Ideenwettbewerb: Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien
Brückenbau und Umweltschutz: Bayerische Ingenieurekammer-Bau zeichnet ganzheitlichen Brückenentwurf aus
München
- 09.06.2011

Die
Sieger des mit 35.000 Euro dotierten Ideenwettbewerbs „Entwurf einer
Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien“ stehen fest:
Der
1. Preis mit 17.500 Euro geht an die Karlsruher Ingenieurgruppe Bauen.
Mit dem 2. Preis und 11.500 Euro zeichnete das Preisgericht die SSF
Ingenieure AG (München) aus. Den 3. Preis und 6.000 Euro Preisgeld
gewann das Ingenieurbüro Grassl GmbH (München).
Der Ideenwettbewerb wurde von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau mit
Unterstützung der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium
des Innern ausgelobt. Ziel des offenen Wettbewerbes war es unter
anderem, Anregungen für die zukünftige Entwicklung der
Planungsgrundsätze im Brückenbau zu geben und ganzheitliche
Wertungskriterien bei der Beurteilung von Planungsvarianten mit
einzubeziehen.
Preisverleihung

Die Sieger des mit 35.000 Euro dotierten Ideenwettbewerbs „Entwurf einer
Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien“ wurden bei der
Preisverleihung am 09.06.2011 im Rahmen der Bayerischen Klimawoche 2011
bekannt gegeben.
Die Preisverleihung fand am 9. Juni 2011 im Rahmen der Bayerischen Klimawoche statt. In Vertretung des
Bayerischen Umweltministers Dr. Markus Söder hat
Ministerialdirektor Michael Höhenberger die Preisträger gemeinsam mit dem Präsidenten der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau,
Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, ausgezeichnet.
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Broschüre: Preisträger (PDF)►
Fotos Preisverleihung►
Bilder Beiträge PreisträgerAusstellung der Wettbewerbsbeiträge
Die Wettbewerbsbeiträge werden vom
15. bis 29. Juni 2011 in der Obersten Baubehörde, 4. Stock, Franz-Josef-Strauß-Ring 4, 80539 München ausgestellt.
(Öffnungszeiten: Mo. - Fr. 8:00 bis 18:00 Uhr
Außerdem
werden die Ergebnisse im Rahmen des diesjährigen 15. Münchener
Massivbau-Seminars am 11. Oktober 2011 an der Technischen Universität
München (TUM) präsentiert und ausgestellt.
1. Preis: Ingenieurgruppe Bauen (Karlsruhe)

Grafik: Ingenieurgruppe Bauen

Der
Siegerbeitrag der Ingenieurgruppe Bauen überzeugt mit einem schlanken
Brückenentwurf in Spannbetonbauweise und besticht durch seine
transparente Wirkung im Vorlandbereich und die Betonung der Flussquerung
durch einen ästhetischen, wohlproportionierten Bogen. Das
semi-integrale lagerlose Tragwerk zeichnet sich insbesondere auch in der
technischen Qualität durch gute und durchdachte konstruktive Lösungen
sowie durch seine Wartungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit aus.
Begründung
Dem
Beitrag gelingt es in hervorragender Weise, den mit der Auslobung
verbundenen ganzheitlichen Ansatz einer Entwurfsaufgabe plausibel
aufzuzeigen. So kann der Entwurf einer schlanken Spannbetonkonstruktion
sowohl bei den ökologischen als auch den ökonomischen Kriterien
überzeugen. Mit einem ästhetisch gelungenen Bogen wird die Flussquerung
betont und mit schlanken Stützen eine transparente Wirkung im
Vorlandbereich erreicht.
Die als semi-integrales Tragwerk
konzipierte Brückenkonstruktion zeichnet sich besonders durch wohl
durchdachte konstruktive Lösungen mit minimiertem Wartungs- und
Instandhaltungsaufwand aus und besticht außerdem durch eine
Detailausarbeitung auf einem hohen technischen Niveau.
Die
innovativen Ansätze des Wettbewerbsbeitrags reichen von schlanken
Fertigteilstützen über die Minimierung der Verschiebewege bei den
Übergangskonstruktionen und Kappen aus hochfestem Beton bis hin zur
Verwendung von recycelten Materialien.
Projektbeteiligte
- Ingenieurgruppe Bauen, Karlsruhe
- GJL Architekten BDA, Karlsruhe
2. Preis: SSF Ingenieure AG (München)

Der
mit dem 2. Preis ausgezeichnete Beitrag sieht einen
Verbundplattenbalken mit luftdicht verschweißten Hohlkästen aus WT-Stahl
vor, der lediglich über Uferpfeilern des Flussfeldes eine leichte
Voutung aufweist.
Vorgefertigte Stahllängsträger und
Betonfertigteile als Querträger bilden einen Trägerrost, auf den
Fertigteil-Deckenelemente aufgelegt und dann zur Fahrbahnplatte
ausbetoniert werden.
Bild: SSF Ingenieure AG
Begründung
Der
Wettbewerbsbeitrag schlägt als Überbauquerschnitt einen
Verbundplattenbalken mit luftdicht verschweißten Hohlkästen aus WT-Stahl
vor, der lediglich über Uferpfeilern des Flussfeldes eine leichte
Voutung aufweist. Basierend auf dem statischen Konzept eines
Durchlaufträgers, erfolgt seine Lagerung konventionell auf insgesamt
sieben Pfeilerpaaren pro Fahrrichtung, die als Rundstützen aus Beton
ausgebildet sind.

