06.08.2004 München
München – „Die Äußerungen von Herrn Richard Weidinger, Vorsitzender des Vereins Ethik-Management der Bayerischen Bauindustrie, sind ein verzweifelter Versuch, anderen den schwarzen Peter zuzuschieben um davon abzulenken, dass sich in den eigenen Reihen unter Umständen mehrere größere schwarze Schafe befinden könnten. Und das wäre für einen Verein, der sich dem „Ethik-Management“ verschrieben hat, ja durchaus peinlich.“ Dies sagte die Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl. Weidinger hatte in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 04. August behauptet, Ingenieure und Architekten seien zentrale Glieder bei Bestechungen am Bau.
Dieser Behauptung tritt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, die als Organ der beruflichen Selbstverwaltung die Interessen der im Bauwesen tätigen Ingenieure in Bayern vertritt, mit aller Entschiedenheit entgegen.
Herr Dipl.-Ing. Weidinger bezeichnet Ingenieure und Architekten als „Agenten“ des Bauherren, die Korruption am Bau fördern. Er bejaht die Frage seines Interviewpartners, Ingenieure und Architekten seien „zentrales Glied“ bei Bestechungen.
Das ist grober Unfug. Es ist doch bezeichnend, dass im Falle des Stadion-Neubaus in Fröttmaning eine Baumaßnahme in einen Bestechungsskandal verwickelt ist, bei der gerade nicht ein unabhängiger Beratender Ingenieur oder Architekt mit dem Baumanagement betreut ist, sondern eine Baufirma, die als Generalübernehmer auftritt, also Planung und Ausführung unter einem Dach vereint.
Bestechung gibt es demnach offenbar dort, wo der unabhängige Berater des Bauherren, der Beratende Ingenieur oder Architekt, fehlt!
Ingenieure beraten ihre Auftraggeber treuhänderisch und unabhängig von den wirtschaftlichen Interessen anderer, also beispielsweise auch unabhängig von den wirtschaftlichen Interessen der Baufirmen. Beratende Ingenieure zeichnet aus, dass sie als objektiver Ratgeber dem Bauherrn oder Investor zur Seite stehen und dessen Interessen wahrnehmen. Damit erfüllen Sie eine Aufgabe, die Korruption am Bau verhindert.
Herr Weidinger fordert „integre Agenten“ für den Bauherrn. Die gibt es bereits, seit Jahrhunderten und überaus erfolgreich: Ingenieure und Architekten, früher die „Baumeister“.
Deren Integrität ist in den Regeln zur Berufsausübung festgelegt. Wer dagegen verstoßen sollte, müsste mit drastischen Sanktionen der Berufsständischen Kammern rechnen. „Ethik-Management“ ist bei der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und deren Mitgliedern somit eine Selbstverständlichkeit und entspricht im übrigen auch dem Selbstverständnis der unabhängigen Beratenden Ingenieure bei deren Berufsausübung.
Wider besseres Wissen hat Herr Weidinger das gute Klima zwischen den am Bauprozess Beteiligten beeinträchtigt. Wir verwahren uns vehement gegen die Aussage, Ingenieure und Architekten würden Bestechungen am Bau fördern. Diese Aussage dient offenbar nur dazu, von eigenen Problemen abzulenken. Aber wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen.
Ob ein Vorgehen wie das von Herrn Weidinger eines Vereinsvorsitzenden würdig ist, der vorgibt, sich mit dem Thema „Ethik“ auseinander zu setzen, sei dahingestellt. Tatsache ist jedoch, dass sich hier ein kleiner Verein mit 33 Mitgliedern als moralischen Instanz darstellt, der gleichzeitig offenbar Probleme hat, in den eigenen Reihen Mitstreiter zu finden.
„Die Mitgliedschaft in der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau steht allen am Bau tätigen Ingenieuren offen. Schon heute sind hoch geschätzte Kollegen Mitglied in unserer Kammer, die in der Bauindustrie tätig sind. Wir dulden nicht, dass durch Beiträge wie den des Herrn Weidinger das Klima unter den Ingenieuren und allen am Bau Beteiligten vergiftet wird“, so Kammerpräsidentin Aschl.
Herr Weidinger sei zwar Diplom-Ingenieur, jedoch nicht Mitglied unserer Kammer. „Er unterwirft sich also auch nicht unserer Berufsordnung“, so Aschl.
„Die am Bau tätigen Ingenieure, egal ob als Beratende Ingenieure, in der öffentlichen Verwaltung oder bei Baufirmen beschäftigt, arbeiten in der Regel sehr gut zusammen im Interesse der Bauherrschaft. Dies wird, trotz der Äußerungen des Herrn Weidinger, auch weiterhin so bleiben“, sagte Präsidentin Aschl abschließend.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist das Selbstverwaltungsorgan der im Bauwesen tätigen Ingenieure in Bayern. Mitglieder sind 5.200 freiberuflich tätige, angestellte, beamtete oder gewerblich tätige Ingenieure.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vertritt die beruflichen Belange ihrer Mitglieder gegenüber Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit.
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