Gefährdungspotenziale

Tagung zeigte Gefährdungspotenziale im Bauwerksbestand auf

 

München   -  12.11.2009

„Der Schein trügt“ – ein Sprichwort, das für manche Situation des Lebens und nicht selten auch für den Zustand von Bauwerken zutrifft: Was optisch proper daherkommt, muss deshalb längst nicht sicher sein. Gefährdungspotenziale im Bauwerksbestand zeigte ein Seminar auf, das Ende Oktober in München stattfand. Der Bayerische Gemeindetag, der Bayerische Städtetag, der Verband Beratender Ingenieure (VBI) – Landesverband Bayern und die Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik e.V. (VPI) – Landesgruppe Bayern hatten eingeladen, um gemeinsam mit der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern auf konstruktions- und materialabhängige Problematiken bei der Bauwerksuntersuchung hinzuweisen und Lösungswege aufzuzeigen. Rund 150 Teilnehmer, vornehmlich Vertreter der Kommunen, waren der Einladung ins Münchner Literaturhaus gefolgt.

In zwei Vortragsblöcken gingen die Referenten auf die zahlreichen Aspekte der Bauwerksprüfung ein. Sie zeigten sowohl die Eigenheiten unterschiedlicher Konstruktionsarten als auch die rechtlichen Grundlagen sowie die organisatorischen Konsequenzen auf, die sich insbesondere nach dem Einsturz der Eislaufhalle in Bad Reichenhall ergeben haben.

Die Besonderheiten des Stahlbaus stellte Dr.-Ing. Robert Hertle vor. Hier bedürfen insbesondere die Schweißverbindungen sowie die Maßnahmen des Korrosionsschutzes der erhöhten Aufmerksamkeit bei Bauwerksuntersuchungen. Feuchtigkeit ist auch eines der Hauptprobleme im Holzbau, wie Dipl.-Ing. Markus Bernhard erläuterte. Die Knotenpunkte einzelner Konstruktionen sind daher die für die Bauwerksuntersuchung besonders relevanten Bereiche. Zusätzlich muss auf mögliche Rissbildungen und auf den Zustand der Verleimungen geachtet werden. Anders stellt sich, darauf wies Dr.-Ing. Andre Müller hin, die Kontrolle massiver Konstruktionen dar, da die Tragelemente oft nicht sichtbar sind. Zu überprüfen ist daher unter anderem, ob diese, beispielsweise durch nachträgliche Veränderungen, Installationen oder Durchbrüche, beschädigt oder zerstört wurden.

In jedem Fall muss bei der Bauwerksprüfung, da waren sich die Experten einig, „handnah“ untersucht werden. Eine bloße Inaugenscheinnahme reicht nicht aus, um den Zustand eines Bauwerks korrekt beurteilen zu können. Wichtig ist außerdem, dass die untersuchenden Personen nachweislich über die entsprechenden Qualifikationen und über die notwendige Erfahrung verfügen, um fundierte Aussagen treffen zu können. Einheitlich forderten die Referenten, die Ergebnisse der Untersuchung in einem Bauwerks- oder Tragwerksbuch festzuhalten und diese Dokumentation permanent fortzuschreiben.

Nach einer kurzen Kaffeepause erläuterte Dr.-Ing. Wolfgang Schubert von der Obersten Baubehörde (OBB) die Rechte und Pflichten der Eigentümer und Verfügungsberechtigten von Bauwerken: Sie allein tragen die Verantwortung für einen sicheren Zustand ihres Bauwerks. Nach dem Halleneinsturz in Bad Reichenhall hatte ein Expertenkreis unter der Leitung der OBB eine Empfehlung zur regelmäßigen Bauwerksuntersuchung erarbeitet. Diese wurde mittlerweile in weiten Zügen bundesweit übernommen und dient allen Beteiligten als wichtige Hilfestellung bei der Organisation und Durchführung von Bauwerksuntersuchungen im Hochbau.

Die Maßnahmen, die Stadt München ergriffen hat, um ihre weit gespannten Bauwerke zu untersuchen und um künftig insbesondere die auftretenden Schneelasten zu überwachen, erläuterte Eva Meisner vom Baureferat. Die Landeshauptstadt konnte hier auf bereits seit 15 Jahren regelmäßig erstellte Zustandsberichte aufbauen. Angelehnt an die DIN 1076 werden nun für jedes Bauwerk Tragwerksbücher erstellt und fortgeschrieben. Zudem findet ein Schneelast-Monitoring statt.

Was ist zu tun, um die Sicherheit insbesondere weit gespannter Bauwerke künftig weiter zu erhöhen? Dr.-Ing. Robert Schmiedmayer forderte als Fazit der Veranstaltung abschließend: Regelmäßige Überprüfungen durch qualifizierte Ingenieure, Material- und Bauwerks-gerecht durchgeführt und in Bauwerksbüchern dokumentiert – diese Maßnahmen seien geeignet, so Schmiedmayer, um das Risiko von Unglücksfällen wie dem in Bad Reichenhall deutlich zu minimieren. Grundvoraussetzung hierfür sei jedoch, dass sich die Eigentümer und Verfügungsberechtigten ihrer Verantwortung für die Sicherheit bewusst seien und geeignete Experten mit der Bauwerksuntersuchung beauftragen.

Die Vorträge werden am 1. Dezember in Nürnberg wiederholt.

Weitere Informationen und Anmeldung

(Quelle: Verband Beratender Ingenieure Landesverband Bayern)

 

 

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