Inspiration Stockholm

Professoren-Tagung 2015 mit Exkursion des Ziegel Zentrum Süd nach Stockholm

 

München   -  31.07.2015

30 TeilnehmerInnen ließen sich bei der diesjährigen Professoren-Tagung mit Exkursion des Ziegel Zentrum Süd von der Architektur der schwedischen Hauptstadt anregen. Der kollegiale Austausch über Praxis, Lehre und Forschung zum Thema „Mauerwerksbau“ bei der jährlichen Professoren-Tagung des Ziegel Zentrum Süd e.V. am 2. Juli in Stockholm wird ergänzt durch die Kontakte mit den Kollegen vor Ort und die intensiven Eindrücke während der anschließenden dreitägigen Exkursion durch die schwedische Hauptstadt.
Der Van der Nootska Palast aus dem 17. Jahrhundert bildete am 2. Juli einen noblen Rahmen für die Professoren-Tagung des Ziegel Zentrum Süd e.V. im sommerlichen Stockholm. Sieben hochkarätige  Fortragende aus Schweden, Holland und Deutschland gaben der Fortbildungsveranstaltung für Lehrende der Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen und verwandter Fachgebiete ein internationales Gepräge. Die Professionalität der inspirierenden Vorträge, der geschichtsträchtige Tagungsort und die gelungene
Auswahl signifikanter Bauten bei der Exkursion durch verschiedene Stadtteile Stockholms begeisterte die Gruppe, die sich aus 16 Universitäten und Hochschulen aus ganz Deutschland zusammengefunden hatte.

Der profunde Diskurs am Rande der Veranstaltung führte zu vielen interessanten Kontakten, die sich bereits in Stockholm durch baldige Folgeveranstaltungen abzeichneten. Den Eröffnungsvortrag hielten Bolle Tham und Martin Videgård von Tham & Videgård Arkitekter aus Stockholm mit einer beeindruckenden Präsentation ihrer Arbeit. Sie zeigten ihr mit dem „Winner Silver“ beim Fritz-Höger-Preis 2014 ausgezeichnetes „Creek
House“, ein bereits mehrfach veröffentlichtes Wohnhaus an der Südwestküste Schwedens, das sich aus mehreren, mit Klinker verkleideten Gebäuden zusammensetzt. Neben weiteren, international bekannten Projekten führten sie auch das neue Gebäude der School of Architecture der KTH, der Königlich Technischen Hochschule, vor, das im August in Betrieb genommen wird.

Jens Metz von Kleine Metz Architekten aus Berlin zeigte gemeinsam mit seinem Kollegen, Julian Mertel, wie innovativer, öffentlich geförderter Geschosswohnungsbau in Neu-Ulm entstand. Der Gebäudekomplex „Jules et Jim“ verknüpft eine Kindertagesstätte über Laubengänge und gemeinschaftlich nutzbare Dachterrassen - der „promenade sociale“ - sehr ansprechend mit 31 öffentlich geförderten Wohnungen. Das Projekt erregte Aufsehen und wurde mit einer Anerkennung beim Deutschen Ziegelpreis 2015 prämiert.

Die Neu-Ulmer Wohnungsgesellschaft, NUWOG, schuf in den letzten zehn Jahren ein signifikantes Repertoire an bemerkenswerter Architektur, das Julian Mertel in seinem Teil des Vortrags dokumentierte. Der Anteil an monolithischen Ziegelbauten ist dabei sehr beachtlich und wurde von ihm als Architekt der NUWOG anschaulich begründet.

Marlies Rohmer von Marlies Rohmer Architects & Urbanists aus Amsterdam, ihrem Büro, das seit 1986 besteht, sprach über Entwürfe für die nächste Generation. Ihr umfangreiches Oeuvre zeichnet sich durch beeindruckende, häufig multikulturell genutzte Gebäude sowie Schul- und Wohnungsbauten vorrangig in den Niederlanden aus, die durch ausgeklügelte Energiekonzepte und zudem vielfach durch kraftvolle, nachhaltige Backsteinfassaden mit gekonnt gestalteten Details überzeugen.

