Kostenfreie Unterrichtsmaterialien für die Grundschule: Begeisterung wecken, Begeisterung erhalten
München - 14.07.2017
Am 14. Juli 2017 wurde in der Geschäftsstelle des bayerischen Landesverbands des Bunds Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. gebastelt und geklebt.
11 Kinder im Alter zwischen 7 und 10 Jahren waren zu Gast und zeigten den anwesenden Erwachsenen, dass man mit der richtigen Anleitung und den richtigen Unterrichtsmaterialien in der Schule durchaus Spaß haben kann.
Die kleinen Architekten und Ingenieure demonstrierten, dass die Konzepte des neuen Baukulturellen Bildungsmoduls „Architektur in der Grundschule – Treppe und Dach“, das für den LehrplanPLUS Bayern entwickelt wurde, alle funktionieren. Die Broschüre mit dem obigen Titel wurde im Rahmen einer Veranstaltung für die Sponsoren und Kooperationspartner offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt.
Entwickelt wurde die Broschüre von der Regensburger Agentur für Baukulturvermittlung Architektur vor Ort unter der Verantwortung der drei Inhaberinnen Silke Bausenwein, Stephanie Reiterer und Ingrid Westerboer und der Mitarbeit von Lilian Mathäus.
Durch das weite Netzwerk der drei Architekturvermittlerinnen kam eine Reihe von sehr profilierten Sponsoren zusammen: Der Architekturkreis Regensburg, die Bayerische Architektenkammer, die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, der Landesverband Bayerischer Bauinnungen e.V., der Baumeisterseminar e.V. und der BDB Bayern, der seine Räume für den offiziellen Launch zur Verfügung stellte, trugen alle einen wichtigen Beitrag zur Existenz der Bildungsmodule bei.

Silke Bausenwein, die mit ihrer Idee vor gut 2 Jahren bei den erwähnten Verbänden und Institutionen viele offene und begeisterte Ohren vorfand, führte durch die Veranstaltung.
BDB-Präsidiumsmitglied Klaus Schneider brachte die Veranstaltung auf den Punkt. „Wir erleben die Einführung in eine neue Bildungswelt“, so Schneider.
Tatsächlich ist es so, dass mit der Einführung des LehrplanPLUS Mitte 2015 erstmals die Themen „Bauen und Konstruieren“ Einzug in den bayerischen Lehrplan fanden.
Der Hauptgeschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen Andreas Demharter stellte fest, dass Bauen nach wie vor sehr personalintensiv sei.
Das Ziel sei außerdem nicht, bei den Kindern die Begeisterung für das Bauen zu wecken, sondern eigentlich sie zu erhalten.
Auch der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau Prof. Dr. Norbert Gebbeken kam auf die Voraussetzungen der Kinder in der Schule zu sprechen. Einfluss auf die Berufswahl hätten in der Grundschule zu 75% Eltern und Verwandte, zu 50% Freunde und nur zu 10 % Lehrer. Auch wenn viele Schüler sich erst im letzten Jahr wirklich Gedanken um die Berufswahl machten, haben viele Grundschulkinder schon einen Traumberuf. Gebbekens These war somit, mit dem Baukulturellen Modul schon früh in diese Lücke zu stoßen, bevor die Kinder andere Einflüsse erfahren.
Für die Bayerische Architektenkammer kam Vorstandsmitglied Günter Meyer zum Launch. Er freute sich besonders darüber, dass die Module, genauso wie die Architektur generell, in viele Fachbereiche hereinreichen. Die Broschüre gibt schließlich Anregungen, die Themen sowohl in Mathematik, Religionslehre/Ethik oder Heimat- und Sachunterricht (HSU) aufzugreifen. Er war sich sicher, auch wenn unter den Schülern wenige zukünftige Architekten wären, hätte die Auseinandersetzung mit Architektur auch im alltäglichen Leben einen großen Nutzen.
Andreas Eckl vom Architekturkreis Regensburg e.V. gestand gleich zu Beginn seines Grußwortes, dass er „Schuld“ an der Broschüre sei.
Schließlich brachte er im Zuge der Gründung der Initiative Baukultur Regensburg 2015, bei der auch Bausenwein von Anfang an mitwirkte, die Architekturvermittlerinnen auf die Idee.
Alban Faußner, Vorsitzender des Baumeisterseminar e.V. und Geschäftsführer der Bauinnung Donau-Ries, erhoffte sich von den Kindern ebenso, dass sie sich ihr Interesse erhalten würden. „Begeisterung ist schließlich die Reinform der Motivation.“ Den Lehrern käme die wichtige Aufgabe zu, die Instrumente nun auch durchzusetzen.
Bevor die Broschüre feierlich anhand eines Buzzers von den Kindern online gestellt wurde, gab Stephanie Reiterer von Architektur vor Ort eine kurze Einführung in die Module. Sie beschrieb, dass jedes Bauelement auf drei Ebenen vorgestellt werde. Zunächst wird den Schülern eine kulturhistorische Einordnung des Themas „Treppe“ (in den Jahrgangsstufen 1 und 2) und „Dach“ (Jahrgangsstufen 3 und 4) gegeben. Danach werden Anknüpfungspunkte aufgezeigt und schließlich können die Schüler selbst ausprobieren. Oder in den Begriffen des Lehrplans: „Architekturwahrnehmung, Architekturbetrachtung, Architekturdarstellung und Architekturgestaltung“.
Die Einheiten geben somit jeweils einen guten Überblick über historische und kulturelle Zusammenhänge der Bereiche „Dach“ und „Treppe“ aus den verschiedenen Disziplinen heraus, bevor die Schüler selbst Hand anlegen und durch selbstgesteuertes, intrinsisches Lernen in der Form von Stationenlernen und Teamarbeit in der 3./4. Klasse, bzw. Einzelarbeiten ihr neu erlangtes Wissen anwenden können. Dabei haben die Entwicklerinnen der Broschüre peinlich genau darauf geachtet, dass Laien, die Grundschullehrer in der Regel ja sind, alle nötigen Materialien und das nötige Hintergrundwissen an die Hand bekommen.
Herausgekommen ist ein sowohl grafisch als auch inhaltlich exzellentes Hilfsmittel für Lehrkräfte, das nachhaltig dazu beitragen kann, dass Grundschulkinder ihre angeborene Begeisterung für das Bauen nicht nur erhalten, sondern mit fundiertem Wissen ein Leben lang präsent haben können.
Die Broschüre ist downloadbar unter:
► www.architektur-vor-ort.net/buch-architektur-in-der-grundschule.html
► alt.bayika.de/de/schueler/treppe_dach.php
Text: Lioba Gieles, BDB Landesverband Bayern
© Fotos: BDB Bayern / Juan Pedro Nardi
[ zurück ]
Bayerische
Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de