08.05.2003 München
München – Mit großer Besorgnis nimmt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau die Bestrebungen von EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein zur Kenntnis, durch die Einführung der EU-Dienstleistungsrichtlinie an den Fundamenten der freien Berufe in Deutschland zu rütteln. „Wir haben durch die hohen Anforderungen an unsere Kammermitglieder Qualitätsstandards im Ingenieurwesen geschaffen, deren Aufweichung zur echten Gefahr für Leib und Leben der Bevölkerung werden könnte“, sagte der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Prof. Dr.-Ing. e.h. Karl Kling.
„Liberalisieren“ will EU-Kommissar Frits Bolkestein die Verhaltens- und Niederlassungsregeln für Angehörige der freien Berufe in der Europäischen Union. Dabei stellt er unter anderem die Existenz der berufsständischen Kammern in Deutschland in Frage.
„Aus diesen Überlegungen“, so der Präsident der Bayerischen Inge-nieurekammer-Bau, Prof. Dr.-Ing. e.h. Karl Kling, „spricht eine erhebliche Unkenntnis der Verhältnisse in Deutschland.“ In den Kammern regeln die Mitglieder selbstverantwortlich ihre beruflichen Belange. Sie sind durch ihren gesetzlich verankerten Auftrag unter anderem zur Überprüfung der Qualifikationen eines Ingenieurs verpflichtet, bevor dieser in seinem sensiblen und verantwortungsvollen Ar-beitsbereich tätig werden darf. Kammeraufgabe ist außerdem, für Aus- und Fortbildung ihrer Mitglieder Sorge zu tragen.
„Die Mitgliedschaft in einer berufsständischen Kammer ist ein Gütesiegel für die Qualität der Arbeit des einzelnen Ingenieurs“, sagte Präsident Kling. Dies dürfe auch in einem vereinten Europa nicht aufgeweicht werden. Die Schwächen anderer Systeme, so Kling, seien erst kürzlich wieder auf tragische Weise in Erscheinung getreten, vor allem bei den jüngsten Erdbeben in der Türkei. „Die Qualifikationen, die Ingenieure und Prüfingenieure hierzulande mitbringen müssen, um ihren Beruf ausüben zu können, und die von den Kammern überprüft werden, machen ein derartiges Unglück im deutschen Bauwesen nahezu unmöglich“, so der Kammerpräsident.
Keinesfalls, so Kling weiter, diene das Kammerwesen, wie von den EU-Kommissaren Frits Bolkestein und Mario Monti unterstellt, zur Abschottung des heimischen Marktes. Im Gegenteil: Die Kammern seien kompetente Ansprechpartner für Auftraggeber und Auftragnehmer aus dem Ausland, der internationale Dialog der Ingenieurkollegen ist Dank der Bemühungen der Kammern lebendiger denn je.
„Wir schaffen die Voraussetzungen, damit ausländische Ingenieure bei uns tätig werden können – allerdings unter Einhaltung der in Deutschland etablierten und international anerkannten Qualitäts-standards“, sagte Kling. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist über Kooperationsverträge mit den Ingenieuren in Tschechien, Un-garn, Polen, Slowenien, der Slowakei, in Österreich, Italien und der Ukraine verbunden. Mit der Ungarischen Ingenieurkammer wurde am 02. Dezember 2002 in München ein weiterer Vertrag unterzeich-net, der die gegenseitige Anerkennung von Berufsausübungsrechten und -pflichten regelt. „Von dieser Art der Zusammenarbeit“, so der Kammerpräsident, „profitieren beide Seiten. Sie sollte Vorbild sein für die Kooperation der Ingenieure in anderen Ländern.“
Eine Abschaffung der deutschen Qualitätsstandards bei den Berufs-zugangsregelungen hätte hingegen fatale Folgen, so Kling – vor allem für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger.
Bayerische
Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de