Deutscher Qualifikationsrahmen

Standpunktpapier der Bundesingenieurkammer und der Länderkammern

 

München   -  20.02.2014

Im Mai 2013 haben Bund und Länder einen gemeinsamen Beschluss zur Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) für lebenslanges Lernen unterzeichnet.

Als nationale Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) für lebenslanges Lernen soll der DQR die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems berücksichtigen und zur angemessenen Bewertung und Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa beitragen.

Kammern sehen Gefahren des DQR
Was in der Theorie gut klingt, ist jedoch nicht zwangsläufig auch praxistauglich. Die Bundesingenieurkammer und die Ingenieurkammern der Bundesländer sehen die Gefahr, dass mit dem DQR die Realität der Ingenieurberufe nur unzureichend abgebildet wird und dies zu negativen Konsequenzen führen könnte. In einem gemeinsamen Standpunktpapier zum DQR weisen sie daher auf mögliche Gefahren für Wirtschaft und Verbraucher hin.

Die Kammern befürchten, dass grundlegende Unterschiede beruflicher Strukturen innerhalb Europas verwischt werden könnten und der Anspruch des DQR, alle gesellschaftlichen Bereiche in einer Tabelle abzubilden, durch eine zu abstrakte Darstellung zu Beliebigkeit führt. Denn die menschliche Vielfalt lässt sich nicht in eine mehrstufige monohierarchische Matrix pressen.

Durch den monohierarchischen Aufbau des DQR wird suggeriert, dass die jeweils höheren Qualifikationsstufen die Kompetenzen der niedrigeren beinhalten. Nach diesem Modell würde ein Ingenieur automatisch über alle Fachkenntnisse eines Bauarbeiters oder Poliers verfügen. Die hierarchischen Stufen des DQR können von Facharbeitern so aufgefasst werden, dass eine berufliche
Weiterentwicklung nur durch ein Studium möglich sei.

Als problematisch wird auch eingestuft, dass personale Kompetenzen gegenüber Fachkompetenzen unverhältnismäßig viel Gewicht erhalten. Im Standpunktpapier wird zudem kritisiert, dass eine leichtfertige Integration non-formalen bzw. informellen Lernens falsche Zeichen setzt. Diese Lernformen sind keinesfalls geeignet, eine akademische Ingenieursausbildung zu ersetzen.

Ingenieurgesetz regelt das Nötige
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau befürchtet, dass der DQR zu einem Instrument beruflicher Zugangsberechtigungen instrumentalisiert werden könnte und lehnt dies ab. Sie betont, dass die Ingenieurgesetze der Länder zur Anerkennung der Berufsqualifikation des Ingenieurs genügen sollen.

Standpunktpapier zum DQR (PDF)

 

 

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