Olympische Spiele in Sotschi

Was wird aus den Bauten wenn die Wettbewerbe beendet sind?

 

Berlin   -  19.02.2014

Lieben wir nicht alle „malerische“ Ruinen, bestaunen mit leichtem Schauder, wenn die Natur sich des gescheiterten Menschenwerks wieder bemächtigt? Kürzlich in der Presse ein idyllisches, fast friedliches Bild: eine Betonrinne, vermoost, voller Grafitti, halb zugewuchert. Die Bobbahn von Sarajevo! Wo einst unsere High-Tech-Schlitten im gleißenden Scheinwerferlicht mit gefühlt Mach 2 die blau schimmernde Eisröhre hinabgerast sind und um Millionstel Sekunden gekämpft haben.

Ein paar Klicks fördern noch sentimentalere Bilder auf dem Bildschirm. Die einst so stolzen Sprungschanzen, verfallend, zerbröckelnd, von aufdringlichen Bäumen bedrängt. Das Podium für die Siegerehrungen angeschlagen, die Olympischen Ringe nicht mehr vollzählig: Halb Ozeanien ist abgefallen, Amerika fehlt ganz.

In zehn, zwanzig Jahren wird es solche Bilder wieder geben, von Sotschi, den teuersten aller Olympischen Spiele. Ich wette darauf den Seelenfrieden meiner Großmutter, vielleicht sogar meine Lieblingspfeife. Und ich werde gewinnen, denn nichts ist verlässlicher als der Größenwahn des Menschen. Früher hatte man auch Visionen, aber man hielt sich an den Rat des Weisen vom Dienst Helmut Schmidt und ging damit zum Arzt. Oder man beließ es bei Anregungen, Denkanstößen.

Heute gilt die Realisierung hypertropher Visionen als Königsdisziplin der Staatskunst. Aber auch das ist neu: hypertrophes Scheitern inbegriffen. Auch anfangs bejubelte Kriege gehen verloren. Schicksal. Und so sehen wir fatalistisch zu, wenn in steter Regelmäßigkeit über Baukostensteigerungen bei der Elbphilharmonie berichtet wird, als seien es Wasserstandsmeldungen einer unabänderlichen Sturmflut. Und ballen die Faust nur ganz leicht in der Tasche, wenn ein Regierender mit kumpelhaftem Grinsen vor die Mikrofone tritt und die nächste Terminverschiebung beim Flughafen BER verkündet.

Wir nehmen es gelassen, denn die Hitliste der Baudesaster internationalisiert sich in der globalen Informationsgesellschaft von selbst. Sotschi wird BER ablösen, dann kommt vielleicht Fosters schwimmender Flughafen in der Themsemündung. Und auf das Milliardengrab Fußball-WM in Katar wird eine WM auf dem siebten Kontinent folgen, der fehlt der FIFA noch in der Sammlung. Wer Stadien in der Wüste kühlen kann, sieht sicher auch kein Problem darin, ein Dutzend Arenen in der Antarktis zu heizen.

Eine sportliche Herausforderung wird das allemal, denn Sotschi stellt vermeintlich uneinholbare Rekorde auf.

Von 30 Milliarden Euro Gesamtkosten ist inzwischen die Rede, Chapeau! Allein die Straße von Sotchi hinauf zu den Pisten soll 6,4 Milliarden Euro gekostet haben! Dafür bauen wir ja einen ganzen Fughafen BER! Einschließlich 500% legaler Kostensteigerung! (heutiger Stand).

Ein Drittel des Budgets sei in dunklen Kanälen versickert, behauptet ein IOC-Mitglied. Dunkle Kanäle!? Sie sollen mal bei uns studieren, wie Kostensteigerungen sauber und völlig legal gemanagt werden.

Freilich können Hochtief, Siemens und Co. auch in Sotschi noch mächtig was lernen. Wenn die dortigen Kollegen für den Bau der Eisarenen 25-mal mehr als geplant herausholen, dann ist das eine wahrhaft olympische, ja weltrekordverdächtige Leistung, der es nun nachzueifern gilt. Doch halt, Weltrekord, der geht auch nach Sotschi. Die Sprungschanzen haben sage und schreibe mehr als das 36-fache gebracht als ursprünglich budgetiert.

Es ist wohl an der Zeit, dass das Olympische Komitee einige weitere Disziplinen einführt, für den sportlichen Wettstreit von Bauträgern, Baufirmen, Magnaten, Tycoonen und Oligarchen.

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(Quelle: Kolumne Falk Jaeger, momentum-Magazin)

 

 

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