Ob man den Standort in den oberbayerischen Bergen nun gut findet oder nicht. In einem waren sich die Teilnehmer der Exkursion einig: Die umstrittene Alpspix auf dem Osterfelderkopf am Fuße der Alpspitze ist eine Sehenswürdigkeit, deren Besuch sich lohnt.
Garmisch-Partenkirchen - 08.10.2010
Der Regionalbeauftragte der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau für Oberbayern Dipl.-Ing.Univ. Christian Zehetner und die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hatten am 8. Oktober 2010 zu einer Exkursion der Aussichtsplattform bei Garmisch-Partenkirchen eingeladen, der rund 50 Mitglieder folgten.
Die Prüfstatik zu diesem rund 350.000 Euro teuren Bauwerk hatte das Büro Dr. Schütz Ingenieure geliefert. Prof. Dr.-Ing.habil. Karl Schütz und Dipl.-Ing.(FH) Bärbel Hainz berichteten ausführlich über den Bau und erklärten den Teilnehmern die Statik der Stahlkonstruktion. Zwei insgesamt 24 Meter lange, freischwingende Stahlarme ragen rund 13 Meter ins Nichts und ermöglichen so ein Naturerlebnis der besonderen Art. Die beiden spiegelsymmetrischen Stege sind x-förmig angelegt und fest im Fels verankert. Der Boden besteht aus einem Gitterrost, durch den man hunderte von Metern in die Tiefe blicken kann. Als Abschluss und zur Absturzsicherung dienen Glasscheiben, die auch eine Panoramasicht ermöglichen.
Bei der Konstruktion handele es sich um ein sehr einfaches System, so Prof. Schütz. Die Aussichtsplattform bestehe aus einem Trägerrost mit angeschlossenen Querträgern. Das Geländer ist nicht mittragend. Weil die Plattform extremen Natureinwirkungen ausgesetzt ist, wurde sie auf Basis der österreichischen Norm 1991-1-1 errichtet, die eine höhere Anforderung als die vergleichbare DIN 1055-3 stellt.
Vier-Augen-Prinzip
Wie wichtig das Vier-Augen-Prinzip und regelmäßige Kontrollen sind, zeigte laut Schütz eine Panne während der Bauphase. Wo eigentlich zwei Zuganker hätten sein sollen, war nur einer angebracht worden. Und wo einer gereicht hätte, waren zwei. Das Problem wurde mit einer höheren Vorspannung behoben.
In seinem Vortrag ging Schütz auch auf das Verformungsverhalten der Plattform ein. Eine Schwingungsmessung hatte 2 Schwingungen pro Sekunde ergeben. Dabei schlägt die Plattform bis zu acht Zentimetern nach oben und unten aus. Auch wenn das Schwingungsverhalten überraschend groß sei, bestehe dennoch Tragsicherheit, versicherte Schulz.
Allerdings passe eine Aufsicht nun darauf auf, dass keine Gruppe im Takt auf der Plattform zu hüpfen beginnen. Damit soll eine Ermüdung des Materials vermieden werden. Um das Problem zu beheben, sollen im kommenden Jahr außerdem für rund 10.000 Euro Schwingungstilger aus Hartgummi unter der Konstruktion angebracht werden. Im Anschluss an ihren Vortrag beantworteten Schütz und Hainz die Fragen der Teilnehmer.
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