Unsere Infrastruktur ist vielerorts in einem sehr schlechten Zustand. Insbesondere der Zustand der Kanalisation gibt häufig Anlass zur Sorge. Während beispielsweise Schlaglöcher in den Straßen ein für jedermann sicht- und spürbares Ärgernis sind, ist es leichter, die unter der Erde verborgene Kanalisation zu „übersehen“. Der Druck, hier in Sanierungs-maßnahmen zu investieren, ist daher weniger groß. Dabei wäre es von großer Wichtigkeit, zu handeln und Sorge dafür zu tragen, dass dieser zentrale Aspekt der Infrastruktur nicht verkommt. Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, unterstützt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau die jüngst gegründete Initiative „Impulse pro Kanalbau“.
04.04.2012 - München
Die Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) schätzt den Wert der öffentlichen Kanalisation in Deutschland auf 687 Mrd. Euro. Aber der Zustand des Netzes zur Abwasser-entsorgung in Deutschland ist ausgesprochen Besorgnis erregend. Es werden jährlich gerade mal 1,41 Mrd. Euro in die Kanalisation investiert. Das ist nicht einmal ein Fünftel dessen, was nötig wäre, um den Wert der Kanalisation für 100 Jahre zu erhalten. Die fatale Folge: das Kanalnetz verrottet. Jährlich versickern bis zu zehn Prozent des anfallenden Abwassers ins umgebende Erdreich und verschmutzen das Grundwasser. Durch die bestehenden Investitionsdefizite ticken in unserer Erde ökonomische und ökologische Zeitbomben.
Dabei ist die Abwasserbeseitigung eine Pflichtaufgabe der öffentlichen Hand. Der Schutz des Menschen und der Natur als soziale Aufgabe wird unmissverständlich im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) geregelt. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, ist ein nachhaltiges Vorgehen unerlässlich. Beim Erhalt und Ausbau der Kanalisation muss der gesamte Lebenszyklus von der Planung über die Herstellung und Nutzung bis zur Entsorgung betrachtet werden.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau und ihre Mitglieder stehen für ein qualitätsbewusstes, nachhaltiges, sicheres und verantwortungsvolles Planen und Bauen. Sie tragen Verantwortung für die Zuverlässigkeit und Nutzbarkeit unserer Infrastruktur, die Sicherheit von Bauwerken und den schonenden Umgang mit unseren Ressourcen. „Die Infrastruktur regelmäßig zu warten und zu sanieren, spart langfristig gesehen wesentlich mehr Geld, als wenn erst nach langem Zaudern Maßnahmen ergriffen werden“, sagt Dr.-Ing. Werner Weigl, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. „In Zukunft müssen wir bereits in der Planung die messtechnischen Voraussetzungen schaffen, um durch Leistungs- und Verbrauchskontrollen Kosten und Umweltwirkungen in der Nutzungsphase der Kanalnetze zu senken“, so Dr.-Ing. Weigl weiter.
„Wir brauchen eine deutlich höhere Priorität beim Erhalt und bei der Sanierung von Infrastruktureinrichtungen, gerade auch im kommunalen Bereich“, ergänzt der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dr.-Ing. Heinrich Schroeter. „Die in absehbarer Zeit auslaufende Förderung im Bereich der Abwasserentsorgung muss auf den Bereich des Unterhalts und der Sanierung der Kanäle und Kläranlagen ausgeweitet werden. Für den Aufbau, Erhalt und Betrieb unserer Bausubstanz brauchen wir eine deutliche Aufstockung von Mitteln zur Investitionsförderung!“
Unter http://impulse-pro-kanalbau.de/app/download/5783038067/Forderungskatalog.pdf sind die Forderungen der Initiative „Impulse pro Kanalbau“ im Überblick zusammengestellt.
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