Neben
dem Einsatz von wetterfestem Baustahl, der offenen Rinne für die
Längsentwässerung und einer Fingerübergangskonstruktion mit Klemmrinne
und großem Quergefälle als Neuerungen, zeichnet sich der Beitrag vor
allem durch die Entwicklung eines Baukastensystems aus, dessen
Realisierung keine oder nur minimale Risiken für die lokale Umwelt
erwarten lässt. Vorgefertigte Stahllängsträger und Betonfertigteile als
Querträger bilden einen Trägerrost, auf den Fertigteil-Deckenelemente
aufgelegt und dann zur Fahrbahnplatte ausbetoniert werden.
Bild: SSF Ingenieure AG

Die
Vorzüge dieser bewusst schlicht anmutenden Lösung liegen
dementsprechend in einer guten ökologischen und ökonomischen Qualität
(kurze Bauzeit, geringe Flächeninanspruchnahme für die Erschließung der
Baustelle, geringe Herstellkosten, einfache Demontage mit
Recyclingmöglichkeit.
Projektbeteiligte:
- SSF Ingenieure AG, München
- Hugger und Rampp Architekten, München
- Schaller UmweltConsult GbR, München
- Baugeologisches Büro Bauer GmbH, München
3. Preis: Ingenieurbüro Grassl GmbH (München)

Der
3. Preis für das Ingenieurbüro Grassl GmbH nutzt durch die Konstruktion
des Überbaus als Stahlverbundträger über dem Flussfeld und als
Spannbeton-Plattenbalken im Vorlandbereich die Vorteile beider
Bauweisen.
Begründung
Die Wettbewerbsarbeit überzeugt mit
einem ausgewogenen Gesamtkonzept. Die Konstruktion des Überbaus als
Stahl-verbundträger über dem Flussfeld und als Spannbeton-Plattenbalken
im Vorlandbereich der Isar nutzt die Vorteile
beider Bauweisen.
Bild: Ingenieurbüro Grassl

Die
Arbeit erreicht bei den Bewertungskriterien ökonomische Qualität und
ökologische Qualität gute Werte. Bezüglich der Gestaltung und der
Einbindung in die Landschaft wird der Entwurf der örtlichen Situation
gerecht. Die Betonung des Flussfelds durch ein Sprengwerk verleiht dem
Bauwerk eine gewisse Spannung.
Projektbeteiligte
- Ingenieurbüro Grassl GmbH, München
- Dr. H. M. Schober, Gesellschaft für Landschaftsarchitektur mbH, Freising
Jury lobt die Bandbreite der Beiträge

„Die
Beiträge decken sowohl hinsichtlich der verwendeten Werkstoffe als auch
im Hinblick auf das statische System der Tragwerke eine sehr große
Bandbreite ab. Die ausgearbeiteten Lösungen und aufgezeigten
vielfältigen innovativen Ansätze zeigen, dass sich die Teilnehmer
intensiv mit dem ganzheitlichen Ansatz auseinandergesetzt haben“, sagte
der Vorsitzende der Jury, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Oliver Fischer.
Der
Ideenwettbewerb lieferte allen Beteiligten wertvolle Anregungen und
neue Erkenntnisse. Diese sollen unter anderem in die aktuelle
Entwicklung eines ganzheitlichen Bewertungsverfahrens für
Ingenieurbauwerke der Verkehrsinfrastruktur einfließen, das auch bei
Realisierungswettbewerben eingesetzt werden könne, so Fischer weiter.
Die
eingereichten Wettbewerbsbeiträge wurden auf Basis einer speziell für
diesen Zweck entwickelten Bewertungsmatrix nach folgenden vier
Hauptkriterien bewertet:
- Ökonomische Qualität
- Ökologische Qualität
- Soziokulturelle Qualität
- Konstruktive Qualität
Dabei
wurde ausdrücklich der gesamte Lebenszyklus des Bauwerkes betrachtet
und auch externe ökonomische und ökologische Effekte berücksichtigt, wie
zum Beispiel volkswirtschaftliche Kosten oder Emissionen durch
baubedingte Verkehrsbehinderungen.
Auslober und Unterstützer des Wettbewerbes
Ausgelobt wurde der Wettbewerb von der
Bayerischen Ingenieurekammer-Bau mit Unterstützung durch die
Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern.
Der
Wettbewerb wird wissenschaftlich begleitet vom
Lehrstuhl für Massivbau der TU München, mit finanzieller Unterstützung durch das
Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. Die
LGA Landesgewerbeanstalt Bayern unterstützt den Wettbewerb mit einem Anteil
am Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.
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