So viele Gäste wie noch nie konnte die Bayerische Ingenieurekammer-Bau anlässlich des 19. Bayerischen Ingenieuretages begrüßen.
München - 21.01.2011

So viele Gäste wie noch nie konnte die Bayerische Ingenieurekammer-Bau anlässlich des 19. Bayerischen Ingenieuretages begrüßen. Mehr als 800 Bau- und Vermessungsingenieure sowie Gäste aus dem In- und Ausland waren am Freitag, den 21. Januar 2011 in die Neue Messe München gekommen. Als Hauptredner konnte die Kammer Kardinal Dr. Reinhard Marx gewinnen. Der Erzbischof von München und Freising hielt eine viel beachtete Rede zum Thema „Herausforderung Verantwortung“. Das Fachwissen erweiterte Prof. Dr.-Ing. Oliver Fischer von der TU München mit seinem Vortrag „Innovationen im Konstruktiven Ingenieurbau“. Ein Grußwort und das Impulsreferat hielt Ministerialdirektor Michael Höhenberger vom Umweltministerium.
Das
Thema des Ingenieuretages war „Ganzheitliches Planen und Bauen:
Innovation – Kooperation – Realisation“. Die Mitglieder der Bayerischen
Ingenieurekammer-Bau stünden für qualitätsbewusstes, nachhaltiges und
innovatives Planen und Bauen, sagte Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter in
seiner Begrüßung: „Wir tragen Verantwortung für die Sicherheit von
Bauwerken, die Zuverlässigkeit und Nutzbarkeit unserer Infrastruktur und
den schonenden Umgang mit unseren Ressourcen.“ Die Impulse für den
Fortschritt müssen von Ingenieuren kommen, machte Schroeter deutlich:
„Wir sind die Spezialisten, wenn es um die ökonomische und ökologische
Optimierung von Planungs- und Bauprozessen geht. (Foto: Eero Winkler)
Für ganzheitliches Planen und Bauen sind laut Schroeter Innovationen die Grundlage. Die Verwirklichung neuer Konzepte und Lösungen sei Kerngeschäft der Ingenieure. Im Bauwesen führen Innovationen zu kostengünstigeren Lösungen, zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, zu kürzeren Bauzeiten und zu leichteren und schlankeren Konstruktionen.
Da
die Volumen der Bauprojekte in den vergangenen Jahren immer größer
geworden sind, forderte Schroeter die Ingenieure verstärkt zu
Kooperationen auf. „Viele unserer Mitgliedsunternehmen können sich um
lukrative Aufträge nicht bewerben, weil sei schlicht zu klein sind.“
Schroeter forderte die Ingenieure auf, schlagkräftige Teams zu bilden
und ihre speziellen Kompetenzen deutlich heraus zu stellen. Beim Aufbau
von Netzwerken, Kooperationen sowie der Fort- und Weiterbildung könnten
die Ingenieure auf die Unterstützung der Kammer zählen.
An die anwesenden Politiker appellierte Schroeter: „Wir brauchen eine stärkere Förderung des Erhalts und Ausbaus der Infrastruktur.“ Nur durch kontinuierlichen Unterhalt und Erhaltungsmaßnahmen könnten die um ein Vielfaches teureren Totalsanierungen vermieden werden. Das gemeinsame Ziel von Politik und Wirtschaft muss sein, den Sanierungsstau zu beseitigen und geschaffenes Vermögen zu erhalten.
Als Vertreter des aus Termingründen verhinderten Staatsministers Dr. Markus Söder hielt Ministerialdirektor Michael Höhenberger vom
Umweltministerium ein Impulsreferat. Die gute Partnerschaft zwischen
Umweltministerium und den bayerischen Ingenieuren sei für einen
erfolgreichen Umweltschutz in Bayern notwendig, so Höhenberger:
„Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht auf Fortschritt oder Wohlstand.
Aber sie mahnt uns, für einen verantwortbaren Fortschritt und einen
verantwortlichen Wohlstand einzutreten.“ Die bayerischen Ingenieure
spielen dabei laut Höhenberger eine immens wichtige Rolle: „Mit ihrer
Arbeit und ihren Ideen sind sie kreative Gestalter.“ (Foto: STMUG)
Als „Träger des Fortschritts“ bezeichnete er die Ingenieure: „Ihre Gebäude, Straßen, Brücken, Industrieanlagen, Hochwasserdeiche oder Talsperren beeinflussen unmittelbar die Qualität unserer Umwelt, aber auch das Lebensumfeld vieler Menschen.“ Höhenberger machte deutlich: Die technischen Innovationen von Ingenieuren helfen Energie zu sparen oder das Trinkwasser und die Luft rein zu halten. Der Ministerialdirektor warnte vor dem Klimawandel. Zwar sei hierzulande die mittlere Jahrestemperatur nur um 1 Grad gestiegen, dennoch nähmen Starkniederschläge, Hitzewellen und Stürme an Häufigkeit zu und würden extremer. In nur sieben Jahre habe Bayern gleich drei so genannte Jahrhunderthochwässer erlebt.
