliedern der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.
Nahezu 30 Ingenieurinnen und Ingenieure waren der Einladung der Firma Bögl und des Regionalbeauftragten der Oberpfalz, Ernst Georg Bräutigam, am 14. März 2013 gefolgt und fanden sich im Innovationszentrum in Sengethal ein.
Beindruckend erläuterte Jürgen Kotzbauer den Werdegang, Aufbau und die Leistungen des weltweit tätigen, größten, familiengeführten Bauunternehmens der Bundesrepublik auf. Wesentlicher Bausteine des Erfolgs sind hierbei u. a. eine Kontinuität in der Firmenleitung, ein hoher Qualitätsstandart der Mitarbeiter und eine stete Weiterentwicklung auf neuen innovativen Tätigkeitsfeldern im Bereich des Bauwesens. Hierzu gehört in jüngster Zeit die Entwicklung und der Bau von Hybrid-Windkrafttürmen.

Der Leiter der Technik, Josef Knitl, erläuterte den Werdegang und den aktuellen Stand in der Planung, Fertigung und dem Aufbau von Windkraftanlagen.
Aufbauend auf den Erfahrungen, die beim Bau der Fahrbahn des Transrapid, mit hochfestem Beton und der dabei geforderten hohen Maßhaltigkeit, hat die Firma Bögl eine Bauform entwickelt, die es gestattet, dass Türme von Windkraftanlagen aus einer Kombination von Stahlbetonfertigteilen und Stahl kostengünstig und überaus schnell erstellt werden können.
Innerhalb von zwei Jahren wurde mit einer neuen Produktionsstätte die Basis geschaffen, dass jährlich ca. 200 Türme gefertigt werden. Die Form der Herstellung erlaubt es, dass die Anlagen zwischenzeitlich bis nach Finnland exportiert werden.
Liegt die Nabenhöhe derzeit bei beachtlichen 110 bis 120 m Höhe, so werden diese in 2014 voraussichtlich bis 130 m geschraubt. Der Vorteil hierbei liegt, neben einer weit höheren Wirtschaftlichkeit, in einer Verringerung des Schattenwurfs und der Lärmentwicklung.
Windkraftanlagen stellen einen wesentlichen Baustein der Energiewende dar. Wie diese Anlagen durch Bürgergenossenschaften gebaut und betrieben werden können, erläuterte Ernst Georg Bräutigam in seiner Eigenschaft als Mitglied des Vorstands der Bürgerenergiegenossenschaft BEMO, aus der mittleren Oberpfalz.
Mit einer Beteiligung der Bürger am Betrieb und der Vermarktung erneuerbarer Energien kann eine Wertschöpfung stattfinden, die dafür sorgt, dass Stoff- und Geldströme in der Region bleiben. Eine Winn-Winn-Situation, die den demokratischen Strukturen einer Genossenschaft entspricht.
Der 1. Bürgermeister der Stadt Nabburg, Armin Schärtl, ebenfalls ein Mitglied des Vorstands der Bürgerenergiegenossenschaft BEMO, erläuterte an Beispielen die Erfordernis einer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung. Werden Gespräche und eine Beteiligung mit den betroffenen Bürgern nicht von Anfang an offen geführt, besteht in hohem Maß die Gefahr eines Scheiterns. Da helfen dann auch noch so gute Argumente der Techniker und Ingenieure, so Armin Schärtl, nichts.
Mit der Besichtigung eines Hybridturmes bei Winnberg wurde den Beteiligten durch Josef Knitl die Bauweise und der Bau vor Ort erläutert. Beeindruckend hierbei waren die vertikalen Verspannung im Turminneren und die hohe Oberflächengüte der Fertigteile.
Unten im Tal, im Innovationszentrum, hatten dann die Teilnehmer der Exkursion die Gelegenheit, bei einer Brotzeit, sich mit den Vertretern der Firma Bögl auszutauschen. Es ist schon überraschend, was sich da in der Oberpfalz an Präzision und Innovation herausgebildet hat, so ein Teilnehmer. Ein wenig Stolz auf die Oberpfalz war hierbei deutlich vernehmbar.
Text und Fotos: Dipl. Ing. Univ. u. FH Ernst Georg Bräutigam
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