07.04.2003
Bonn (07.04.03) - "Der heutige Baukonvent ist ein Meilenstein. Er ist für den Baubereich ein Beratungsorgan und ein Experiment ohne Vorbild." Das sagte der Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Dr. Manfred Stolpe, am Freitag, 04.04.03, beim 1. Baukonvent der Bundesstiftung Baukultur im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn. Das Gremium ist das zentrale Organ der Bundesstiftung, die sich gerade in der Gründungsphase befindet.
"Es gibt ein wachsendes Interesse an Architektur, an der Form unserer Bauwerke, an der Funktion unserer Städte. Das Bauen schafft schließlich die fundamentalen Grundlagen für ein gutes Gemeinwesen und lebenswerte Städte", erklärte der Minister. Der Erfolg der Planer und der Bauwirtschaft sei zudem wichtig für den Erfolg der Wirtschaft insgesamt. "Die Medaille, die wir für unsere Planer und Ingenieure hier hochhalten hat zwei Seiten: die kulturelle und die ökonomische." Wie der Minister betonte, kämen zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts von der Bauwirtschaft. Das seien 55 Prozent aller Investitionen in Deutschland. Die Bauwirtschaft sei der größte Wirtschaftszweig in Deutschland und Europa. Durch die Zunahme der internationalen Wirtschaftsbeziehungen habe sich der Wettbewerb auf den Märkten verschärft. Wenn das Bauen seinen Stellenwert behaupten oder verbessern wolle, so Stolpe, müsse es im Einklang mit aktuellen Wertvorstellungen in der Bevölkerung handeln. Es müsse veränderten Ansprüchen nachspüren - etwa dem ökologischen, energiesparenden und nachhaltigen Bauen. "Wir wollen, dass dieser einstige Konjunkturmotor wieder mehr Schubkraft entwickelt", sagte Stolpe. Diese Schubkraft werde es für Architektur- und Ingenieurleistung "Made in Germany" nur über hohe Qualität und ihre Einbindung in nachhaltige Stadtentwicklungskonzepte geben. Deshalb lege die Politik großen Wert auf stadtentwicklungspolitische Akzente. Stadtentwicklung stehe heute unter den Vorzeichen von demographischer Veränderung, Migration und struktureller Arbeitslosigkeit. Dies stehe in Zusammenhang mit notwendigen wirtschaftlichen Modernisierungsprozessen. Stolpe betonte, er sehe Stadtentwicklung als innovatives Feld, auch für die Baukultur. Dabei gehe es um soziale Herausforderungen, um ökonomische Interessen, um emotionale Befindlichkeiten und ästhetische Ansprüche. Ihre Verbindung könne kulturelle Identität stiften.
Auch den Bund sehe der Minister hier in der Pflicht, denn Stadtentwicklungskonzepte bräuchten eine solide finanzielle Grundlage. Daher würden die finanziellen Förderungen trotz Haushaltskonsolidierung auf hohem Niveau fortgeführt. Allein in diesem Jahr stelle der Bund 581 Millionen Euro zur Verfügung. Als einzelne Programmteile nannte er die Städtebauförderung, den städtebaulichen Denkmalschutz in den neuen Ländern, das Bund-Länder-Programm "Die soziale Stadt" und das Programm "Stadtumbau Ost". Hinzu komme der Stadtumbau West.
Außerdem wolle die Bundesregierung das städtebauliche Planungsrecht im kommenden Jahr novellieren und leichter handhabbar machen. Es gebe ständig neue Auflagen bei der Planung, zum Beispiel Umwelt- oder Sicherheitsauflagen. Vieles komme durch neues EU-Recht. Das aber dürfe nicht zu einer ständigen Komplizierung führen. "Wir wollen das Bauen einfacher machen. Denn wir brauchen auch künftig schnelle Realisierung von Investitionen", unterstrich Stolpe.
"Ich bin zuversichtlich, dass uns mit der Stiftung eine nationale Kraftanstrengung gelingen kann", bekräftigte der Minister. Der Bund wolle für das deutsche Planungs- und Bauwesen effiziente Verfahren, Kostenbewusstsein, hohe technische Standards und Nutzerorientierung schaffen und dies mit hoher Gestaltqualität verbinden. Außerdem wolle man die Leistungen von Architekten und Ingenieuren aus Deutschland herausstellen und auf den internationalen Märkten stärken. Eine ständige Kommunikationsebene für Baukultur zu schaffen, sei ebenfalls erklärtes Ziel.
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