Klaus Zeller aus Köln befasst sich seit Jahren sehr aktiv mit Passivhausbauweise im Wohnungsbau. Sein beim Deutschen Ziegelpreis 2015 mit einem Hauptpreis ausgezeichnetes Wohnprojekt für eine Baugemeinschaft dokumentiert sehr überzeugend, wie ein städtisches Umfeld modellhaft Energieeffizienz
mit einer lebenswerten Wohnform verbindet. Es gelang ihm sehr anschaulich zu zeigen, wie die divergierenden Bedürfnisse der Bewohner auf harmonische Weise in eine kompakte Bauweise von gestalterisch klarer Architektur eingebunden wurden. Sein ebenso professioneller wie sympathischer Vortrag machte ihn zum Mittelpunkt vieler Fachgespräche während der folgenden drei Tage.

Johan Celsing hielt seinen viel beachteten Vortrag als Abschluss der Professoren-Tagung. Er lehrt seit 2008 am Königlichen Institut für Technologie/KTH und zählt seit den 1990er Jahren zu den bedeutendsten Architekten Schwedens. Die Tagung befasste sich unter anderem mit dem Wirken von Gunnar Asplund und Sigurd Lewerentz, zwei der wesentlichen Vertreter der skandinavischen Schule, deren Oeuvre weltweit prägende Spuren hinterließ. Das mehrfach ausgezeichnete Krematorium von Johan Celsing Arkitektkontor im Weltkulturerbe „Woodland Cemetery“ führt Asplunds Werk beeindruckend weiter. Celsing referierte auch über die Entstehung der von ihm geplanten Kirche in Ärsta, das Nobel Forum, die Bonniers Konsthall und weitere neue Projekte.
Dreitägige Architekturexkursion durch Schwedens Hauptstadt Die 3-tägige Exkursion im Anschluss an die Tagung hatte ihrenm Ausgangspunkt beim Hilton Hotel Slussen. Hier bietet sich eine Aussicht auf die prächtige Stockholmer Altstadt und den chaotischen Verkehrsknoten Slussen, der gleichzeitig Schleuse zwischen dem Süßwasser des Mälarensees und dem Salzwasser des Riddarfjärden ist. Gemäß Norman Fosters Konzept wird hier in den nächsten 8-10 Jahren eine beachtliche Metamorphose stattfinden. Wichtige
Schwerpunkte der Exkursion bildeten Projekte von Johan Celsing Arkitektkontor, das Weltkulturerbe Skogskyrkogarden (Woodland Cemetery) von Gunnar Asplund und Sigurd Lewerentz und das Meisterwerk Asplunds, die Stadtbibliothek. Die Markuskirche, ein Highlight von Lewerentz durfte nicht fehlen, ebenso wie die neuen und alten Bauten der KTH. Der Besuch des Celsing Archivs in Gamla Stan, dem Vermächtnis von Peter Celsing, und St. Thomas, einem seiner Kirchenbauten, waren ebenso Bestandteile der Exkursion.
Das Architekturmuseum und das Moderna Museet von Rafael Moneo aus dem Jahr 1998 waren Ziele auf Skeppsholmen, ebenso das Stadshuset von Ragnar Östberg, in den Jahren 1911-23 mit seinem berühmten Turm und den beeindruckenden Sälen im nationalromantischen Stil auf der Insel Kungsholmen erbaut, das Wahrzeichen von Stockholm! Die ehrwürdigen Villen der Diplomatstaden in Östermalm aus dem frühen 20. Jahrhundert und der skurrile, 155 m hohe Kaknästornet mit seinem fantastischen Blick über Stockholm wurden ebenso besucht. Die Bauten von Ralph Erskine auf dem Campus der Frescati Universität durften nicht fehlen. Die emsigen Bauaktivitäten in den neuen Stadtentwicklungsgebieten, z. B. Royal Seaport, und ein ausgiebiger Stadtspaziergang rundeten den Besuch dieses Venedigs des Nordens ab. Noch heute sind die Architektur und das klassische Design Schwedens Anziehungspunkte, die weit über die Fachwelt hinaus wirken.

