26.04.2005 München
Nach Ansicht der Ingenieurekammer-Bau investiert die öffentliche Hand zu wenig in den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur.
Weil dringend benötigte Investitionen in die Infrastruktur ausbleiben, ist die Lage der im Bauwesen tätigen Ingenieure in Bayern weiterhin dramatisch schlecht. Mehr als die Hälfte der Ingenieurbüros beklagt eine deutliche Abnahme der Aufträge in den vergangenen 12 Monaten. Dies hat die Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau ergeben. "Vielen Ingenieurbüros steht das Wasser bis zum Hals, weil die öffentliche Hand nicht in Erhalt und Ausbau der Infrastruktur investiert", beklagte Kammerpräsidentin Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl. "Der Zustand vieler Straßen und Schienenwege, Bauwerke und Abwasserkanäle verschlechtert sich zusehends und nimmt teils bedrohliche Ausmaße an", so Aschl weiter.
Die Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage, die die Bayerische Ingenieurekammer-Bau von Mitte März bis Mitte April unter Ihren Mitgliedern durchgeführt hat, sprechen eine deutliche Sprache. Bei mehr als der Hälfte der Ingenieurbüros sind in den vergangenen zwölf Monaten Aufträge, Umsätze und Erträge gesunken, bei rund zehn Prozent sogar sehr stark. Gleichwohl sehen einige Ingenieure verhalten optimistisch in die Zukunft. 22 Prozent erwarten, dass das Auftragsvolumen in den kommenden sechs Monaten steigen wird. Sicherlich nicht ausschlaggebend hierfür sind die Einnahmen aus der LKW-Maut, die bislang höher ausgefallen sind als zunächst prognostiziert. Denn Aufträge öffentlicher Auftraggeber erwarten die Ingeniere in Bayern in den kommenden sechs Monaten nicht: Knapp 30 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Ansicht, dass die öffentlichen Investitionen weiter sinken werden.
Die schlechte Auftragslage hat unmittelbare Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten in den bayerischen Ingenieurbüros. Zwar konnten rund 60 Prozent ihren Personalstand halten, aber knapp ein Drittel war in den vergangenen zwölf Monaten gezwungen, die Zahl der Mitarbeiter teils deutlich zu reduzieren. Dies hat dazu geführt, dass die Ingenieurbüros in Bayern jetzt noch kleinteiliger als bisher strukturiert sind: 24,5 Prozent der Ingenieure beschäftigen überhaupt keinen Mitarbeiter mehr, bei 40 Prozent liegt die Zahl der Angestellten zwischen einem und fünf. Für die Position der bayerischen Ingenieure im zunehmend härter werdenden internationalen Wettbewerb ist diese Entwicklung verheerend.
Etwas verbessert zu haben scheint sich indes die Zahlungsmoral der öffentlichen Auftraggeber. 23,6 Prozent bezeichnen diese als gut bis sehr gut – wobei sich immer noch 25,7 Prozent der Ingenieure über eine schlechte und 9,8 Prozent sogar über eine sehr schlechte Zahlungsmoral beklagen.
„Eine Trendwende im Bauwesen“, so die Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, „ist nur zu schaffen, wenn Bund, Länder und Kommunen endlich ihrer Pflicht nachkommen, für den Erhalt und den bedarfsgerechten Ausbau von Infrastruktur und Bauwerken ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zustellen.“
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist das Selbstverwaltungsorgan der im Bauwesen tätigen Ingenieure in Bayern. Mitglieder sind 5.200 freiberuflich tätige, angestellte, beamtete oder gewerblich tätige Ingenieure.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vertritt die beruflichen Belange ihrer Mitglieder gegenüber Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit.
Bayerische
Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de