Resolution der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zu den aktuellen Studentenprotesten

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau unterstützt die protestierenden Studenten. Auf der 5. Sitzung der V. Vertreterversammlung stimmte eine große Mehrheit der Mitglieder in München für eine Resolution.

 

30.11.2009  -  München

Die Resolution im Wortlaut:

„Die aktuellen Studentenproteste belegen eindrucksvoll die seit Jahren von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau geübte Kritik an der Umsetzung des Bologna-Prozesses. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau  nimmt dies zum Anlass, die Politik dazu aufzufordern, den Hochschulen die nötige Freiheit einzuräumen und die erforderlichen Ressourcen bereit zu stellen, um anstehende Reformen der Studiengänge im Dialog zwischen beruflichem Umfeld, der Wissenschaft und den Studierenden unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Anspruchs auszugestalten.

Die  Ingenieurekammer identifiziert sich mit dem im Bologna-Prozess verfolgten Ziel der internationalen Vergleichbarkeit und fordert insbesondere:

• Den Studierenden muss die Chance gegeben werden, einen Abschluss zu erreichen, der mindestens dem Qualifikationsniveau des früheren Diplom-Ingenieurs entspricht. Es muss ein freier Zugang zu den Masterstudiengängen ermöglicht werden.
• Die Verschulung muss zugunsten des eigenverantwortlichen Studierens wieder zurück geführt werden.
• Die Vermittlung breiter naturwissenschaftlicher Grundlagen muss beibehalten werden.
• Die Prüfungsdichte muss reduziert werden.
• Der akademische Grad Diplom-Ingenieur muss aufgrund seiner hohen internationalen Reputation erhalten bleiben.

Die Kammer wird die Gestaltung des Bologna-Prozesses weiterhin aktiv begleiten.“


Zur Resolution sagte Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau: „Die Einführung von gestuften Bachelor- und Masterabschlüssen hat zu Paukstudiengängen geführt, in denen Lehrstoff eingetrichtert und in zahlreichen Klausuren schlicht nur reproduziert wird.“ Das Lernen der Studieninhalte habe sich dadurch grundlegend verändert: „Wegen der zahlreichen Prüfungen lernen viele Studenten nur mehr prüfungsorientiert, nicht mehr erkenntnisorientiert. Die Hochschulen seien zu Lernfabriken mutiert, in denen „Just-in-Time“-verwertbares Wissen eingepaukt werde.

Die Konsequenzen für die Universitäts- und Hochschulabgänger sind mitunter negativ: „Der Bachelor an den bisherigen Fachhochulen liegt unterhalb des Wertes eines Diploms“, so Schroeter. Leider werde die Masse der Studierenden durch ein Kurzstudium geschleust, während der Übergang zu Master-Abschluss nur einem kleinen Teil offen stünde, kritisierte er.

Wer aber beim Bachelor bleibt, wird in Berufen, bei denen es auf Zeugnisse ankommt, in niedrigeren Gehaltsklasen stecken bleiben. Schroeter empfiehlt deshalb allen Studenten den Master-Abschluss zu machen: „Nicht mehr der Bachelor, sondern der Master muss der Regelabschluss des universitären Studiums sein.“ Der deutsche Bachelor ramponiere zudem eher den guten Ruf des Titels Diplom-Ingenieur. „Deshalb werden wir auch für eine Beibehaltung des traditionellen deutschen Studienabschlusses Dipl.-Ing., der weltweit anerkannt und ein Aushängeschild nachweisbarer Exzellenz ist, einsetzen“, so Schroeter.

 

 

zurück zur Übersicht

Bayerische
Ingenieurekammer-Bau

Körperschaft des öffentlichen Rechts

Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de

Planer- und Ingenieursuche
Partner Mittelstandspakt Bayern

Partner Klima-Allianz Bayern