Noch bis zum 30. April 2010 können sich Bauherren gemeinsam mit dem am Projekt beteiligten Inge-nieuren und Architekten um den „Bayerischen Denkmalpflegepreis 2010“ bewerben.
München/Augsburg/Nürnberg - 01.03.2010
Die von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau verliehene Auszeichnung gilt als Oscar der Denkmalpflege und ist mit 10.000 Euro dotiert. Der Preis ist deutschlandweit einmalig: Bei ihrer Bewertung legt die Jury besonderes Augenmerk auf die Qualität der ingenieurtechnischen Arbeiten. Die Siegerehrung findet im September 2010 statt.
In Bayern gibt es rund 130.000 Baudenkmäler. Nicht wenige davon sind in Gefahr. Fachleute schätzen, dass in den vergangenen 20 Jahren rund 20 Prozent der historisch wertvollen Bauwerke zerstört wurden. „Umso wichtiger ist es, die Menschen, die sich um den Erhalt von Denkmälern kümmern, zu fördern“, sagt Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege hat die Kammer nun zum zweiten Mal den Bayerischen Denkmalpflegepreis ausgelobt. Mit der Auszeichnung wird das Engagement privater und öffentlicher Bauherren gewürdigt, die sich in vorbildlicher Weise für denkmalgeschützte Bauwerke in Bayern eingesetzt haben.
„Denkmalpflege ist eine Gemeinschaftsaufgabe, an der die Eigentümer von Denkmälern, Denkmalpfleger, Ingenieure, Architekten, Restauratoren und eine ganze Reihe von Handwerkern beteiligt sind“, betont Prof. Dr. Egon Greipl, Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Dabei sind bei nahzu allen Sanierungsschritten Bauingenieure beteiligt, von der Bestandsaufnahme über die Standsicherheit bis hin zu bauphysikalischen Fragestellungen. Deshalb wird bei der Vergabe des Preises auch besonders großer Wert auf herausragende Leistungen in diesen Bereichen gelegt. „Viele Punkte bei der Jury kann sammeln, wer bei der Statik mit herausragenden Tragwerkslösungen und vorbildlicher technischer Ausstattung überzeugt“, so Jurymitglied Dipl.-Ing. Herbert Luy.
Zum Jurykreis gehören weitere sechs Fachleute: Prof. Dietmar Hettmann, Eduard Knoll, Dr.-Ing. Florian Koch, Klaus Pauler, Prof. Dr.-Ing. habil. Karl G. Schütz und Dr. Bernd Vollmar.
Als vorbildliches Objekt nennt Luy die Evangelische Pfarrkirche St. Ulrich in Augsburg, die im Jahr 2008 Gold in der Kategorie Öffentliche Bauwerke gewonnen hat: „Nur durch das Einfügen eines einzelnen Stabes in den labilen Dachstuhl des Kirchendaches konnte eine standsichere Fachwerkkonstruktion erzeugt werden.“ Die Jury war von der „einfachen“ Lösung begeistert: „Eine deutlich teurere Alternative wäre eine Stahlrahmenkonstruktion gewesen“, erklärt Luy.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in der Denkmalpflege viel verändert. Früher seien laut Luy historisch tragende Teile einfach durch moderne ersetzt worden. Ein negatives Beispiel sei das im zweiten Weltkrieg ausgebombte Finanzministerium, das nach dem Krieg mit neuen Materialien, Bauteilen und Betondecken aufgebaut wurde: „Bei dem Anblick würde heute jedem Denkmalpfleger das Herz bluten“, so Luy. Tragwerke seien Teil der Baugeschichte. Die Ansicht, dass auch Tragkonstruktionen denkmalwürdig sind, habe aber erst in den 70er Jahren Eingang in die Denkmalpflege gefunden.
Teilnahmebedingungen
Um den Bayerischen Denkmalpflegepreis 2010 können sich Bauheren gemeinsam mit den am Projekt beteiligten Ingenieuren und/oder Architekten bewerben. Die Bauwerke müssen in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen sein oder die Voraussetzungen dazu erfüllen. Die Instandsetzungsarbeiten dürfen nicht vor dem 1. Januar 2005 begonnen worden sein und müssen spätestens am 31. Dezember 2009 abgeschlossen sein.
Abgabe- und Einsendeschluss für die zur Teilnahme notwendigen Unterlagen ist der 30. April 2010. Die Preisträger werden im Rahmen eines Festaktes mit einer Urkunde, die Bauwerke mit einer Plakette ausgezeichnet. Die Kategorie „Private Bauwerke“ ist darüberhinaus mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.
Eine weitere Besonderheit des Wettbewerbs: „Wir rücken das Objekt, für dessen Erhalt sich Eigentümer, Planer und Handwerker gemeinsam engagieren, in den Mittelpunkt“, so Schroeter. Dadurch werde deutlich, dass in der Denkmalpflege in der Regel nicht Einzelleistungen, sondern das gemeinsame Agieren aller Beteiligten zum Erfolg führe. „Die Baudenkmäler zu erhalten ist eine Aufgabe, der sich unsere gesamte Gesellschaft stellen muss“, sagt Schroeter. Es seien schließlich auch diese besonderen Bauwerke, die Bayern lebenswert und in der Welt einzigartig machten
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