In Bulgarien sollen 990 Millionen Euro in das Fernstraßennetz investiert werden.
11.11.2009 - München
Eine einmalige Chance bietet sich bayerischen Bauingenieuren und Baufirmen in Bulgarien: Dort sollen mit EU-Geldern innerhalb von wenigen Jahren insgesamt 990 Millionen Euro in das Fernstraßennetz investiert werden. Bei einem Vortrag in den Räumen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau in München stellte Claus-Dieter Stolle, stellvertretender Leiter der nationalen Straßeninfrastrukturagentur von Bulgarien, die Projekte vor. Gesucht werden Fachleute, unter anderem für die Bauüberwachung. Zusammen mit Peter Georgiev (Wirtschaftskonsul und Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung des Generalkonsulats der Republik Bulgarien) stand Stolle den Gästen anschließend für Fragen zur Verfügung. Auch Generalkonsul Atanas Krastin ließ es sich nicht nehmen die Veranstaltung zu besuchen.
Der Minister für Regionale Entwicklung und Infrastruktur der Republik Bulgarien, Rosen Plevneliev, und der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann hatten Ende September in München vereinbart, dass Bayern die bulgarische Regierung bei dem Projekt unterstützen wird. Nun sollen bayerische Ingenieurbüros und Baufirmen gewonnen werden, um bei der Bewältigung der großen Projektsteuerungs-, Planungs- und Bauaufgaben mitzuwirken. Die von der Kammer in Kooperation mit der Obersten Baubehörde organisierte Informationsveranstaltung stieß auf sehr großes Interesse. Rund 60 Bauingenieure und Fachleute waren in die Geschäftsstelle der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau gekommen.
Nach der Begrüßung durch Dipl.-Ing. Helmut Schütz (1. Vize-Präsident der Kammer und Präsident der Autobahndirektion Nordbayern) und Ministerialdirigent Dipl.-Ing. Karl Wiebel (Leiter der Abteilung Straßen- und Brückenbau Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern), stellte Claus-Dieter Stolle den geplanten Ausbau des Fernstraßennetzes in Bulgarien vor.
Zwischen 8,5 und 132 Kilometern
Dabei erfuhren die Zuhörer zunächst, dass Bulgarien mit seinen 7,6 Millionen Einwohnern das Hauptransitland zwischen Zentraleuropa und dem Nahen Osten ist. Neun Städte haben mehr als 100.000 Einwohner. Diese Metropolen sollen durch sieben große Straßenbauprojekte besser als bisher miteinander verbunden werden. Die Abschnitte haben eine Länge zwischen 8,5 und 132 Kilometer und sollen in mehreren Losen vergeben werden. Das Problem: Die von der EU auf Abruf bereit gestellten Gelder müssen möglichst schnell investiert werden, damit sie nicht verfallen. „Wir haben in Bulgarien zu wenig qualifiziertes Personal und Fachleute“, sagte Stolle. Das betreffe vor allem die Bauüberwachung.
Das gesamte Projekt hat ein Volumen von rund 990 Millionen Euro. Für den Bau, die Verwaltung und Unterhaltung ist die Nationale Agentur für Straßeninfrastruktur zuständig. „Es lohnt sich, nach Bulgarien zu gehen“, sagte Stolle, der stellvertretender Leiter der Agentur ist. Damit sich bayerische Unternehmen überhaupt um die Projekte bewerben können, regten Schütz und Wiebel an, die bisher vorgesehenen Anforderungen an die Präqualifikation zu überdenken.
Es könne zum Beispiel nicht gefordert werden, dass der Bewerber innerhalb der vergangenen Jahre ein Autobahnprojekt mit einer Streckenlänge von mindestens 35 Kilometern abgewickelt habe. „Derart lange Autobahnprojekte gibt es etwa in Bayern und Deutschland so gut wie nicht“, sagte Schütz. Dadurch würden viele geeignete potenzielle Auftragnehmer von vornherein ausgeschlossen. Dies könne auch nicht im Sinne der bulgarischen Seite sein.
Ein Zuhörer mit Erfahrung in Bulgarien kritisierte die strengen Zulassungsvoraussetzungen. Für eine Bewerbung habe er seine Qualifikation nachweisen sollen, indem er mehrere Verträge von bisher abgewickelten Projekten ins Englische übersetzen lassen sollte. Die Übersetzung von hunderten von Seiten sei übertrieben, so der Ingenieur. Stolle versicherte den Anwesenden, sich über die genannten Umstände zu informieren und sich für die bayerischen Ingenieure einzusetzen.
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