11.11.2004 München
Stellungnahme der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zur
Hochhausdebatte in München
Die Frage, ob neben den bereits bestehenden hohen Bauwerken weitere hohe Gebäude in München realisiert werden dürfen, erregt derzeit die Gemüter. Es gibt vehemente Befürworter und entschiedene Gegner. Und so gestaltet sich auch die Diskussion. Sie wird leider von Emotionen überfrachtet.
Seit ihrer Gründung im Jahre 1158 hat sich die Stadt München kontinuierlich entwickelt. Die Stadtentwicklung im Innenstadtbereich war und ist im positiven Sinne konservativ. Trotzdem wurden auch mutige architektonische und städteplanerische Akzente gesetzt. Neuere Beispiele sind die Fünf Höfe oder der Arnulf-Park. Neben der Frauenkirche wurden zum Beispiel das Olympia-Dach und der “BMW-Vierzylinder“ zu baulichen Wahrzeichen, auf die die meisten Münchener stolz sind. Die neuesten höheren Gebäude (Münchener Tor, Uptown München) erregen nun einige Kritiker. Wesentliche Gründe betreffen die Städteplanung und die Stadt-Silhouette. Die entstandenen Gebäude sind aber Solitäre, die nicht zu Häuserschluchten führen oder die Stadt-Silhouette nachhaltig verändern. Gleichwohl müssen sich Einwohner und Besucher in einer Stadt wohl fühlen. Gebäude dürfen nicht erdrücken. Ein „down-town“ außerhalb des eigentlichen Zentrums darf nicht entstehen. Wir dürfen die lebendige Innenstadt nicht entvölkern.
Nun ist München aber Zentrum einer der innovativsten, zukunftsträchtigsten und wachstumsstärksten Regionen in Europa. Das dokumentiert sich auch durch innovative Bauwerke. Wie schon in der Vergangenheit muss dies auch weiterhin möglich sein. Hochhäuser an hierfür geeigneten Standorten in der Peripherie können Zeichen setzen. Um keine groben Fehler zu begehen, sollten Planer und Stadt-Soziologen verstärkt zusammen arbeiten. Interdisziplinäre Kooperationen können zu begeisternden Lösungen führen.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau spricht sich eindeutig für eine in die Zukunft weisende Städteplanung aus. Dazu gehören auch Hochhäuser. Eine willkürliche Höhenbegrenzung von 99 Metern für Gebäude erscheint wenig sinnvoll. Hier muss von allen Beteiligten im Einzelfall entschieden werden. Das bisherige Genehmigungsverfahren hat sich bewährt.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vertraut auch weiterhin auf die Sachkompetenz der Beteiligten. Dass Ästhetik auch Gemüter erregen kann, ist positiv im Sinne der Auseinandersetzung mit unserem Tun. Denn Technik ist nur dann gut, wenn sie akzeptiert werden kann.
München, 10.11.04
Der Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
Bayerische
Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München
Telefon 089 419434-0
info@bayika.de