18.05.2004
Die Industriearchitektur von Fritz Schupp und Martin Kremmer wird noch bis 30. Mai in der Ausstellungshalle der Technischen Universität München, Arcisstraße 21, 80333 München gezeigt.Nach Stationen in Essen, Paris und Brüssel wird die Ausstellung in München vom Lehrstuhl für Stadtraum und Stadtentwicklung an der TU München zusammen mit dem Architekturmuseum der TU München präsentiert. Die Zentralschachtanlage XII der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen wurde im Dezember 2001 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Dies nahm die Stiftung Zollverein zum Anlass, dessen Erbauer, Fritz Schupp (1896-1974) und Martin Kremmer (1895-1945), mit einer ersten umfassenden Ausstellung zu würdigen. Anhand bisher unveröffentlichter Originalpläne, -skizzen und -dokumente wird das Werk der in Bürogemeinschaft tätigen Schupp und Kremmer, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den in Deutschland renommiertesten Architekten im Industriebau gehörten, vorgestellt. Fritz Schupp und Martin Kremmer unterhielten Büros in Essen, Berlin und zeitweise in Gleiwitz / Oberschlesien. Neben den Bauten für die Industrie umfasste ihre Tätigkeit auch Siedlungs- und privaten Wohnungsbau, sowie Kirchen. Die Architektengemeinschaft bestimmte den Industriebau im Ruhrgebiet maßgeblich. Sie war in die Planung und Ausführung nahezu jeder größeren Werksanlage involviert und übte dadurch einen wesentlichen Einfluss auf das Bild und die Baukultur dieser bedeutenden europäischen Industrielandschaft aus.
Mit ihrer den Gestaltungsmaximen der Moderne verpflichteten Handschrift avancierten Schupp und Kremmer zu den Pionieren des modernen Industriebaus in Deutschland. Deren Höhepunkt war der Entwurf für die Zentralschachtanlage XII der zwischen 1927 und 1932 erbauten Zeche Zollverein. "Wir müssen erkennen, dass die Industrie mit ihren gewaltigen Bauten nicht mehr ein störendes Glied in unserem Stadtbild und in der Landschaft ist, sondern ein Symbol der Arbeit, ein Denkmal der Stadt, das jeder Bürger mit wenigstens ebenso großem Stolz dem Fremden zeigen soll, wie seine öffentlichen Gebäude." Fritz Schupp, 1929
Zudem praktizierten Schupp und Kremmer bei der Planung der Zeche Zollverein eine neue Vorgehensweise. Waren Bau und Konstruktion technischer Industrieanlagen bisher den Ingenieuren vorbehalten und wurde dem Architekten nur die Fassadengestaltung überlassen, so gelang es den beiden von Anfang mit einbezogen zu werden. Erstmals entwickelten sie die Entwürfe einer Anlage in enger Abstimmung mit den Ingenieuren, um Form und Funktion, Gebäude und Maschinen in eine Einheit zu bringen.
Mit der wissenschaftlichen Leitung der Ausstellung hat die Stiftung Zollverein zwei renommierte Experten beauftragt: Dr. Wilhelm Busch, selbständiger Architekt in Mönchengladbach und Privatdozent an der TH Aachen für das Lehrgebiet Geschichte des Industriebaus. Busch hat mit seiner Dissertation 1980 eine erste Forschungsarbeit über die Architekten Schupp und Kremmer geschrieben, zugleich ein Standardwerk, zur Architektur der 1920er Jahre an Rhein und Ruhr. Dr. Thorsten Scheer, Kunsthistoriker, Publizist, Ausstellungsmacher und Dozent an der Ruhr-Universität Bochum und der Fachhochschule Düsseldorf. Scheer hat zahlreiche Bücher über zeitgenössische Kunst und Architektur verfasst.
Der Katalog "Symmetrie und Symbol. Die Industriearchitektur von Fritz Schupp und Martin Kremmer" hg. von Wilhelm Busch und Thorsten Scheer im Auftrag der Stiftung Zollverein, Verlag der Buchhandlung Walther König, 2002, ist in der Ausstellung erhältlich. Er umfaßt 288 Seiten mit 17 Beiträgen von Fachautoren aus ganz Deutschland und erschließt erstmals den Nachlass der beiden Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer.
Parallel zur Ausstellung in der Ausstellungshalle der TU München findet in der Architekturgalerie München, Türkenstraße 30, die Ausstellung "Symmetrie und Symbol im Bild" statt.
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