Bayerischer Denkmalpflegepreis 2010: Interview mit Dipl.-Ing. Herbert Luy

Der Startschuss für die Teilnahme am Bayerischen Denkmalpflegepreis ist gefallen. Dabei handelt es sich um einen deutschlandweit einmaligen Wettbewerb. Im Gegensatz zu ähnlichen Denkmalpflegepreisen stehen bei diesem die „inneren Werte“ eines Gebäudes, damit gemeint sind das Tragwerk und die Technische Gebäudeausrüstung (TGA), im Fokus der Bewertung. Wir haben mit Diplom-Ingenieur Herbert Luy, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, gesprochen.

 

22.09.2009  -  München

Welche Idee steckt hinter dem Bayerischen Denkmalpflegepreis?
Unser Arbeitskreis „Denkmalpflege und Bauen im Bestand“ hat erkannt, dass auch die Konstruktion und die Ausstattung eines Gebäudes denkmalwürdig sein können. Damit tragen die Ingenieure beim Erhalt von Denkmälern eine große Verantwortung. Es geht darum, die ursprüngliche Konstruktion in ihrer Funktionalität und Qualität zu erkennen und zu erhalten.

Seit wann existiert dieser Ansatz?
Historisch betrachtet hat die Denkmalpflege ihre Wurzeln in der Restaurierung. Die Ansicht, dass auch Tragkonstruktionen denkmalwürdig sind, hat erst spät Eingang in die Denkmalpflege gefunden, etwa ab den 1970er Jahren.

Wie sah Denkmalpflege in diesem Bereich zuvor aus?
Früher wurden historische tragende Teile einfach durch moderne ersetzt. So wurde zum Beispiel in München das im Zweiten Weltkrieg ausgebombte Finanzministerium kurz nach dem Krieg mit neuen Materialien, Bauteilen und Betondecken wieder aufgebaut. Bei diesem Anblick würde heute nicht nur jedem Denkmalpfleger das Herz bluten.

Warum ist es überhaupt wichtig historische Tragwerke zu erhalten?
Es nutzt wenig, wenn nur die Oberflächen restauriert, aber die Tragwerke vernachlässigt werden. Tragwerke sind Teil der Baugeschichte. Auch sie haben eine historische Entwicklung durchlaufen. So haben zum Beispiel Schweißkonstruktionen, die heute auch maschinell vorgefertigt werden können, die einst gebräuchlichen Nietenkonstruktionen verdrängt.

Welches Ziel verfolgt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau  mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis?
Wir wollen auf die Arbeit der Ingenieure bei der Denkmalpflege aufmerksam machen. Gleichzeitig sollen Bauherren für ihr Engagement belohnt werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Bauherren noch nicht wissen, dass sie mit einer Lösung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten mitunter sogar viel Geld sparen können.

Gibt es dafür ein Beispiel?
Ja, die Evangelische Pfarrkirche St. Ulrich in Augsburg, die bei der Preisverleihung 2008 Gold in der Kategorie Öffentliche Bauwerke gewonnen hat. Durch das Einfügen eines einzelnen Stabes in den labilen Dachstuhl des Kirchendaches konnte eine standsichere Fachwerkkonstruktion erreicht werden. Eine sehr einfache Lösung, die aber von großer Kreativität und Sachverstand zeugt. Denn die auf den ersten Blick naheliegendere, aber auch deutlich teurere Alternative wäre eine Stahlrahmenkonstruktion gewesen. Die Jury war von dieser einfachen, aber genialen Lösung begeistert.

Mit welchen Herausforderungen hat der Bauingenieur zu tun?
Um die Tragwerkkonstruktion erkennen zu können, wird eine geeignete Voruntersuchung benötigt, die in Schritten so tief geführt wird, bis die Erkenntnis der Tragfunktion offenkundig ist. Das ist Voraussetzung für die Planungen von Restaurierungen und neuen Nutzungen.

Welche Wettbewerbsbeiträge haben die besten Chancen?
Viele Punkte bei der Jury kann sammeln, wer bei der Statik mit spektakulären innovativen Tragwerkslösungen und technischen Ausrüstungen überzeugt.

Mit wie vielen Beiträgen rechnen Sie?
Wir hoffen auf mindestens so viele wie beim vergangenen Wettbewerb im Jahr 2008, also mehr als 100 Einreichungen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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