30.01.2003 München
München (30.01.03) - Der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Prof. Dr.-Ing. e.h. Karl Kling, fordert eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Ingenieure und Architekten: "Die realen Einkommen der Ingenieurinnen und Ingenieure in Deutschland sinken seit Jahren, und der Bund reagiert wider besseres Wissen nicht auf diese existenzbedrohliche Situation", so der Kammerpräsident. Es sei dringend an der Zeit, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zu novellieren.
Die wirtschaftliche Lage vieler Ingenieure und Architekten ist alarmierend. Seit 1995 sind die Personal- und Bürokosten um mehr als 10 Prozent gestiegen. Dem stehen jedoch um bis zu 20 Prozent verminderte Honorare wegen immer geringerer Bauinvestitionen und der wegen gesunkener Baupreise reduzierten anrechenbaren Kosten gegenüber. Sinnvolles wirtschaftliches Handeln ist so kaum noch zu erreichen. Seit 1996 ist keine Anpassung der Honorare für Ingenieure und Architekten erfolgt. Zahlreiche Büros stehen unmittelbar vor dem wirtschaftlichen Ruin.
Bereits im Jahr 2001 hat das Bundeswirtschaftsministerium einen "Statusbericht 2000plus - Architekten und Ingenieure" zur wirtschaftlichen Lage der Büros in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten liegt seit 11. November 2002 vor. Die Veröffentlichung ist von Bundesminister Wolfgang Clement jedoch zur Chefsache erklärt worden und wird erst nach den Landtagswahlen am kommenden Wochenende erfolgen. "Durch dieses Vorgehen", so der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, "wird seit Monaten eine sachliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen des Berichts verhindert."
Diese Missachtung der Bedürfnisse eines ganzes Berufsstandes, der durch seine geistig-schöpferischen Leistungen einen erheblichen Beitrag zum Wohle der Allgemeinheit und der Baukultur beiträgt, ist für die Ingenieure in Bayern unverständlich. "Wir brauchen wirtschaftliche und berufsständische Rahmenbedingungen", so Prof. Kling, "die uns national und international wettbewerbsfähig machen."
"Die Leistung der Ingenieure in unserer Gesellschaft darf nicht unterschätzt werden. Kein Haus würde stehen, keine Energie bereitgestellt werden, kein Auto und kein Zug auf gut ausgebauten Verkehrswegen fahren, kein Trinkwasser fließen, kein Müll und kein Abwasser entsorgt werden, keine neuen Fabriken entstehen und keine innovativen Ideen für die Zukunft entwickelt, wenn nicht Ingenieure ihren kreativen Geist und ihr Wissen einsetzen würden", so Kling. Dies könne jedoch nur innerhalb wirtschaftlich akzeptablen Rahmenbedingungen geschehen, die derzeit nicht gegeben seien.
Der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau appellierte daher an Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement, den "Statusbericht 2000plus" endlich zur Diskussion frei zu geben. "Was ist dies für ein Stil im politischen Umgang mit dem Berufsstand der Ingenieure und Architekten", so Kling, "durch eine Nichtveröffentlichung einer mit öffentlichen Steuergeldern bezahlten Studie sich dem Gespräch und damit auch der Verantwortung zu entziehen?" Diese "Politik des Aussitzens von Problemen" der Bundesregierung koste viele Ingenieure ihre Existenz, mahnte Kling.
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