29.04.2003
Essen (29.04.03) Die Hochtief Construction AG hat ein neues Vertragsmanagement entwickelt, das mit dem „Krieg auf der Baustelle“ Schluss machen soll. Unter dem Namen "Pre Fair" ist es bundesweit in der Testphase.
Der Vorsitzende der Hochtief Construction AG Friedel Abel hat bei vielen Projekten selbst erlebt, was in der Branche zum festen Bestandteil geworden ist: Investor und Auftragnehmer versuchen mit allen möglichen Tricks, sich gegenseitig über den Tisch zu ziehen. "Als ich vor einigen Jahren zu unserem Unternehmen kam, beschäftigten wir vier Anwälte. Inzwischen sind es 38", macht Abel diese absurde Situation an den bitteren Erfahrungen seines eigenen Unternehmens deutlich. Die Folgen sind hinlänglich bekannt: Der Auftraggeber versucht, so viel Mängelrügen wie möglich zu sammeln, um am Ende einen Preisnachlass zu erzwingen. Der Bauunternehmer beschafft sich möglichst viele Änderungsaufträge, die das Projekt verteuern. Mit diesem ständigen Kleinkrieg werden die Baukosten überzogen, Baumängel vorprogrammiert und Terminverzögerungen geradezu organisiert. Leidtragende sind beide Seiten, die dieses Problem aber auch nur gemeinsam lösen können.
Die Grundzüge des neuen Systems erläutert Bernhard Bürklin, Vorstandsmitglied der Hochtief Construction AG: "Der erste Grundgedanke des neuen Konzepts besteht darin, dass wir schon in der Preconstruction-Phase mit dem Investor zusammenarbeiten, also schon bei der Planung des Projekts. Damit können wir vor der eigentlichen Auftragsvergabe unsere Erfahrungen einbringen und Risikofaktoren identifizieren." In dieser Phase, so der erfahrene Bauingenieur, können noch 90 Prozent der Kosten beeinflusst werden. Ist die Planung erst einmal abgeschlossen und der Bauauftrag erteilt, ist das nur noch bei zehn Prozent der Kosten möglich.
Nach Abschluss der Planungsphase könnte der Investor den Auftrag ausschreiben oder erteilt ihn direkt an den Bauunternehmer erteilt. "Der Auftragnehmer kennt jetzt bereits alle Risiken und kann nicht mehr mit Änderungsforderungen kommen. Er konnte seine Technik frühzeitig bereitstellen oder Kooperationspartner suchen. Nach unseren Erfahrungen wird damit die Bauzeit um mehrere Monate verkürzt", erklärt Bürkert.
Nach dem Hochtief-Modell können die Kunden zwischen verschiedenen Vertragsarten wählen. Neben dem traditionellen Pauschalvertrag können die Investoren auch einen Maximalpreisvertrag oder einen Budgetvertrag vereinbaren. Werden die geplanten Kosten unterschritten, teilen sich Investor und Bauunternehmer die Einsparungen.
Der Vorstands-Chef der Hochtief Construction AG ist von den Vorzügen dieses neuen Konzepts fest überzeugt: "Unsere Tochter in den USA wickelt bereits mehr als 75 Prozent aller Aufträge nach dem PreFair Modell ab". Er sieht jedoch auch die Grenzen, die diesem Konzept in Deutschland noch gesetzt sind: "Bei Aufträgen der öffentlichen Hand ist das Modell kaum anwendbar, da hier das Ausschreibungsverfahren zwingend vorgeschrieben ist."
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