27.01.2004 München
München – Eindringlich hat die Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, vor einer zu starken Fixierung auf die vermeintlich international angesehenen Studienabschlüsse „Bachelor“ und „Master“ gewarnt. „Es muss uns doch zu denken geben“, so Aschl, „dass inzwischen selbst die amerikanischen Bauingenieure ihren eigenen Bachelor-Abschluss als nicht mehr ausreichend erachten, Studierende für den Ingenieurberuf zu qualifizieren.“ Qualitätssiegel Nummer eins müsse der Abschluss als „Diplom-Ingenieur“ bleiben, so Aschl. Dies auch deshalb, weil der Bachelor als Kurzzeitstudium mit abgesenktem Niveau derzeit im europäischen Raum, wo mindestens vier Studienjahre gefordert werden, nicht anerkannt wird.
In einem Interview mit der Zeitschrift „Forschung & Lehre“ hatte die Präsidentin des 125.000 Mitglieder starken US-amerikanischen Ver-bands der Bauingenieure, Patricia Galloway, den Bachelor-Abschluss kritisiert. Er qualifiziere Studierende nicht ausreichend für die zunehmend komplexeren Aufgaben des Bauingenieurs. Wer in Zukunft als anerkannter Ingenieur professionell arbeiten wolle, müsse höhere Qualifikationen nachweisen können als den Bachelor-Abschluss.
Die Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, kritisierte die Strukturvorgabe der Kultusminister-konferenz, nach der der Bachelor künftig der Regelstudienabschluss sein soll: „Wir führen hier ohne ersichtliche Notwendigkeit ein Qualitätsniveau ein, welches andere Länder schon wieder abschaffen wollen. Wie so oft hinken Entscheidungen deutscher Bildungs-Politiker damit den internationalen Realitäten weit hinterher.“ Die bislang hoch angesehene Hochschulausbildung von Bauingenieuren in Deutschland verliere durch einen Regelstudienabschluss „Bachelor“ nicht nur an Wert und Ansehen, es drohe mittelfristig auch erheblicher wirtschaftlicher Schaden.
„Wenn wir nicht an der Qualität der Ausbildung zum Diplom-Ingenieur als Regelfall festhalten, sinken Niveau, Innovationskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Aschl. Und dies sei nun wirklich das Letzte, was Deutschland und insbesondere die Bauwirtschaft in der derzeitigen konjunkturellen Situation brauchen könne.
„Es passt nicht zusammen, auf der einen Seite Elite-Hochschulen fördern zu wollen und sich auf der anderen Seite durch die Einführung neuer Regelstudienabschlüsse mit Mittelmäßigkeit in der Ingenieurausbildung zufrieden zu geben“, sagte Aschl.
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