Qualität von Landeseinflüssen abhängig

Wie zählt man Qualität von Architektur? In Ostafrika und anderswo? Diesen Fragen widmete sich Prof. Roland Dieterle in einem spannenden Vortrag in der Obersten Baubehörde in München.

 

München   -  01.12.2010

Prof. Roland Dieterle bei seinem Vortrag. Foto: Alexander Hauk / Bayerische Ingenieurekammer-BauIm Rahmen der Veranstaltungsreihe „Qualität zählt“ präsentierte er anhand von Beispielen seine Definitionen von qualitätvoller Architektur. Als Voraussetzungen nannte Dieterle unter anderem einen Mehrwert für die Gesellschaft und Nachhaltigkeit. Letztlich sei Qualität aber nichts Absolutes, sondern von vielen Faktoren abhängig, die - je nach Standort - unterschiedlich gewichtet werden müssten.

Deutsche Qualität ist international gefragt, aber die spektakulären Bauten werden eher in Dubai, Abu Dhabi oder Singapur errichtet, statt in Deutschland. Die Chance an derartigen Projekten mitzuwirken bekommen deutsche Architekten und Planer laut Dieterle nur, wenn sie auch das Bedürfnis nach sogenannten „Signature Buildings“ ernst nehmen. Als Beispiel stellte er ein Projekt in Ruanda vor, eines von vielen Ländern, die ihre Entwicklung mit ehrgeizigen Vorzeige- und Schrittmacherprojekten anschieben wollen.

Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken, Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau hielt ein Grußwort. Foto: Alexander Hauk / Bayerische Ingenieurekammer-BauDieterle ist Geschäftsführer von Spacial Solutions mit Sitz in München. Seine Erfahrung sammelte er in verschiedenen namhaften Büros und durch leitende internationale Tätigkeit für Siemens, bevor er das Unternehmen in München gründete. Spacial Solutions ist unter anderem beim Bau des Kigali Convention Complex beteiligt. Dabei handelt es sich um ein Veranstaltungsgebäude, für bis zu 4.000 Personen. Auch Hotelgebäude in unmittelbarer Nähe zählen zum Komplex.

„Do it the African Way“ lautet dabei das Motto. Das bedeutet in der Umsetzung: Die Form des Veranstaltungsgebäudes entspricht einem Dom mit einem Durchmesser von 60 Metern, der dem Aussehen örtlicher traditioneller Häuser nachempfunden ist. Wenn auch deutlich größer: „Die Reichstagskuppel würde darin vier Mal reinpassen“, so Dieterle. Auch die Farben des Gebäudes und die Fassade lehnen sich an traditionelle Bauweisen an. Die Vorschläge des Architekturbüros seien auf breite Resonanz und Akzeptanz gestoßen, so Dieterle: „Dabei ist Qualität nichts Absolutes, sie manifestiert sich erst im Unterschied, den die Arbeit bewirkt. Mit anderen Worten: Qualität muss in der Landeswährung „gezählt“ werden.“

Ministerialdirektor Josef Poxleitner begrüßte die Gäste. Foto: Alexander Hauk /  Bayerische Ingenieurekammer-BauDas Bauen in Afrika sei äußerst aufwändig: Viele Materialen, wie etwa Stahlträger müssen vom Ausland zum Bauort transportiert werden. Auch gebe es vielerorts keine funktionierende Baugesetzgebung. Die Ideen und Konzepte in  die Realität umzusetzen mit Partnern aus verschiedenen Kulturkreisen und in einem Umfeld mit schwach ausgeprägter Infrastruktur und begrenzten Ressourcen, ist für alle Beteiligten ein Lernprozess, der Flexibilität wie Beharrlichkeit erfordert, so das Fazit Dieterles.

 

 

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