21.06.2002 München
Bad Kissingen (21.06.02) - Die bayerischen technischen Dienstleister haben die konjunkturelle Talsohle nicht durchschritten." Dies betonte gestern Prof. Dipl.-Ing. Karl Kling, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, anlässlich der Regionalkonferenz der unterfränkischen Ingenieure im Bauwesen.
Der Abwärtstrend bei den Umsätzen der rund 840 bayerischen Ingenieurunternehmen im Bauwesen setze sich ungebremst fort: 44 % der Ingenieurunternehmen hätten 2001 gegenüber dem Vorjahr Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, bei 41 % stagnierten die Umsätze und lediglich 15 % hätten Umsatzsteigerungen erzielen können.
Die seit Jahren angespannte wirtschaftliche Situation der Branche habe die Bilanzen nicht weniger Ingenieurbüros ins Defizit getrieben und die Erwartungen nachhaltig eingetrübt, erklärte Kling weiter. Nach Erhebungen der Kammer glauben nur 14 % der Ingenieure an eine Ertragssteigerung im laufenden Jahr, 41 % hoffen auf eine gleichbleibende Entwicklung und fast jedes zweite Unternehmen (45 %) fürchtet sinkende Erträge. Bei dieser Stimmungslage könnten die bayerischen Planer kaum positive Impulse an den Arbeitsmarkt aussenden, warnte Kling. Nur 11 % würden Neueinstellungen planen.
Fairplay und gegenseitiges Verständnis seien insbesondere im regionalem Umfeld wichtig, da vier von fünf der Unternehmen überwiegend dort tätig seien: "Wenn die Kassen der unterfränkischen Kommunen leer bleiben, kommt die Bau- und Planungswirtschaft in Unterfranken nicht in Fahrt. Wichtige Infrastruktur-Investitionen sind aber erforderlich. Denn was jetzt nicht geplant wird, kann in ein paar Jahren nicht gebaut werden", so Kling.
"Unser Gemeinwesen droht sich kaputt zu sparen, wenn notwendige Erhaltungs- und Sanierungsinvestitionen nicht getätigt werden. Wir fordern die Entscheidungsträger auf, falsche Rahmenbedingungen zu korrigieren, neue Finanzierungsformen zu überprüfen und die technischen Dienstleister in der Region Unterfranken, aber auch in Bayern und am Wirtschaftsstandort Deutschland generell zu stärken."
Kling rief die kommunalen Auftraggeber auf, die Situation durch die konsequente Beachtung der gesetzlich normierten Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) und der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) zu entschärfen. Wer Qualität plane und Verbraucherschutz garantiere, so Kling, habe auch einen Anspruch auf eine faire Entlohnung.
Allen berechtigten Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung des Berufsstandes zum Trotz, keime aber auch Hoffnung, erklärte Kling. So sei bei vielen Ingenieurunternehmen ein deutlicher Trend zur Ausweitung des Auslandsgeschäfts zu erkennen, den die Kammer mit der im Rahmen der High Tech-Offensive von der Bayerischen Staatsregierung geförderten Exportberatung durch die Clearingstelle für internationale Dienstleistungskooperation unterstützen würde. Zudem seien die unterfränkischen Ingenieure aufgerufen, an dem jüngst von der Bayerischen Staatsregierung bei der Weltbank eingerichteten Consultant Trust Fund teilzuhaben. Es gelte, so Kling, "flexibel zu reagieren und die sich im nationalen und internationalen Geschäft bietenden Chancen beim Schopf zu packen."
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