Die Bayerische Staatsregierung sieht nach Angaben von Höhenberger beim Energiesparen große Potenziale im Gebäudebereich und beim Städtebau. Er verwies auf das Klimaprogramm 2020, das allein 150 Millionen Euro für die energetische Sanierung staatlicher Gebäude vorsieht. Höhenberger kritisierte, dass im Freistaat täglich 16,4 Hektar freie Natur und Landschaft zugebaut werden und rief die Ingenieure dazu auf, ihren Anteil am Flächensparen beizutragen. Zum Schluss seiner Rede warb er für Olympische Winterspiele in München: „2018 haben Sie die Chance, mit kühnen ökologischen Ideen Geschichte zu schreiben.“
Darf man alles machen, was technologisch und ökonomisch möglich ist? Unter anderem dieser Frage ging Kardinal Dr. Reinhard Marx in seiner Rede zum Thema „Herausforderung Verantwortung“ nach. Macht könne in unserer Gesellschaft nie ohne Verantwortung akzeptiert werden, mahnte der Erzbischof und warnte vor einem andauernden Casino-Kapitalismus. Marx ging in seiner Rede mit dem Finanzmarkt und der Politik hart ins Gericht. Nach der Finanzkrise habe die Politik für keine guten Anreize zu verantwortungsvollem Handeln gesorgt. „Wir können uns nicht erlauben, dass zehn Prozent eines Jahrgangs praktisch bildungsarm sind“, so Marx weiter. Das sei weder zukunftsfähig, noch nachhaltig, sondern ungerecht.
Die Gesellschaft benötige eine intergenerationelle Gerechtigkeit, forderte er: „Chancen für alle.“ In vielen Bereichen des Lebens brauche die Gesellschaft eine Neuorientierung und dies entspreche eben auch mehr Verantwortung den Schwachen gegenüber. (Foto: Dieter Schmitt / gnu free documentation license)
Einen Überblick über Innovationen im Konstruktiven Ingenieurbau gab anschließend Prof. Dr.-Ing. Oliver Fischer,
Ordinarius am Lehrstuhl für Bauwesen an der TU München und
Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Er stellte
zahlreiche aktuelle Projekte und Bauvorhaben vor und berichtete über
deren Besonderheiten. Dabei sprach er zum Beispiel über Bauwerke, die in
Mischbauweise oder mit externer Vorspannung errichtet wurden. Fischer
stellte auch moderne Schwingungsdämpfer für Gebäude vor, die in
Erdbebengebieten zum Einsatz kommen. (Foto: privat)
Hochfeste
Betone, Leichtbetone, Faserbetone, spezielles Glas: In den vergangenen
Jahren ist die Auswahl an Baustoffen laufend gestiegen. Moderne
Computerprogramme ermöglichen komplizierteste Berechnungen. Dadurch sind
heute Bauwerke möglich, die vor gar nicht allzu langer Zeit noch als
nicht verwirklichbar galten. Dennoch gibt es noch Grenzen, wie Fischer
informierte. Bis Menschen den Mond besiedeln können, wird noch viel Zeit
vergehen. Zu unwirtlich sind die Lebens- aber auch Baubedingungen auf
dem Erdtrabanten.
Als zentrale
Herausforderungen für Ingenieure nannte Fischer nachhaltiges,
ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen und die Optimierung
und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Außerdem müsse die Versorgung
mit Energie und Wasser sichergestellt werden. Einen weiteren
Tätigkeitsschwerpunkt sah er in der Bewertung, dem Erhalt und der
Ertüchtigung des Bauwerksbestands. Bei all diesen Punkten sei die
Innovationskraft der Ingenieure gefordert. Die Verantwortung ist groß.
„Manche Bauwerke, wie die Pyramiden, überdauern bereits mehrere tausend
Jahre“, so Fischer.
Passend zum Thema stellte er den Ideenwettbewerb zum Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien vor. Ausrichter ist die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, die von der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern und vom Bayerischen Umweltministerium unterstützt wird. Mit dem Wettbewerb sollen Denkanstöße gegeben werden. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau: alt.bayika.de/ideenwettbewerb
In seinem Schlusswort fasste Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken
noch einmal kurz die Reden der Referenten zusammen. „Wir haben heute
eine Veranstaltung der Rekorde erlebt“, so der 2. Vizepräsident der
Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Den Vormittag fasste er mit den
Begriffen: Sicherheit, Zuverlässigkeit und Schonung der Ressourcen
zusammen. Mit Blick auf die vielen freien Stellen bei den Ingenieurbüros
und Unternehmen warb er auch noch einmal für den Beruf des Ingenieurs
im Bauwesen. (Foto: privat)
Die Veranstaltung wurde musikalisch von der Bigband Weihenstephan unter der Leitung von Karl Muskini umrahmt. Im Anschluss an den Ingenieuretag nutzten die Besucher bei einem Imbiss die Möglichkeit zum Dialog mit Referenten und Kollegen. Anschließend waren die Gäste herzlich eingeladen, kostenfrei die Messe BAU 2011 und den Messestand der Kammer zu besuchen.
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| Bigband Weihenstephan unter der Leitung von Karl Muskini | Dr.-Ing.
Werner Weigl, Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Dr. -Ing. Heinrich Schroeter,
Kardinal Dr. Reinhard Marx, Prof. Dr.-Ing.e.h. Karl Kling, Prof.
Dr.-Ing. Oliver Fischer (v.l.) |
Aussteller beim 19. Bayerischen Ingenieuretag![]() |
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