Die bayerische Straßenbauverwaltung hat im Jahr 2010 den ersten Realisierungswettbewerb für ein Ingenieurbauwerk in Oberfranken ausgelobt. Nun stehen die Sieger fest.
Bayreuth - 13.01.2011
Gegenstand des Wettbewerbs war eine Talbrücke mit direkt vorgeschalteter Galerie über eine Bahnlinie. Der Siegerentwurf der Arbeitsgemeinschaft BPR Dr. Schäpertöns & Partner, München, SBR Schultz- Brauns & Reinhart Architekten, München und SRP, Schneider & Partner, Kronach sieht ein oben liegendes Tragwerk, bestehend aus 6 Pylonen mit je 10 Schrägkabeln und einem leichten Verbundquerschnitt mit torsionssteifen Stahlkasten als Brückenüberbau vor.
Das Staatliche Bauamt Bayreuth plant in räumlicher Nähe zur mittelalterlichen Plassenburg zu Kulmbach die Umfahrung der Ortschaften Kauerndorf und Untersteinach im Zuge der Bundes-straße 289. Die B 289 verläuft als eine der wichtigsten Hauptverkehrsstraßen in West-Ost-Richtung quer durch den Landkreis Kulmbach und weist in den beiden Ortschaften eine Verkehrsbelastung von 16.000 bis 19.000 Kfz/ 24 h auf. Die "B 289, OU Kulmbach/Ost - Untersteinach" ist im geltenden Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen als Projekt des "Vor-dringlichen Bedarfs" enthalten. Die neue Bundesstraße bewegt sich in einem durch die FFH- Richtlinie geschützten Naturraum, dessen Entwicklungs- und Erhaltungsziele nicht wesentlich beeinträchtigt werden dürfen. Deshalb bilden ein ca. 720 m langer Tunnel nördlich von Kauerndorf und eine rund 420 m langen Brücke über das Schorgasttal mit vorgeschalteter Galerie über die Bahnlinie "Bamberg- Hof" am westlichen Ortsrand von Untersteinach die zentralen Elemente der Planung.
In Anlehnung an ein Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), in dem den Auftragsverwaltungen der Länder die Durchführung von Realisierungs-wettbewerben für Ingenieurbauwerke in exponierter Lage nahe gelegt wird, hat das Staatliche Bauamt Bayreuth im Einvernehmen mit der Regierung von Oberfranken im März 2010 die Be-kanntmachung eines nichtoffenen Wettbewerbs nach § 3 (2) RPW veröffentlicht. Teilnahmeberechtigt waren Arbeitsgemeinschaften aus Bauingenieuren und Architekten. Die eingegangenen Bewerbungen sind anhand vorab festgelegter objektiver Kriterien geprüft und bewertet worden. Für die Teilnahme am Wettbewerb wurden schließlich 5 Bewerber ausgewählt und zugelassen. Die Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe fand in der Zeit zwischen 13. August und 22.Oktober 2010 (verbindlicher Abgabetermin) statt.
Der Auslober erwartete sich von den eingereichten Arbeiten gut gestaltete Bauwerke mit optimalen Lösungen von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit, Funktion, Konstruktion, Innovation und Bauverfahren.
Die Preisgerichtssitzung fand am 11. November 2010 in den Räumen der Regierung von Oberfranken statt. Neben den Fachpreisrichtern, bestehend aus Vertretern des BMVBS, der Obersten Baubehörde, der Ingenieur- und Architektenkammer und der Regierung von Oberfranken, wirkten 4 Vertreter der Kommunalpolitik als Sachpreisrichter an der Entscheidung des Preisgerichts mit. 3 Entwürfe wurden mit Preisen ausgezeichnet. Sie bildeten gleichzeitig die engere Wahl und zeichnen sich durch gelungene Lösungsansätze unter Berücksichtigung der für die Aufgabe definierten Randbedingungen aus.
Den Siegerentwurf wertete das Preisgericht als selbstbewussten Auftritt in der Schorgastaue, der mit einer insgesamt harmonischen Einfügung in den sensiblen Landschaftsraum eine Synthese bildet. Die Lösung der Unterbauten zeugt von großer Transparenz, die Lösung der Überbauten von Signifikanz. Insgesamt ist der Entwurf ein überzeugender Beitrag zur Baukultur und geprägt von Innovationswillen und gestalterischer Kraft.
Die weiteren Preise wurden an folgende Arbeiten vergeben:
Der 2. Preis geht an die Arbeitsgemeinschaft Ingenieurgemeinschaft Setzpfandt, Weimar und PPL Architektur und Stadtplanung, Hamburg:
Die Schorgasttalquerung wird als Balkenbrücke mit sieben Feldern mit einem zweistegigen Stahlverbundquerschnitt und V-förmigen Stützen ausgeführt.
Die südliche Galeriewand wird aufgelöst und durch zwei V-förmige Stützen ersetzt. Dadurch bietet sich dem Betrachter in gestalterischer Hinsicht von Süden ein Bauwerk über 10 Felder
Der 3. Preis geht an das Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner, Nürnberg:
Der Entwurf sieht für die Talbrücke eine Stahl- Beton-Verbundbauwiese mit einstegigem Stahl-Hohlkasten vor, der sich den unterschiedlichen Anforderungen an Höhe und Breite anpasst. Die Untersicht des Brückenüberbaus zeigt sich in Querrichtung waagrecht.
Die Galerie über die DB wird beidseitig geöffnet.
Bis Ende Januar 2011 waren alle 5 eingereichten Arbeiten im Landratsamt Kulmbach zu besichtigen. Im Anschluss daran werden die Entwürfe in der Gemeinde Untersteinach und bei der Regierung von Oberfranken ausgestellt.
Nach Abschluss des Wettbewerbes wird der Auslober nach § 24 VOF mit den 3 Preisträgern verhandeln und entsprechend den Auslobungsunterlagen einen der Preisträger mit der weiteren Planung beauftragen.
Autoren: Leitender Baudirektor Dipl.- Ing. Kurt Schnabel, Leiter des Staatlichen Bauamtes Bayreuth, Wilhelminenstr. 2, 95444 Bayreuth
Baudirektor Dipl.- Ing. Uwe Zeuschel, Referent für den Brücken- und Ingenieurbau bei der Regierung von Oberfranken, Ludwigstr. 20, 95444 Bayreuth
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