Energie: Rückblick auf Infotag in Nürnberg

Wohnanlagen energetisch sanieren: Am besten mit der Kompetenz des Bauingenieurs. Kammer bot Wissenswertes.

 

Nürnberg/München   -  11.10.2010

Dass in energetische Sanierungen von Eigentumswohnanlagen die an der Planung und am Bau beteiligten Ingenieure frühzeitig einzubeziehen sind, wurde beim Informationstag zu dieser Thematik am 9. Oktober deutlich. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hatte zusammen mit dem Verband Beratender Ingenieure, dem Bayerischen Bauindustrieverband und der Sparkasse Nürnberg zu dieser Infoveranstaltung ins BauindustrieZentrum Nürnberg-Wetzendorf geladen. Rund 50 Interessierte, Verwalter und Verwaltungsbeiräte von Eigentumswohnungen, aber auch Bauingenieure, nahmen daran teil.

Auf die Aktivitäten der Ingenieurekammer in diesem Feld ging Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter ein. So beschäftigt sich der Ausschuss „Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im Hochbau“ mit dem 1. Vorsitzenden Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Sorge und 2. Vorsitzenden Dipl.-Ing. Dieter Rübel an der Spitze schon längere Zeit mit diesem Thema. Schroeter verwies auf die Ausbildung von Energieberatern und sah als Ziel dieser Veranstaltung, „Auftragnehmer und Auftraggeber zusammenzubringen“. Die Notwendigkeit energetischer Sanierung von Bauten hob auch Martin Schneider, Geschäftsstellenleiter Nordbayern des Bauindustrieverbandes, in seiner Begrüßung hervor. „Die Sanierung ist ein gewichtigerer Markt als die Neubauten“, meinte der BBIV-Vertreter.

In die Thematik führte der Moderator des Infotages Dipl.-Ing. Dieter Rübel ein. Die energetische Sanierung sei „erste Verantwortung für Eigentümer und Verwalter“, meinte Rübel und sprach von fünf bis sechs Millionen Eigentumswohnungen in Deutschland bzw. 700.000 bis 800.000 in Bayern. Darüber hinaus verwies er auf den Klimaschutz, das Einsparen von Energie und den Einsatz erneuerbarer Energien.

Die Nutzung regenerativer Energien empfahl auch Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Sorge, der an der Fachhochschule Würzburg lehrt und ein Ingenieurbüro für Bauphysik in Nürnberg betreibt. Er ging in seinem Vortrag auf deutsche und europäische Verordnungen und Richtlinien der letzten Jahre bis zur 2012 neuen Energieeinsparverordnung ein. Dabei hob er besonders das Wirtschaftlichkeitsgebot und die Berechnung mit Referenzwerten bzw. das Referenzgebäudeverfahren hervor. Insgesamt empfahl Sorge „Gebäude mit ausgeglichener Energiebilanz“ und die „richtige Kombination der verschiedenen Maßnahmen“ etwa beim Einsatz regenerativen Energien. Grundsätzlich gelte es, jedes Gebäude individuell anzusehen und dementsprechend Konzepte zu erarbeiten. Bei der Ausführung von Untersuchungen sei, auch darauf verwies der Referent, eine Unternehmer- sowie Eigentümererklärung sinnvoll.

Konkrete Projekte der energetischen Sanierung von Wohngebäuden stellte Dipl.-Ing. Stefan Schierer vom Ingenieurbüro Müller BBM vor. Er nannte aber auch Motive von Wohnungseigentümern für die energetische Sanierung ihrer Gebäude: gestiegene Verbrauchskosten, Steigerung des Wohnkomforts und damit des Gebrauchswertes. Die Sanierung einer Wohnanlage in München (72 Wohnungen, Anfang der 70er Jahre, 9700 Quadratmeter) sowie eines denkmalgeschützten Gebäudes ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt präsentierte er und ging dabei vor allem auf die Aspekte Wärmeschutz und -dämmung ein. „Die Begleitung durch einen Fachmann ist in jedem Fall notwendig“, riet Schierer.

Die Finanzierung und Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen beleuchteten Rainer Hörl (Leiter Vertriebsmanagement Aktivgeschäft) und Anton Kasak (Abteilung Firmenkunden Zentral Sonderfinanzierungen) von der Sparkasse Nürnberg. Sie verdeutlichten, dass eine Wohnungseigentümergemeinschaft als Kreditnehmer nur in Form der Eigenfinanzierung agieren könne und stellten den Verfahrensablauf in diesem Fall vor. Ferner erläuterten sie vor allem die Förderprogramme der KfW Bankengruppe (Kredit- bzw. Zuschussprogramme), die auch (energetische) Sanierungen enthalten.

Den Umbau eines Bürohochhauses („Living Tower Lyoner 19“) aus dem Jahr 1969 (14 Büroetagen) in ein modernes Wohngebäude (98 Wohneinheiten) mit Aufstockung um drei Etagen und Komplettsanierung, wobei vom alten Gebäude nur die Hülle stehen blieb, beschrieb Dipl.-Ing. (FH) Frank Maier, Projektleiter bei HOCHTIEF Construction AG, formart Rhein-Main. Er sprach von einer „extremen Variante einer Sanierung“ und zeichnete die einzelnen Schritte dieses Frankfurter Projektes nach. „Die ständige Kontrolle einer kompetenten Bauleitung ist nötig“, stellte Maier zusammenfassend fest.

Tipps für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) bei der Beschlussfassung, Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur energetischen Sanierung hatte Dipl.-Ing. (FH) Andrea Huss, Geschäftsführerin der Archi.Net Ingenieur-Service GmbH aus Icking, für die Tagungsteilnehmer parat. Sie zeigte die Schritte von der vorbereitenden Planung der Maßnahme, über die bauliche Instandsetzung, die Planungs- und Bauphase bis hin zur Abnahme und Dokumentation mit den jeweiligen Arbeiten und Anforderungen auf. Huss machte deutlich, dass die Herausforderungen bei diesen Phasen einen Fachplaner verlangen, die meisten dieser Tätigkeiten die Hausverwaltung überfordern. Darüber hinaus informierte sie über Regularien von WEG-Versammlungen.

Nach dieser erfolgreich verlaufenen Informationsveranstaltung sind, wie Kammerpräsident Schroeter bereits in seiner Begrüßung andeutete, weitere regionale Tagungen zu diesem Thema denkbar.

Text: Markus Bauer



 

 

[ zurück ]

 

Bayerische
Ingenieurekammer-Bau

Körperschaft des öffentlichen Rechts

Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de

► Aktuelles ► Kurznachrichten
Planer- und Ingenieursuche
Partner Mittelstandspakt Bayern

Partner Klima-Allianz Bayern