Internationaler Architektenkongress auf Jersey: HOAI unverzichtbar

26.06.2003

Jersey/Düsseldorf (23.06.03) Laut Tilo Braune, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen „ist die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure ist für ein transparentes Vergabewesen unverzichtbar und muss deshalb erhalten werden.“ Dies unterstrich er auf Jersey auf dem internationalen Architektenkongress der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Mehr als 220 Planer, Politiker und Kulturschaffende konferierten vom 18. bis 22. Juni unter dem Leitspruch „Architektur und Politik – Europa gestalten!“ auf der britischen Kanalinsel über gegenwärtige Fragestellungen der Planungsbranche und die Aussichten nordrhein-westfälischer Architektinnen und Architekten in Europa.
Die Zukunft der HOAI stand im Zentrum der Beiträge. Staatssekretär Braune verdeutlichte einmal mehr, dass Bundesbauminister Manfred Stolpe in dieser Frage eine klare Gegenposition zu dem Vorhaben des Bundeswirtschaftsministeriums einnimmt, das über eine Aufhebung der gesetzlichen Verbindlichkeit der Preisverordnung nachdenkt. Auch der nordrhein-westfälische Bauminister Dr. Michael Vesper unterstrich, dass die Honorarordnung sich in der Praxis der öffentlichen Bauverwaltung bewährt habe. „Mit Blick auf die Harmonisierungsbestrebungen der Europäischen Union sollte die HOAI aber verschlankt und modernisiert werden“, riet der Minister den Architekten. Hartmut Miksch, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen erklärte in aller Deutlichkeit, dass die Honorarordnung eine bewährte Grundlage für ein faires Miteinander von Bauherren, öffentlicher Hand und Architekten sei. Die HOAI stelle im Interesse der Verbraucher und der Allgemeinheit sicher, dass nicht der Preis, sondern die Qualität der Architektenleistungen ausschlaggebend für eine Auftragserteilung sein soll. Er unterstützte aber auch die Forderung nach einer Novellierung der HOAI.
Eine weitere wesentliche Frage auf dem Kongress war, welchen Beitrag die nordrhein-westfälischen Architektinnen und Architekten zur baulichen Gestaltung Europas leisten können. Prof. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, rief die Architekten dazu auf, sich der „Herausforderung Europa“ aktiver zu stellen. Wenn gegenwärtig nur drei Prozent der deutschen Planer ihre Dienstleistungen ins Ausland exportierten, sei dies im Vergleich zu anderen Ländern viel zu wenig.
„ Deutsche Architekten verfügen im Ausland über ein hohes Ansehen. Sie können sich also mit gesundem Selbstbewusstsein dem Wettbewerb stellen“, meinte Walter. Staatssekretär Braune sagte zu, die Bundesregierung wolle sich verstärkt in der Exportförderung für die deutsche Architektenschaft einsetzen. So habe der Wirtschaftsminister die Dienstleistungen der Planungsbranche in seine Außenwirtschaftsoffensive einbezogen.
Der Philosoph Peter Sloterdijk rief dazu auf, die Verantwortung von Bauherren und Investoren für die zwangsläufig immer öffentliche Wirkung ihrer Werke stärker zu thematisieren. „Bauwerke haben einen immensen Einfluss auf die Menschen, ein Gebäude taucht einen Menschen in eine künstliche Welt – ob er will oder nicht“, mahnte Sloterdijk.
Zu den weiteren Referenten des hochkarätig besetzten Kongresses der Architektenkammer gehörten, Dr. Roger Willemsen (Publizist und Moderator), Dr. Theo Sommer (Editor-at-large der ZEIT), Hanno Rauterberg (ZEIT) sowie die Architekten Sir Nicolas Grimshaw (London), Erick van Egeraat (Rotterdam), Hadi Teherani (Hamburg), Hilde León (Berlin), Peter Behnisch (Stuttgart) und Alfred Berger (Wien).

 

 

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