Neues Museum Berlin als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnet

Festakt am 4. Juli 2014 auf der Museumsinsel Berlin

 

Berlio   -  04.07.2014

Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst Am 4. Juli 2014 wurde das Neue Museum Berlin als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" ausgezeichnet. Der Festakt fand im Vaterländischen Saal des Neuen Museums statt. Am Bauwerk wurde um 10:45 Uhr eine Ehrentafel enthüllt.

Mit der Auszeichnung des Neuen Museums auf der Museumsinsel Berlin würdigt die Bundesingenieurkammer die herausragende bautechnikgeschichtliche Bedeutung des Neuen Museums.

Neue Museum BerlinDas Neue Museum wurde von Friedrich August Stüler (1800-1865) im Auftrag Friedrich Wilhelms IV. zwischen 1841 und 1859 auf der Berliner Spreeinsel errichtet, die heute allgemein als Museumsinsel bekannt ist. Mit dem Neuen Museum hat Stüler nicht nur ein spätes Glanzstück des Klassizismus geschaffen. Zur Realisierung des Bauwerks nutzte der Schinkelschüler auch eine Vielzahl damals noch völlig neuartiger Bauweisen. Die ungewöhnlichen Konstruktionen prägen das Tragwerk ebenso wie den Ausbau – von guss- und schmiedeeisernen Trägern und Stützen über Leichtbau- und Scheingewölbe aus Tontöpfen, Leichtziegeln oder Drahtputz bis hin zu innovativen Putzen und einem neuartigen Wasserheizungssystem.

Stüler nutzte die neuen technischen Möglichkeiten nicht nur im Sinne einer „dienenden Technik“. Er stellte sich ihnen auch als einer baukünstlerischen Herausforderung. Neue Konstruktion und innovatives technisches Detail avancierten zum wesentlichen und sichtbaren Thema seiner Architektur. Im Ergebnis ist das maßvoll monumentale, wohlproportionierte Gebäude damit nicht  nur ein Stein gewordenes Programm einer Museumsidee, die Räume, Technik  und Dekoration in den Dialog mit den ausgestellten Kunstwerken zu setzen suchte – es ist auch ein „Theatrum aedificale“, eine Schaustelle der Bautechnik.

In seiner bedeutendsten Schöpfung hat der preußische Baumeister damit ein  großartiges Bekenntnis zur Einheit von Technik und Kultur abgelegt. Konzipiert  als ein Kompendium der Menschheitsgeschichte, macht die Architektur des  Hauses die als Aufstieg empfundene Geschichte des Menschengeschlechts nahezu physisch erfahrbar – von den mythologischen Anfängen bis in die, als Höhepunkt der Entwicklung verstandene Jetztzeit des frühen 19. Jahrhunderts. Die offensiv zur Schau gestellten historischen Tragwerke und Details des spätklassizistischen Baus vermitteln in diesem Zusammenhang eine zentrale Botschaft: Der technische Fortschritt ist Teil dieses Menschheitsfortschritts, ganz selbstverständlich nimmt er in diesem Gesamtkunstwerk seinen Platz ein.

Bombenkrieg, jahrzehntelange Vernachlässigung und Verfall legten von der Konstruktion des Hauses noch weit mehr frei als ursprünglich sichtbar gewesen war. Klarer als je zuvor war das Neue Museum nun zu einem offenen Buch der Technik, zu einer „Baukonstruktionslehre“ des frühen 19. Jahrhunderts geworden. Das Konzept der „Ergänzenden Wiederherstellung“ nach Plänen David Chipperfields griff die kunstvoll ineinander verwobenen Schichten des Konstruktiven neu auf; der Wiederaufbau geriet zu einem differenzierten Diskurs über Schönheit, Zeit, Vergänglichkeit und Veränderung auch der Technik. Ziel war nicht die bestmögliche Wiederherstellung des Gewesenen. Vielmehr wurden die freigelegten „Präparate“ in die neue Architekturschicht des Wiederaufbaus eingebunden – „neu hinzugekommene Zeichen des Konstruktiven als Teil der Geschichte des Hauses“ (Prof. Lorenz). In der weiterhin offensiven Auseinandersetzung mit dem Konstruktiven wurde die Leitlinie der Architektur des ursprünglichen Bauwerks fortgeschrieben.

Im Rahmen der von der Bundesingenieurkammer herausgegebenen Schriftenreihe zu den „Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ erscheint als Band 15 die Broschüre „Das Neue Museum Berlin“. Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz würdigt darin das in den 1840er Jahren errichtete Bauwerk als eine „Inkunabel preußischer Konstruktionskunst im Zeichen der Industrialisierung“. Dabei spannt der renommierte Autor den Bogen vom zeitgeschichtlichen Kontext der preußischen “Wissensgesellschaft“ im Zeichen von Biedermeier, Gewerbeförderung und Frühindustrialisierung über die faszinierende Konstruktionsgeschichte des Hauses bis hin zum Umgang mit diesem schwierigen Erbe im Rahmen des Wiederaufbaus.

„Diesem wundersamen Gefüge aus verschiedenen Schichten oft ungewöhnlicher und neuartiger Konstruktionen, die im Wiederaufbau noch eine neue Dimension der Transparenz erfahren haben, ist dieses Buch gewidmet. Es will das Neue Museum lesen lernen als das, was es ist – eine Wunderkammer der Bautechnik.“ (Prof. Lorenz). 

Schrfitenreihe

PublikationDie Broschüre kann im Buchhandel oder bei der Bundesingenieurkammer zum Preis von 9.80 Euro zzgl. Versandkosten bestellt werden.
www.wahrzeichen.ingenieurbaukunst.de
Zur Online-Bestellung

Die gesamte Auszeichnungsreihe wird durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert und unterstützt.


 

 

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