Nachbericht zur Fachtagung der Hochschule Augsburg zum Thema Nachhaltigkeit & Co.
Augsburg - 22.06.2015

Vortragende und Diskussionspartner, v.l.n.r.: Martin Roiner, Prof. Manfred Schnell, Prof. Dr. Elisabeth Krön, Stefan Glocker, Magdalena Szablewska, Susanne Runkel, Jasmin Lill, Prof. Dr. Norbert Preuß, Wolfgang Kiauka. (Foto: Hochschule Augsburg)
„Nachhaltigkeit – Ist das Thema nicht schon lange abgehandelt?“ fragte Prof. Dr. Elisabeth Krön (Hochschule Augsburg) zum Auftakt der Fachtagung des Instituts für Bau und Immobilie der Hochschule Augsburg. Die Überstrapazierung des Begriffs stimmt in der Tat nachdenklich. In engagierten Fachvorträgen und einer lebendigen Podiumsdiskussion zeigten sich jedoch auch weiterhin großer Handlungsbedarf und unbearbeitete Themen. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau war Kooperationspartner der Veranstaltung.
Status Quo, Kursbestimmung, Großprojekte
Prof. Dr. Krön führte mit aktuellen Zahlen zu CO2-Einsparung und Zertifizierungsquoten sowie einem Überblick über Normen, Richtlinien, Informationsquellen und aktuellen Problemstellungen in das Thema ein.
Marc Daub, Experte für Nachhaltiges Bauen bei Drees & Sommer, schilderte aus dem Zertifizierungsgeschehen in der Praxis und betonte die Notwendigkeit zeitiger Entscheidungen des Bauherrn für Art und Niveau von Nachhaltigkeitsanforderungen.
Prof. Dr. Norbert Preuß, CEO der PREUSS GMBH innerhalb der CBRE Group sowie Vorstand des DVP e.V., analysierte gescheiterte Großprojekte aus Sicht des Projektmanagements. Er stellte die aktuellen Arbeitsthemen der AHO-Kommission zur Weiterentwicklung des Projektmanagements einschließlich der Nachhaltigkeitsaspekte vor.
Städteplanung nachhaltig, Rohstoff Müll, Ökobilanz
Am Beispiel einer Konversionsfläche in Hamburg Altona schilderte der Architekt Stefan Glocker Prozess und Optionen nachhaltiger Stadtplanung. Bei der Umwandlung eines innerstädtischen
Industriestandortes zu einem Wohnquartier sind vor allem in der Vorplanungsphase erhebliche Zeitspannen für politische Verhandlungen, Bürgerbeteiligung und Auflagen aus dem Naturschutz erforderlich und benötigen seitens der Projektentwicklung erhebliche Ressourcen.
Martin Roiner, Umweltschutzbeauftragter der Fa. Lindner in Arnstorf, zeigte, dass konsequentes
Abfallmanagement bei Sanierungen auch kaufmännisch interessant ist. Die Wertschöpfung geschieht dort, wo das Konzept erstellt wird, beim Bauherrn oder beim ausführenden Unternehmen.
Wie viel Zeit verstreichen kann, bis ein als gesundheitsschädlich bekannter Baustoff gesetzlich
verboten wird, schilderte die Baubiologin Jasmin Lill (Intep Integrale Planung GmbH, München) anhand von künstlichen Mineralfasern, Formaldehyd und Asbest. Lill empfiehlt, Baustoffe unter Berücksichtigung entsprechender Umweltlabels auszuwählen.
Jeder Baustoff findet hinsichtlich seiner CO2-Emissionen in der Ökobilanz entsprechende Berücksichtigung, erläuterte anschließend Susanne Runkel, Spezialistin für Ökobilanzierungen bei ATP Sustain, München. Mit der parallel zum Planungsprozess geführten Ökobilanz steht ein Planungsinstrument zur Verfügung, das die Optimierung der Planung hinsichtlich CO2 ermöglicht.
Statements und Diskussion
„Die Reduktion des CO2-Ausstoßes um 75% pro Person schaffen wir nicht allein über nachhaltiges
Bauen. Um dies zu erreichen muss ein Umdenken im Kopf eines jeden Einzelnen stattfinden, dass ein deutlich verändertes Konsumverhalten nach sich ziehen muss“, forderte Bernhard Donhauser, langjähriger Dozent am Institut für Bau und Immobilie, in der anschließenden Podiumsdiskussion. Dennoch: „Die öffentliche Hand übernimmt eine Vorreiterrolle im Nachhaltigen Bauen und geht mit gutem Beispiel voran. Damit setzt sich diese Haltung auch in der Breite durch“, schließt Wolfgang Kiauka, Leiter der Bauabteilung der MPG, die Diskussion ab.
Zur Tagung erschien wieder ein Tagungsband, der die Beiträge der Referenten enthält. Der digitale Tagungsband „AusBau + Immobilie 15 – Nachhaltigkeit & Co.“ kann als pdf beim Institut für Bau und Immobilie unter www.hs-augsburg.de/ibi erworben werden.
(Quelle: Hochschule Augsburg)
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