Statements begeisterter TeilnehmerInnen Franziska Ullmann, Professorin am Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens an der Universität Stuttgart, schrieb: „Noch mal herzlichen Dank für die eindrucksvolle und informative Exkursion nach Stockholm. Es war schön, nach vielen Jahren einige dieser wichtigen Gebäudeklassiker weiterzusehen und vor allem auch vieles Neues wie z. B. die Bauten von Arch. Celsing. ...
In Stuttgart, einer Stadt in der man hauptsächlich von Glasfassaden umgeben ist, gerät die haptische und atmosphärische Ausstrahlung von Ziegelbauten allzu leicht in den Hintergrund. Deshalb ist es wichtig, gerade bei Exkursionen anschaulich 1:1 die architektonischen Möglichkeiten von Ziegel zu erleben, seine besondere tektonische Kraft und Textur wieder erfahren zu können, und somit auch die Studierenden wieder verstärkt auf dieses vielseitige Material hinzuweisen.“
Professor Dr. Roland Krippner von der Technischen Hochschule Nürnberg befand: „Die abermalige  Attraktivität und der Erfolg von Professoren-Tagung und -Exkursion in Stockholm liegt meines Erachtens zunächst im kollegialen Austausch über Praxis, Lehre und Forschung zum Thema „Mauerwerksbau“. Darüber hinaus in der geglückten Auswahl bedeutsamer Bauten der schwedischen Architekturgeschichte und aktueller Projekte, teils noch in der Realisierung, die vor Ort einen profunden bautechnischen und baukulturellen Diskurs, auch gerade im Vergleich jeweiliger länderspezifischer Traditionen, ermöglichen.“
Professor Dr.-Ing. Hans-Joachim Schaub, Studiendekan Bauingenieurwesen mit dem Lehrgebiet Massivbau an der Hochschule Biberach, notierte: „Begünstigt durch das schöne Wetter reiht sich die diesjährige Veranstaltung ein in die Reihe der gelungenen, wie immer sehr gut vorbereiteten und überaus lehrreichen Veranstaltungen der letzten Jahre. Der gerade für Bauingenieure wahrgenommene "Blick über den Tellerrand" in die gestalterische Entwurfsproblematik in Verbindung mit dem Sichtbaren des Objektes vor Ort stellt für mich immer wieder und diesmal erneut eine Bereicherung der Erfahrung und damit eine Erweiterung des Spektrums in der Lehre dar. Die interdisziplinäre Diskussion unter den Teilnehmern und zusammen mit den Entwurfsplanern direkt am Ort der Bauwerke stellt jedes Mal ein wichtiges Element in der Wahrnehmung der Details dar. Ich wünsche dem ZZS für die Zukunft, dass es derartige Aktivitäten weiterhin anbieten möge!“

Architekt Klaus Zeller (Referent) schrieb: „Trotz des Wiedereintauchens in den Planungsalltag bin ich noch ganz erfüllt von den intensiven Tagen in Stockholm. Sowohl die Vorträge der Tagungsreferenten, als auch die unglaublich dicht und gut organisierte Exkursion haben mich fachlich sehr inspiriert. Es ist wieder mal deutlich geworden, wie reichhaltig die Möglichkeiten mit Ziegel zu bauen sind. Eine ganz besondere Steigerung der zwei Komponenten Tagung und Exkursion besteht meiner Meinung nach darin, dass es in den Zwischenräumen eine Unmenge an neuen Kontakten und Fachgesprächen gibt. Es herrschte ein steter Austausch, bei dem ich viele Anregungen, aber auch ganz konkrete Kontakte in Bezug auf das Planen und Bauen mit Ziegeln erhielt.“

Bundesweite Veranstaltung
Für TeilnehmerInnen aus der nördlichen Hälfte Deutschlands war es wieder eine besondere Gelegenheit zu erleben, wie das Ziegel Zentrum Süd in den südlichen fünf Bundesländern Lehrende und Studierende mit Fachinformationen versorgt, Lehrveranstaltungen in den Fachbereichen Architektur und Bauingenieurwesen unterstützt und enge Kontakte mit vielen Professorinnen und Professoren pflegt. Nach wie vor gibt es dazu in Norddeutschland kein Äquivalent.

Zur Info:
Das Ziegel Zentrum Süd hat die Aufgabe, Lehrende und Studierende der Architektur und des Bauingenieurwesens in ihrer Arbeit an den Hochschulen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zu unterstützen. Veranstaltungen werden vom Ziegel Zentrum Süd organisiert, weitestgehend finanziert und vor Ort betreut und begleitet. Nähere Informationen zum Ziegel Zentrum Süd e. V. finden Sie auf der Internet-Seite: www.ziegel.com.

 

 

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