Bodendenkmalpflege - vorbildlich im interdisziplinären Austausch

Publikation „Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege" aus dem Jahr 2013 erschienen

 

München   -  14.02.2014

„Wir sind wie Detektive - nur erforschen wir die Geschichte unserer Vorfahren, die nicht Jahrhunderte, sondern sogar Jahrtausende zurückliegt. Was uns bei unserer Forschungsarbeit sehr hilft, sind die heute zur Verfügung stehenden Untersuchungsmethoden. Wer würde etwa vermuten, dass wir Bodendenkmalpfleger die Kernphysik mit den von ihr bereitgestellten 14C-Datierungen bei unserer Arbeit verwenden? Heute spielen für uns die naturwissenschaftlichen Herkunftsanalysen wie zum Beispiel die Strontium-Isotopenanalyse oder auch die Radiokohlenstoffbestimmung für die Altersbestimmung eine immer größere Rolle," stellt Prof. Dr. C. Sebastian Sommer, Abteilungsleiter der Praktischen Denkmalpflege Bodendenkmäler im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, fest und mit Blick auf das öffentliche Interesse an den Grabungsergebnissen der letzten Jahre: „Der interdisziplinäre Austausch mit Historikern, Naturwissenschaftler oder auch Volkskundler gibt uns entscheidende Hilfestellung bei der Frage, wie unsere Vorfahren gelebt haben. Geschichte und Wissenschaft ergänzen sich in der Bodendenkmalpflege hervorragend!"

Wie das effektive und produktive Zusammenspiel zwischen Bodendenkmalpflege und Wissenschaft
aussehen kann, zeigt zum Beispiel der Aufsatz „Die Römerstraße im Unterzeller Bachtal bei Dasing im
Landkreis Aichach-Friedberg". Grundlage ist hier eine Studie zur Landschaftsgeschichte im
Alpenvorland. Die Autoren Wolfgang Czysz und Wolfgang Schmid berichten in ihrem Aufsatz über die
Auswertung der archäologischen Ausgrabung, die durch naturwissenschaftliche
Untersuchungsergebnisse ergänzt wird. Geologie, Dendrotechnik, Palynologie und 14C-Datierungen
lieferten für die Erforschung der Römerstraße im Unterzeller Bachtal exakte Koordinaten. Dank dieser
Forschungserkenntnisse konnte die Entstehungsgeschichte der Römerstraße von Augsburg nach Passau genau datiert werden. Heute wissen wir, dass die Römerstraße nach den Thronkämpfen des Jahres 69 nach Christus unter Vespasian erbaut wurde.

Viele der insgesamt 21 Beiträge konzentrieren sich auf die Römerzeit und Spätantike. Hierzu zählt zum
Beispiel der Beitrag von Manuel Schnetz über die Villa rustica von Regensburg-Harting. Die Ausgrabung der Villa war in den Jahren 1983-1985 durchgeführt worden. Von besonderer Bedeutung waren hier die Skelette von mehr als zehn erschlagenen Personen. Heute geht man davon aus, dass die Bewohner der Villa bei einem Germanenüberfall ums Leben kamen und ihre sterblichen Überreste bei einer Aufräumaktion über die Brunnen entsorgt wurden.
Insgesamt vier Beiträge der Publikation basieren auf einem Workshop über die Erforschung des 5.
Jahrhunderts. Der Workshop war bereits 2012 und fand in der „Königlichen Villa" in Regensburg, einer
der Dienststellen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, statt.

Publikation: „Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 54" aus dem Jahr 2013
Herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
2013, 456 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen
In Kommission bei Dr. Rudolf Habelt Verlag GmbH, Preis: 52,00 Euro

(Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)

 

 

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