Möglichkeiten und Fördermittel für kleine und mittelständische Unternehmen
München - 22.01.2013
Welche Chancen eröffnen sich Ingenieurbüros durch die Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (F&E)? Was heißt in dem Zusammenhang Innovationsförderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)? Wo und wie erhalten KMUs Fördermittel? Was ist in dem Fördersinne eine Innovation? Dieser Beitrag möchte das Thema beleuchten, Fragen beantworten und Beispiele aufzeigen.
Innovation im Bauwesen ist ein Thema, das immer wieder von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Dabei ist die Kernfrage, was ist Innovation? Hierzu findet man bei Wikipedia: „Innovation heißt wörtlich „Neuerung“ oder „Erneuerung“. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff unspezifisch im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen und für deren wirtschaftliche Umsetzung verwendet. Im engeren Sinne resultieren Innovationen erst dann aus Ideen, wenn diese in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren umgesetzt werden, die tatsächlich erfolgreiche Anwendung finden und den Markt durchdringen (Diffusion).“
Innovation ist also nicht scharf und einheitlich definiert. Insofern ist die Verbesserung von Bauabläufen eine Innovation und eigentlich kann jeder Tragwerksentwurf eine Innovation sein. Neue Produkte sind sicherlich Innovationen. Forschung und Entwicklung (F&E) beschäftigen sich hauptsächlich mit der systematischen Innovation. F&E finden nicht nur an Hochschulen und Instituten statt, sondern ganz wesentlich in mittelständischen Unternehmen, wenn man Innovation z.B. über die Anzahl von Patentanmeldungen misst. Deshalb kommt der öffentlichen Förderung von F&E im Mittelstand eine besondere Bedeutung zu. Hier sind bereits einige Ingenieurbüros aktiv, es könnten jedoch viel mehr sein.
Im Folgenden werden ein paar Hintergrundinformationen mit Quellenangaben gegeben, die helfen, sich noch spezifischer zu informieren.
KMUs (hier Ingenieurbüros) sollen weniger als 500 MitarbeiterInnen haben. Mehr Informationen über kleinere und mittlere Unternehmen kann man der Broschüre: http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/files/sme_definition/sme_user_guide_de.pdf entnehmen. Fast alle deutschen Planungsbüros zählen zu den KMUs.
Die Bundesregierung hat verschiedene Programme zur Förderung von F&E in KMUs aufgelegt: http://www.foerderinfo.bund.de/de/165.php Das BMBF unterstützt mit der Förderinitiative KMU-innovativ intensiv forschende KMU durch permanente und themenoffene Bewerbungsmöglichkeiten in einer Reihe von Fachprogrammen der Forschungsförderung.
Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) ist das Basisprogramm des BMWi für die marktorientierte Technologieförderung des breiten Mittelstandes.
Mit dem Programm BMWi-Innovationsgutscheine (go-inno) sollen Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft einschließlich des Handwerks motiviert werden, externe Beratungsleistungen in Anspruch zu nehmen, um Innovationspotentiale auf zu zeigen und den effizienten Einsatz von Material und Rohstoffen zu verbessern.
Mit SIGNO-Unternehmen bündelt das BMWi verschiedene Maßnahmen zum Umgang mit gewerblichen Schutzrechten sowie zur wirtschaftlichen Nutzung von Patenten in KMU.
Weiterhin gibt es im BMVBS das Programm „Zukunft Bau“. In dem Programm werden einerseits Themen vorgegeben, andererseits können Antragsteller Themen vorschlagen.
Die europäischen Forschungsprogramme schreiben immer mehr die Beteiligung von KMUs vor. Über das deutsche Portal http://www.forschungsrahmenprogramm.de/ oder das EU-Portal http://ec.europa.eu/research/index.cfm?pg=who&cat=fp&lg=de kann man sich über Fördermöglichkeiten informieren.
Aber auch die Bundesländer haben Anlaufstellen zur F&E Förderung, z.B. Bayern Innovativ: http://bayern-innovativ.de/ Diese sind meistens beim Wirtschaftsministerium angesiedelt.
Weiterhin gibt es Bundesprogramme, die über so genannte Projektträger gemanagt werden. Bei Wikipedia finden wir: „Projektträger sind in Deutschland Einrichtungen (oder Abteilungen davon), die die Förderung von Projekten organisieren und verwalten. Ihre Auftraggeber sind hauptsächlich Ministerien, aber auch privatrechtliche oder öffentlich-rechtliche Stiftungen. Die Auftraggeber stellen neben den direkten Projektkosten den Projektträgern Mittel für deren Leistungen zur Verfügung. Diese Verwaltungskosten machen einen Bruchteil der Projektkosten aus; als Richtwert gelten fünf Prozent.
