Chancen für bayerische Ingenieurbüros in Australien

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau mit ihrem Regionalbeauftragten für Oberbayern Dipl.-Ing. Carsten Dingethal hatte vor kurzem einen Fachmann nach München eingeladen, um über Chancen und Möglichkeiten für bayerische Ingenieurbüros in Australien zu sprechen.

 

München   -  04.03.2010

Dipl.-Ing. Dieter Stumpf (Vorsitzender Arbeitskreis Kooperation und Außenwirtschaft, Referent Dipl.-Wirtsch.-Ing. Alexander Walke und Dipl.-Ing. Carsten Dingethal, Regionalbeauftragter der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau für Oberbayern (v.l.). Foto: Bayerische Ingenieurekammer-Bau / Alexander Hauk

Spricht man von Boomländern, denken die meisten wohl an Indien und China. Australien dagegen führt in der öffentlichen Wahrnehmung eher eine Art Schattendasein. Zu Unrecht: „Australien wächst rasant, jedes Jahr entstehen drei neue Städte“, sagt der in Australien lebende Diplom-Ingenieur Alexander Walke. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau mit ihrem Regionalbeauftragten für Oberbayern Dipl.-Ing. Carsten Dingethal hatte den Fachmann vor kurzem nach München eingeladen, um über Chancen und Möglichkeiten für bayerische Ingenieurbüros in Australien zu berichten. Rund 30 Bauingenieure, viele davon Vertreter großer Unternehmen, waren gekommen.

„Australien ist ein Land im Aufbruch“, so Walke. Ohne Unterbrechung werden neue Straßen, Bahnlinien und Häuser gebaut. Doch es fehlen viele Ingenieurbüros und Fachkräfte. Ein großes Thema ist dabei der Auf- und Ausbau der Infrastruktur  für die bisher 23 Millionen Einwohner: In dem großen Land ist die Ingenieurkunst sehr gefragt, doch viele Stellen sind laut Walke unbesetzt.

Große Chancen mit kleinen Strukturen

Walke sieht für bayerische Ingenieurbüros große Chancen für neue Geschäftskontakte und gut dotierte Aufträge und machte auch den klassischen bayerischen Ingenieurbüros mit ihren im internationalen Vergleich eher niedrigen Mitarbeiterzahl Hoffnung: „In Australien ist man erfolgreicher, wenn man klein ist“. Beratende Ingenieure haben gegenüber anderen Ingenieuren außerdem den Vorteil der Berufsanerkennung, was von den Vertragspartnern hochangesehen wird.

Die Struktur der bayerischen Ingenieurbüros unterscheidet sich grundsätzlich von der Struktur englischer, französischer und amerikanischer Mitbewerber. „Dort existieren Planer-Aktiengesellschaften mit bis zu 10.000 Mitarbeitern, während sich die klassischen Ingenieurbüros hierzulande mit ihrem hochentwickeltem Spezialwissen zusammen schließen müssen, um komplexe Großprojekte entwerfen zu können“, so Dipl.-Ing. Dieter Stumpf, Vorsitzender des Arbeitskreises Kooperation und Außenwirtschaft der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Kooperationen zwischen gleichberechtigten Partnern unterschiedlichster Größe und verschiedenster Fachkompetenzen und ein offener Umgang dieser Partner führten genauso zum Ziel: „Unsere Erfahrung zeigt, es dauert seine Zeit und man braucht einen langem Atem.“ Ein intensives Networking, viele Kontakte und viele interessierte Kollegen seien wichtig.

Kooperationen helfen, Fuß in Australien zu fassen

Die guten Chancen für bayerische Ingenieurbüros bestätigt auf Nachfrage auch die Außenhandelskammer Australien: „Deutsche Unternehmen wie Hochtief und Bilfinger Berger sind erheblich und sehr erfolgreich in Australien engagiert“, sagt Dipl.-Wirtsch.-Ing. Markus Gilbert, Geschäftsführer der AHK Australien. Sehr gute Chancen gebe es sowohl im Infrastrukturausbau, bei großen Energieprojekten als auch im Bergbau.

Nicht nur die Bundesregierung, auch Australien hat milliardenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt. Zwar gebe es viele große öffentliche Ausschreibungen, aber: „Die Teilnahme ist sehr aufwändig, so dass sich meist nur wenige große Unternehmen darauf einlassen mitzubieten“, sagte Gilbert. Das sei eine Chance und Notwendigkeit für Unternehmenskooperationen, um „die kritische Masse zusammen zu bringen.“

Nach einer UN-Studie ist Australien nach Norwegen das Land mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Die Kriterien für die Bewertung waren jedoch nicht etwa die schönen Strände, sondern ein langes und gesundes Leben, Zugang zu Wissen und ein angenehmer Lebensstandard. Wenn es darum geht, möglichst unbürokratisch ein Geschäft zu eröffnen, liegt Australien laut der Worldbank (Coing Business Report 2009) ebenfalls mit ganz vorne, nämlich auf dem dritten Platz. Als Startkapital benötige man lediglich rund 200 Australische Dollar und einen Internetzugang. Wer Mitglied einer Ingenieurkammer sei, habe es wesentlich einfacher, ein Visum zu erhalten. Gleichzeitig warnte Walke aber auch die Zuhörer: „Wenn etwas schief läuft haftet man als Unternehmer in Australien mit seinem gesamten Privatvermögen.“ Zwar ist in der Regel die Haftung auf das Stammkapital begrenzt, im speziellen Beratungsgeschäft von Bauingenieuren liegen aber hohe private Haftungsrisiken.

Eine weitere Besonderheit Australiens ist dessen Größe, die von ausländischen Unternehmern häufig unterschätzt wird. Zum Vergleich legte Walke die Umrisse Australiens über eine Karte von Europa: Die gesamte Europäische Union hat in dem rund 7,7 Millionen Quadratkilometer großen Land Platz. Ein Großteil der westlichen und zentralen Landesteils ist unbewohnt. Die Weite Australiens fordert von den Bauingenieuren vor Ort oft extreme Reisezeiten und Beschäftigungen an entlegenen Orten. Deshalb zählt Australien auch zu den Ländern mit dem dichtesten Flugnetz.

Die Empfehlung von Dipl.-Ing. Alexander Walke und Dipl.-Ing. Dieter Stumpf war dann auch Kooperationen mit örtlichen Unternehmen einzugehen. Bei Fragen bot sich Walke gerne als Informant für Ingenieurbüros an. Auch die Außenhandelskammer Australien steht gerne für Auskünfte zur Verfügung.

 

Weitere Informationen:

Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Arbeitskreis Kooperation und Außenwirtschaft
Dipl.-Ing. Dieter Stumpf
Nymphenburger Str. 5
80335 München
Tel.: 089 419434-0

German – Australien Chamber of Industry and Commerce
Geschäftsführer Markus Gilbert
Level 10, 39-41 York Street
Sydney
NSW 2000 Australia
Markus.gilbert@germany.org.au

AUST.renewables
Managing Director
Alexander Walke
2 Chifley Square
Sydney NSW 2000 Australia
awalke@austrenewables.com

 

 

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