Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat für 2011 eine weitere deutliche Kürzung der Programm-Mittel für die Städtebauförderung beschlossen.
München - 04.12.2010
Stadt- und Gemeindezentren sind die Visitenkarten unserer gebauten Umwelt. Der demografische aber auch der kulturelle gesellschaftliche Wandel erfordern neue Konzepte zur Stadtentwicklung.
Bayern hat hierzu das Modellvorhaben „Leben findet Innenstadt“ initiiert. Der enorme Erfolg verdeutlicht die Notwendigkeit der öffentlich-privaten Zusammenarbeit in großen wie in kleineren Orten als wirkungsvoller Ansatz, das Profil der Innenstädte zu schärfen und das Investitionsklima zu stärken.
Rund 140 Millionen Euro Fördermittel flossen allein 2010 in den Bayerischen Städtebau. Die Hälfte davon stemmte das Land Bayern. Der Bund investierte 51 Millionen Euro, was nach 2009 bereits eine Reduzierung um mehr als 10% bedeutete. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung plant für 2011 eine weitere deutliche Kürzung der Programm-Mittel für die Städtebauförderung. Auch die Mittel zum städtebaulichen Denkmalschutz sollen um 50 Prozent gekürzt werden.
Die anvisierte Kürzung wäre mehr als schmerzhaft für die Städte und Gemeinden. Gerade in Krisenzeiten sind Investitionen im Baubereich unverzichtbar, um strukturelle Probleme erfolgreich anzugehen, Wohnraum zu sichern und neu zur Verfügung zu stellen.
Eine derartige Kürzung der Städtebaufördermittel bedeute das Aus für die Projekte der Sozialen Stadt, die wichtiger denn je geworden sind. Zudem sichert die Städtebauförderung Beschäftigung, insbesondere für den Mittelstand und das lokale Handwerk. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung löst ein Euro an Städtebaufördermitteln weitere acht Euro öffentliche und private Investitionen aus. Gerade heute müssen Programme, die in diesem Umfang arbeitsintensive Investitionen nach sich ziehen, aufrechterhalten werden.
Welchen Part übernehmen hier die Bauingenieure, die bekanntermaßen in allen Bereichen des Planen und Bauens aktiv sind? Um nur einige anzusprechen: Ingenieure sind tätig als Verkehrsplaner, sie vermessen und kartieren. Geologie, Bauphysik, energieoptimiertes Planen und Bauen, Immobilienbewertung, Grundstückswertermittlung, Immobilenmanagement, Bodenordnung, Landentwicklung sowie die kommunale Infrastruktur sind wesentliche Berufsfelder, die abgedeckt werden.
Aber: Wo sind die Städteplaner, die Raumplaner unter den Bauingenieuren? Wo sind die Generalisten?
Die Innenstadtentwicklung wird den Einzelhandelsverbänden und den Eventmanagern überlassen. Kann das Ergebnis einer Innenstadtstudie eine schematisierte Darstellung der Kaufkraftströme sein? Sicher nicht. Architekten entwerfen Utopien urbaner Räume. Bei der Ideenumsetzung scheitert dies jedoch oft an der Machbarkeit, da die Ingenieure mit ihrem Fachwissen meistens zu spät eingeschaltet werden. Wo stecken die Ingenieure mit ihrem Sachverstand über Verkehrsströme, Energieoptimierungen und Detaillösungen?
In Stadtplanerliste eintragen
Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig in die Diskussion einzubringen. Tragen Sie sich in die Stadtplanerliste der Kammer ein. Die Voraussetzungen dazu finden Sie auf unseren Internetseiten. Somit können Sie von den Verantwortlichen als kompetenter Ansprechpartner gefunden werden.
Das Bundesministerium bezeichnet die Städtebauförderung als Erfolgsgeschichte, sie wird im nächsten Jahr 40 Jahre alt – höchste Zeit, sich ihrer wieder anzunehmen und die Stadtentwicklung, die im Zeichen der Festivalisierung steht, wieder zum Ursprung zurückzuführen.
Dipl.-Ing. Susanne Günther
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