Privatinitiative rettet Synagoge
Wiesenbronn: Wichtiges Zeugnis jüdischer Kultur erhalten
München
- 12.09.2013

Mit einem Festakt wird heute der Abschluss der Instandsetzungsarbeiten an der ehemaligen Synagoge in Wiesenbronn, Landkreis Kitzingen, gefeiert. Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, würdigt die Rettung dieses Denkmals: „Mit großer Begeisterung und viel Engagement haben sich die Eheleute Hüßner über lange Jahre für die Synagoge in Wiesenbronn eingesetzt. Dass das Ergebnis so gut geworden ist, verdanken wir ihrem Mut und ihrem Forscherdrang. Sie machen mit der Rettung der Wiesenbronner Synagoge ein für Bayern wichtiges Stück jüdischer Geschichte wieder erlebbar.“
2004 hatte das Ehepaar Hüßner die ehemalige Synagoge in Wiesenbronn erworben, um das
Gebäude als Wohnhaus herzurichten. Die Eigentümer regten die Überprüfung der Denkmaleigenschaft an, die das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bestätigte: Die Synagoge ist, das haben die Untersuchungen ergeben, 1792/93 entstanden und heute als Baudenkmal in der bayerischen Denkmalliste erfasst. Die Synagoge zeigt heute wieder weitestgehend ihr ursprüngliches Erscheinungsbild; mit großer Liebe zum Detail haben die Bauherren das historische Gebäude wieder hergestellt.
Nach 145 Jahren als religiöses Zentrum der Region verkaufte die jüdische Gemeinde von
Wiesenbronn, die sich 1938 unter dem Druck des NS-Regimes auflöste, die Synagoge an
Privatleute. Das Gebäude blieb dadurch vor der Zerstörung in der Pogromnacht vom 9. auf den
10. November 1938 verschont.
Die Synagoge von Wiesenbronn ist ein bedeutendes Zeugnis des Landjudentums, das in Bayern
und insbesondere in Franken einst weit verbreitet war. In der Denkmalliste sind heute 124
Synagogen als Baudenkmäler erfasst, 104 davon stehen in Franken. Mit dem Erhalt dieser
Synagogen werden die Zeugnisse der jüdischen Kultur in Bayern vor dem Vergessen bewahrt.
Prof. Dr. Egon Johannes Greipl: „Die Geschichte der Synagoge in Wiesenbronn zeigt auch, dass
der Erhalt dieser Baudenkmäler ein Akt der Wiedergutmachung und des Respekts vor der
Geschichte ist. Dieses Denkmal erzieht uns zur Demut.“
(Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)
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