Rückblick auf gemeinsame Tagung von Politischer Akademie Tutzing und Bayerischer Ingenieurekammer-Bau
Tutzing/München - 04.04.2014
Klausurendruck, Vorschriftendschungel und ein Bachelor-Abschluss, der nur wenig aussagt: die öffentliche Wahrnehmung der Bologna-Hochschulreform ist und bleibt kontrovers - auch wenn sich deutsche Studenten mittlerweile an das Bachelor-System gewöhnt haben.

Der Bologna-Prozess, an dem mittlerweile 47
Staaten teilnehmen, hat in ganz Europa eine große Dynamik in die
Hochschullandschaft gebracht, gleichzeitig aber auch massive
Auswirkungen auf die nationalen Hochschulsysteme nach sich gezogen. Bei
der von der Poltischen Akademie Tutzimg gemeinsam mit der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau vom 28.-30. März 2014 veranstalteten
Tagung „Die Folgen von Bologna - Hochschulreform zwischen
Berufsbezogenheit und Grundlagenorientierung“ diskutierten renommierte
Universitätsrepräsentanten, Geisteswissenschaftler und
Naturwissenschaftler über die Vor-und Nachteile der Bachelor- und
Masterstudiengänge.
„Ein Studium soll neben der Wissensvermittlung vor allem auch die Persönlichkeitsentwicklung fördern“ Prof. Dr. Julian Nida- Rümerlin – Staatsminister a.D. , Ludwig-Maximillians-Universität München (Foto: Weigand)
Ein zentrales und immer wieder intensiv diskutiertes Tagungsthema beschäftigte sich damit, wie von Seiten der Hochschulen gewährleistet werden kann, dass nicht nur fachliches Wissen vermittelt wird, sondern auch eine gewisse Sozialkompetenz. So forderte Professor Julian Nida-Rümelin von der Ludwig-Maximillians-Universität München, dass es wichtig sei, jungen Menschen eine umfassende Bildung zu ermöglichen. Diese solle sich nicht nur auf spezifische Lehrbereiche des Studienfaches beschränken, sondern weit darüber hinaus auch den Menschen selbst und seine Persönlichkeit prägen.
Thema
Bologna: (v.l.) Professor Wolfgang A. Herrmann, Präsident der Technischen Universität München, erläuterte in seinem Vortrag den Werdegang und die Stellung der naturwissenschaftlichen Fächer innerhalb der Universitätsdisziplinen. Die zunächst wenig beachteten Fächer Physik und Chemie bekamen erst im Zeitalter der Industrialisierung einen höheren Stellwert – hier löste das praktische Wissen teilweise die geisteswissenschaftlichen Normen ab. Die Forschung am wissenschaftlichen Gegenstand war offensichtlich in einem Zeitalter der aufkommenden Mobilität und Flexibilität mehr von Belang.
Die fixe Europaidee im 20. Jahrhundert und eine immer mehr voranschreitende EU-Integration zeigte, wie wichtig es ist, sich mit neuen akademischen Herausforderungen auch im internationalen Kontext auseinanderzusetzen, sagte Herrmann. Dies führte schließlich 1998 zur Entscheidung: die Bologna-Reform sollte kommen.
Doch für was steht die Bologna- Reform tatsächlich? Welche Vorteile und Nachteile zieht sie mit sich? Einige der positiven Aspekte thematisierte Professor Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg. Zunächst ermögliche die Hochschulreform eine intensivere Mobilität der Studenten im In- und Ausland: Lehrinhalte werden im Europäischen Hochschulraum weitestgehend anerkannt und eine langfristige Qualitätssicherung garantiert.
Wie sehr sich die Bologna-Reform vor allem für
die Unternehmen ausgezahlt hat, stellte Andrea Prehofer, Leiterin der
globale Personalentwicklung der Siemens AG, dar. (Foto: v. Opalinski).
Das zweistufige
Studium, gegliedert in Bachelor und Master, berge Vorteile, die einem
Global Player wie Siemens entgegenkommen, so Prehofer. Das
Bologna-Konzept begünstige nämlich das Sammeln von internationaler und
von praktischer Erfahrung.
Bei der Tagung in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau waren sich die Vertreter von naturwissenschaftlich-/technischen und geistes-/sozialwissenschaftlichen Disziplinen näher als gedacht. Ein Konsens herrschte besonders in der Meinung, dass es in Folge der Hochschulreformzu viele unnötige Studiengänge geben würde. Darüber hinaus vereinte beide Parteien die Überzeugung, dass teilweise gravierende Fehler in der internen Umsetzung der Hochschulreform gemacht wurden.
Foto:
Franziska
Traube, ehemalige Sprecherin der Landes-Asten-Konferenz (vorne Mitte)
gemeinsam mit studierenden Konferenzteilnehmern sowie (hinten)
Tagungsleiter Dr. Gero Kellermann und Ministerialdirigent Ulrich
Hörlein, Vorsitzender des Hochschulausschusses der
Kultusministerkonferenz (Foto: Weigand).
Bei der Podiumsdiskussion zum Abschluss der Konferenz befassten sich Vertreter von Universität, Verbänden und Verwaltung mit der Frage: wie soll es nun weitergehen mit der Bologna-Reform? Dabei wurde deutlich, dass BA- und MA-Studiengänge eine Chance für die Hochschulen sein können – dafür aber viele Herausforderungen zu meistern sind. Beispiele sind die BAföG-Förderung auch während eines Auslandsemesters oder die gezieltere Etablierung neuer Masterstudiengänge.
Text: Isabelle-Constance V. Opalinski
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