Germanen, Windenergie & Denkmalrausch

Montagsvorträge bieten interessante Themen mitten in Münchens Innenstadt

 

München   -  28.01.2014

Bei den Montagsvorträgen im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege werden aktuelle Projekte und Neuentdeckungen vorgestellt. Insgesamt sind es sechs Vortragsabenden bei denen Referenten und Fachkollegen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Einblick in ihre Arbeit geben. Inhaltlich geht es um Archäologie, Kunstgeschichte, Restaurierung, Baudenkmäler, Stadtgeschichte – Themengebiete also, die vielfältig und weitreichend sind.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) hat in seiner Denkmalliste über 160.000
Denkmäler verzeichnet. Buchstäblich „sprechende“ Zeugen einer weit zurückreichenden,
wechselvollen Geschichte. Viele dieser Zeugen prägen bis heute unseren Alltag. Doch was
wissen wir wirklich von ihnen? Die Besucher der Montagsvorträge dürfen sich auf spannende
Einblicke freuen!

Montagsvorträge zur Denkmalpflege in Bayern: 10. Februar bis 24. März 2014

Veranstaltungsort
Säulenhalle der Alten Münze, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege,
Hofgraben 4, 80539 München

Beginn & Anmeldung
Die Vorträge beginnen jeweils um 19.00 Uhr, der Eintritt ist frei, ohne Anmeldung!
www.blfd.bayern.de Telefon: 089-2114-0; E-Mail: poststelle@blfd.bayern.de

Kooperationspartner
Gesellschaft für Archäologie in Bayern, Volkshochschule München

10. Februar: Von Germanen und anderen Erfindungen – Völkerbezeichnungen in der
bayerischen Archäologie, Dr. Jochen Haberstroh, BLfD

„Die Germanen sind eine Erfindung“ – was ist der Hintergrund dieser Behauptung? Die
frühgeschichtliche Archäologie widmet sich verstärkt der Verknüpfung von historischen
Völkerbezeichnungen mit archäologischen Befunden. Bayern bietet hier zahlreiche Beispiele:
Von den Germanen des 1. Jh. in Mainfranken bis zu den Slawen der Karolingerzeit in
Ostbayern. Nicht zu vergessen: Die Bajuwaren und die Frage nach ihrer Herkunft. Welchen
Einfluss haben diese „Erfindungen“ für unser Geschichtsverständnis? Dieser Frage geht der
Vortrag nach.

17. Februar: Kulturlandschaftsschutz und Windenergie, Dr. Thomas Gunzelmann, BLfD
„Vermaisung“, „Verspiegelung“, „Verspargelung“: Mit diesen Schlagworten beschreiben
Kritiker die Energiewende. Gerade von Windkraft- und Solaranlagen sind vielfach auch
Denkmale betroffen: Baudenkmale büßen ihre Wirkung ein, historische Kulturlandschaften
verlieren ihre Besonderheiten. Der Vortrag stellt Instrumente vor, um Standorte aus
denkmalpflegerischer Sicht zu beurteilen.

24. Februar: Die Planstadt Erlangen: Städtebaulicher Aufbruch ins 18. Jahrhundert,
Dipl.-Ing. Thomas Wenderoth, BLfD

Der 30-jährige Krieg hatte verheerende Auswirkungen auch auf Franken: Ortschaften sind
verwüstet, ganze Landstriche entvölkert. Wirtschaftlicher Niedergang und Armut sind die Folge.
Das 17. Jahrhundert ist ein „verlorenes“ Jahrhundert. Die Gründung einer Hugenottenkolonie
1686 durch Markgraf Christian Ernst von Bayreuth soll Bevölkerungszuwachs und Aufschwung
bringen. Dies erfordert religiöse Toleranz: Mit dem Bau der Planstadt Erlangen beginnt ein
künstlerischer und städtebaulicher Aufbruch in eine neue Zeit!

10. März: Im Denkmalrausch: Ferdinand von Miller und die Königliche Erzgießerei in
München, Cornelia Saffarian

Bereits zu Lebzeiten erhielt Ferdinand von Miller (1813-1887) Anerkennung für seine
Leistungen. Miller entwickelte und perfektionierte nicht nur verschiedene Techniken zur
Fertigung von Bronzedenkmälern, er engagierte sich auch in der Politik, u.a. im Berliner
Reichstag. Unter der Leitung Millers wurden in der Königlichen Erzgießerei technisch
schwierige Güsse wie die Bavaria erfolgreich ausgeführt. Die Firma gelangte zu Weltruhm:
Werke der Münchener Erzgießerei finden sich sogar in Südamerika.

17. März: Münchner Denkmäler aus Bronze - Altern in Frieden und Schönheit?
Martin Mach, BLfD

Welche Gemeinsamkeit haben ein E-Mail, ein Wahlplakat und ein Denkmal aus Bronze?
Alle drei sollen vor allem eine kompakte Botschaft übermitteln. Zweifellos zählen Denkmäler
aus Bronze zu den hochwertigeren, zähesten und langlebigsten Botschaftern. Der Vortrag
illustriert, wie Münchner Wetter, Zivilisation, Krieg und Politik auf diese Denkmäler einwirken.
Er zeigt zudem auf, wie Denkmalpflege und Öffentlichkeit hierbei positiv Einfluss nehmen
können.

24. März: Exportland Bayern: Massenproduktion von Tafelgeschirr in der Römerzeit,
Dr. Martin Pietsch, BLfD, und Dr. Silvia Radbauer, Universität Wien

Die rot glänzende Terra Sigillata ist eine römische Importkeramik, bei der sich die
Herstellerzentren von Italien bis Bayern finden und weitreichende Vertriebswege nachzeichnen
lassen. Gegen Ende des 2. Jh. n. Chr. etablierte sich auch in Oberbayern ein
Produktionszentrum, dessen Ausstoß bis Bulgarien und zur Ostsee reichte. Bei einer
Ausgrabung bei Rosenheim fand man überraschend nicht die Brennöfen, sondern die mit
Töpfereiabfall verfüllten Tongruben: Über 40 Tonnen Terra Sigillata, Ofenreste und
Brennhilfen lassen ganz neue Erkenntnisse erwarten.

(Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)

 

 

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