Ministerien können einem beauftragten Projektträger den Status eines beliehenen Unternehmers verleihen. Der Projektträger kann dann im Rahmen seines Auftrags hoheitliche Aufgaben wahrnehmen.
Größter Auftraggeber für die Projektträger ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Das BMBF hat neben dem eigentlichen Projektmanagement weitere Aufgaben, die im Zusammenhang mit seinen Förderprogrammen stehen, an seine Projektträger ausgelagert.
Einrichtungen, die Projektträgeraufgaben wahrnehmen, sind unter anderen:
Aber auch die verschiedenen Bundesämter schreiben immer wieder Studien aus, für die sich jeder bewerben kann. Die Ausschreibungen finden sich üblicherweise auf den Internetseiten der Ämter, z.B.: www.bescha.bund.de.
Wenn die nötige Erfahrung und Sachkunde vorhanden ist, dann kann sich jedes Unternehmen und jedes Planungsbüro auf ein ausgeschriebenes Projekt bewerben. Andererseits können Unternehmen sich auch mit Ideen an Förderinstitutionen wenden, um eine Förderung zu erhalten. Beratungen gibt es in allen Bundesländern (z.B. http://www.hausderforschung.bayern.de/) und an allen Hochschulen. Z.B. Bayerische Forschungsallianz www.bayfor.org/ u.a.
Die europäische Forschungsförderung ist sehr bürokratisch und zeitaufwändig. Ist man aber erfolgreich, dann hat man üblicherweise einen „großen Fisch“ geangelt. Üblicherweise bewirbt sich eine Gruppe von Antragstellern, die aus Unternehmen, Hochschulen, Instituten und Endanwendern besteht. Hier waren in den vergangenen Jahren sowohl deutsche Bauunternehmen als auch Planungsbüros erfolgreich. Die nationalen, staatlichen und Einzelprogramme sind weit weniger bürokratisch. So waren bei der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke“ (AiF) in der Vergangenheit auch Planungsbüros erfolgreich. Interessant ist auch das BMVBS Programm Forschungsinitiative Zukunft Bau: http://www.forschungsinitiative.de/.
Es hat sich als sinnvoll erwiesen, die F&E Projekte gemeinsam mit Partnern anzugehen, z.B. Planungsbüro-Hochschule, Planungsbüro-Institut, Planungsbüro-Bauunternehmen-Hochschule-Institut. Die Förderinstitutionen möchten meistens einen Nachweis über Erfahrungen in F&E, also über das methodische Vorgehen und über die Risikoeinschätzung. Da sind Kooperationen mit Hochschulen und Instituten häufig von Vorteil. Hier sollten Büros und Hochschulen aufeinander zugehen. Auch die bayerische Bauindustrie informiert ihre Mitgliedsunternehmen über F&E-Förderungen.
Bei den Ausschreibungen wird immer nach den Kriterien Kompetenz und Kosten entschieden, manchmal 50% zu 50%, manchmal 70% zu 30%. Es ist also immer gut, wenn bereits eine Forschungserfahrung vorhanden ist, zumindest einer im Team. In der Regel erhalten die Firmen eine Teilfinanzierung der Kosten. Dabei sind die Ressourcen zu nennen, die das Unternehmen selber einbringt. Die Hochschulen und Institute erhalten eine Vollfinanzierung. Deshalb ist es immer gut, einen Teil der Arbeiten durch Hochschulen und Institute machen zu lassen.
Der Vorteil für die Ingenieurbüros liegt vor allem darin, sich ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten, und dadurch im Wettbewerb Vorteile zu haben. Ganz abgesehen von der gewonnenen Erfahrung und dem Imagegewinn.
Auch die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist Anlaufstelle für an F&E interessierte Kammermitglieder. Hierfürwäre es gut zu wissen, welchen Bedarf es bei den Kammermitgliedern gibt und welche Mitgliedsbüros bereits Erfahrungen haben. Wer schon entsprechende Erfahrungen oder Ideen für ein Forschungsprojekt hat und Unterstützung benötigt, der oder die möge sich bei Frau Barbara Thoss (b.thoss@bayika.de) von der Geschäftsstelle melden, die die Anfragen dann an den Vorstand weiterleitet.
von Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Norbert Gebbeken, Bayerische Ingenieurekammer Bau, 2. Vizepräsident
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