Neubau des jüdischen Zentrums in München ist nach wie vor ein Besuchermagnet

Besichtigung durch VBI Landesverband Bayern am 11. Juni 2010: Architekten, Ingenieure und Bauherren bringen gemeinsam neues Leben ins Herz der Stadt

 

München   -  08.07.2010

Synagoge OhelJakob.jpgDie Zielsetzung war ambitioniert, als mit den Planungen für das neue jüdische Zentrum in München begonnen wurde. Geschaffen werden sollte eine neue Heimat für die rund 10.000 Gemeindemitglieder. Eine kaum genutzte, städtebaulich nicht klar definierte Brachfläche in der Innenstadt sollte mit neuem Leben erfüllt werden. Und außerdem sollte ein offener Platz im Herzen Münchens entstehen. Gelungen ist dies alles – und die „Erfolgsgeschichte“ des jüdischen Zentrums am Jakobsplatz in München dauert an. Denn das Interesse an den Bauten, aber auch am den religiösen und kulturellen Aspekten des jüdischen Gemeindelebens in München, ist ungebrochen. 

Synagoge Offman, Wandel-Hoef, StepanWeit mehr als 160.000 Besucher waren seit der Eröffnung im Jahr 2006 zu Gast, um Synagoge, Gemeindezentrum und jüdisches Museum zu besichtigen und sich mit den Bauten, aber auch mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde im München vertraut zu machen. Bereits zum zweiten Mal organisierte der VBI Landesverband Bayern ein Treffen im jüdischen Zentrum. 100 Gäste waren am 11. Juni gekommen, um den Ausführungen der Architektin Dr. Rena Wandel-Hoefer (m.), Saarbrücken, und dem VBI Kollegen Dr.-Ing. Kurt Stepan (r.), München, zu folgen. Anschließend erläuterte der Vizepräsident der jüdischen Gemeinde, Marian Offman (l.), in der Hauptsynagoge verschiedene religiöse und kulturelle Aspekte des jüdischen Lebens in München.

20 Jahre bis zum Neubau

Rund 20 Jahre lang hatte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, für einen neuen Standort des jüdischen Zentrums in der Innenstadt gekämpft. Ziel war es, als Gemeinde wieder sichtbar zu werden und im öffentlichen Raum, nicht wie bislang eher im Verborgenen, zu agieren. Dies ist mit den drei Solitärbauten, die aus einem städtebaulichen und einem im Anschluss erfolgten Architektenwettbewerb sowie einem Wettbewerb für die Tragwerksplanung hervorgegangen sind, perfekt gelungen. Dr. Rena Wandel-Hoefer und Dr.-Ing. Kurt Stepan schilderten in ihrem gemeinsamen Vortrag, wie sie die ersten Entwurfsideen gemeinsam weiter entwickelt und die Aufgabenstellungen im Team gelöst haben.

Anforderungen an die Bauherren

Und die Anforderungen der Bauherren waren nicht gering. Heute beherbergt das jüdische Zentrum, dessen Grundstein am 9. November 2003 gelegt und das 2006 fertiggestellt wurde, neben der Hauptsynagoge sowie einer Tagessynagoge im Untergeschoss und dem Museum mehrere Veranstaltungssäle, eine interkonfessionelle Ganztagesgrundschule mit 160 Schülerinnen und Schülern, einen interkonfessionellen Kindergarten, eine Turnhalle, einen gastronomischen Bereich, mehrere Wohnungen sowie Räume für Rabbinat und Verwaltung. Rund ein Drittel des Raumvolumens fand im Untergeschoss Platz, was ermöglichte, den Jakobsplatz selbst durchgängig als öffentlichen Raum zu gestalten.

Tragwerksplanung

Synagoge innenDas prägende Bauwerk des Ensembles ist die Hauptsynagoge. Ihr liegen als Entwurfsidee sowohl das „Zelt“ als auch der „Tempel“ zugrunde, die modern interpretiert wurden. Zunächst war geplant, auf dem massiven Sockel aus Travertin von der Schwäbischen Alb – bei allen Baustoffen wurde darauf geachtet, dass sie aus der näheren Umgebung stammen – ein außenliegendes Stabtragwerk mit innenliegender Glasfassade zu errichten, schilderte Dr. Wandel-Hoefer.


„Ohne mich“, sei die Reaktion von Dr.-Ing. Kurt Stepan gewesen. Er schlug als Alternative ein innenliegendes Tragsystem aus Blechen vor. „Wir haben das zunächst nicht durchgerechnet – es war ein Bauchgefühl, dass das klappt“, so der Ingenieur. In zahlreichen Modellen wurden anschließend die Gestaltung des Tragwerks und damit letztlich auch dessen optische und räumliche Wirkung gemeinsam von Architekten und Ingenieuren weiter entwickelt.

Enge Zusammenarbeit

Ohnehin war der gesamte Planungs- und Bauprozess des jüdischen Zentrums geprägt von einer engen Zusammenarbeit zwischen Bauherren, Architekten und Ingenieuren. So wurde erreicht, dass für die Entwurfsideen die jeweils besten konstruktiven Lösungen realisiert werden konnten. Dies zeigt sich beispielsweise auch beim großen Saal im jüdischen Zentrum, dessen quadratische Grundform zunächst einen Gitterrost als Tragwerk als sinnvoll erscheinen ließ. Letztlich wurde jedoch eine andere Konstruktion realisiert, die zahlreiche Vorteile hinsichtlich der Fassadengestaltung und der Installation der notwendigen Gebäudetechnik mit sich brachte.

Synagoge Gert Karner DankDer Vorsitzende des VBI Landesverbandes Bayern, Gert Karner (2.v.l.), dankte Dr. Wandel-Hoefer und Dr.-Ing. Stepan für ihren gemeinsamen, informativen Vortrag. „Man sieht hier sehr deutlich: Planung ist ein dynamischer Prozess. Und der Erfolg dieser Bauten ist einer Symbiose der Ideen von Bauherren, Architekten, Tragwerksplanern und Fachplanern zu verdanken“, so Karner.


Marian Offman, der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, führte die rund 100 Gäste anschließend durch den unterirdischen „Gang der Erinnerung“, in dem die Namen der während des Holocausts ermordeten Münchner Juden sowie die Namen der Konzentrationslager dokumentiert sind, in die Hauptsynagoge „Ohel Jakob“. Dort erläuterte er die Grundlagen des jüdischen Glaubens und gab Einblicke in den Ablauf eines jüdischen Gottesdienstes und in das jüdische Gemeindeleben.

Gemeinsames Zusammenleben und Interesse füreinander

Er sei sehr fasziniert und begeistert, so Offman, wie selbstverständlich das jüdische Leben mittlerweile wieder in München akzeptiert und von den Gemeindemitgliedern gelebt werde und wie groß das Interesse der gesamten Bevölkerung sei: „Es gibt kein Touristenbus, der nicht hier am Jakobsplatz hält.“ Und die Münchner hätten „ihre“ Synagoge und den gesamten Jakobsplatz ins Herz geschlossen. Was vielleicht auch an den zehn Schriftzeichen auf den großen Eingangsportalen der Synagoge liegt. Sie symbolisieren als die ersten zehn Buchstaben des Alefbets, des hebräischen Alphabets, die zehn Gebote. Und die, so Offman, sind sowohl im Judentum als auch im Christentum und im Islam wichtiger und gemeinsamer Kern des jeweiligen Glaubens.

Quelle: VBI Landesverband Bayern / Gert Karner


 

 

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